Werner Korty aus Borken war bereits 1948 im Staat Israel 

Ein Abenteurer, der sein Leben lang viel Glück hat

Hatte einen eigenen Fahrer: Rechts Leutnant Werner Korty auf dem Weg nach Israel. Foto: Korty/privat

Borken – Es gibt Menschen, denen man gerne und lange zuhört. Werner Korty aus Borken ist so einer. Einer, der in 94 Jahren viel erlebt hat. Und einer, der in all den Abenteuern, die er bestanden hat, immer eines war – ein Glückspilz.

Vielleicht war ihm das selbst gar nicht bewusst, als er mit 19 Jahren 1943 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Als sein Berliner Elternhaus – als er gerade daheim auf Fronturlaub war – zerbombt wurde und er unverletzt blieb. Ein Glückspilz war er auch, als er 1944 statt wieder nach Russland auf die Insel Kreta geordert wurde. Und als ihn die Briten 1945 in Kriegsgefangenschaft nahmen – drei Jahre, die er im sonnigen Ägypten verbrachte, während Millionen Menschen in Gefangenschaft oder in zerbombten Städten unter Hunger und Kälte litten.

Korty aber hatte in Ägypten zu essen, zu trinken, ein Zelt, einen Aquarellkurs, sogar einen Hund – und auch eine Aufgabe. Denn die deutschen Kriegsgefangenen räumten damals die Depots, die die Engländer nach dem Ende des britischen Mandats östlich des Suezkanals aufgeben mussten.

Nach Gründung des Staates Israel im Mai 1948 durften sich Briten nur noch westlich des Suezkanals in Ägypten aufhalten. Deshalb übertrugen sie der aus Kriegsgefangenen gebildeten Transportkompagnie 804 die Aufgabe, die ehemaligen britischen Lager zu räumen.

Damit gehörte Korty vor 70 Jahren zu den ersten deutschen Offizieren im Staat Israel, sagt er. Der damalige Leutnant brauste in Konvois von 30 Lastwagen zwischen ägyptischer und israelischer Seite hin und her.

Was ihm in Israel als Allererstes auffiel, waren die vielen Soldatinnen. Frauen, die eine Uniform am Leibe und Waffen über der Schulter trugen, waren dem Berliner damals völlig fremd. Aber die Israelis beeindruckten ihn stark: „Die Menschen dort waren sehr selbstbewusst, aufgeschlossen und hilfsbereit“, berichtet der 94-Jährige. Und das, obwohl viele der jüdischen Siedler Grauenhaftes im Nazi--Deutschland erlebt hatten.

Hatte er selbst denn selbst wirklich gar nichts vom Holocaust mitbekommen? Doch, sagt Korty, es habe im Laufe der Zeit immer mehr Gerüchte gegeben, dass Juden ermordet würden. Dass die stimmten, merkte Korty, als er just zu jener Zeit in Warschau war, als dort im Mai 1943 das Ghetto gestürmt wurde, in dem sich hunderttausende von Juden befanden. Unzählige Menschen, erzählt er, wurden in Viehwaggons gezwungen, wo sie nach Stunden und gar Tagen um Wasser schrien und bettelten. Korty hat diese Szenen, die er als 19-Jähriger erlebte, nie vergessen. „Niemand konnte helfen: Die SS-Leute haben alle niedergeknüppelt, die Wasser in die Waggons reichen wollten“, berichtet er heute noch erschüttert.

Nicht nur deshalb war ihm dann das eigene Land fremd, als er 1949 nach Deutschland zurückkehrte. Fünf Jahre war er fort gewesen – und zu diesem Zeitpunkt erst 24 Jahre alt. Das Leben daheim hatte sich komplett verändert: Seine Heimatstadt Berlin war abgeriegelt, über die Luftbrücke gelangte er über Umwege dorthin. Kaum, dass er dort angekommen war, schlenderte er zum Bahnhof Zoo.

Dort traf er auf eine junge Frau, in die er sich verliebte – seine heutige Frau Bruni, mit der er seit 66 Jahren verheiratet ist und zwei Söhne und Enkelkinder hat. „Ich war mein Leben lang glücklich“ sagt der Borkener. Wer so etwas sagt, der ist vor allem eines: ein echter Glückspilz.

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