Sie zeigte Historisches

Elisabeth Kaufmann war Jahrzehnte lang Stadtführerin in Homberg

Die langjährige Stadtführerin Elisabeth Kaufmann steht vor der Homberger Kirche.
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Elisabeth Kaufmann hat mehr als 30 Jahre lang viele Menschen als Stadtführerin durch die historische Altstadt Hombergs und auf die Burg geführt.

Mehr als 30 Jahre lang war Elisabeth Kaufmann Stadtführerin und Ehrenmitglied Hombergs. Sie wurde kürzlich 90 Jahre alt. Davon widmete sie gern eine lange Zeit ehrenamtlich der städtischen Historie.

Homberg - Fürs Foto holt sie ihr mittelalterliches Kostüm aus dem Schrank, in dem sie die Touristen aus nah und fern durch die Gassen der Reformationsstadt führte. Elisabeth Kaufmann ist hellwach und kennt noch immer viele Geschichten über die Entstehung von Stadt und Burg. Sie war als Märchenerzählerin auf Veranstaltungen wie dem Wurzgartenfest unterwegs, bei Rosenhochzeiten auf der Burg trug sie zum historischen Bild bei, sie arbeitete ehrenamtlich im Verkehrsbüro der Stadt mit. „Ich machte das alles einfach gern“, sagt sie.

Wie vielen Menschen sie ihre Geschichten erzählt hat, weiß sie nicht mehr. Und trotzdem sprudelt es nur so aus ihr heraus: Da erfährt man, dass die Freiheit zu Hochzeiten im Mittelalter vor den Stadtmauern quasi als Neubaugebiet entstand, weil Menschen von nah und fern in die Stadt strömten und es nicht genügend Wohnraum gab. Die 90-Jährige kennt die Geschichte der weißen Frau aus dem Eff-Eff und ist geschichtssicher, wenn es um Synode und Landgraf Philipp geht.

Vom Marktplatz aus führte Elisabeth Kaufmann in die Kirche, zum Rathaus, in das Hochzeitshaus über die Salzgasse bis zum Pulverturm. Vieles habe sie sich angelesen oder bei ihrem inzwischen verstorbenen Mann Helmut erfragt. Ihn, der 1990 einen Schlaganfall erlitt, pflegte sie über 25 Jahre. Dafür wurde sie vom Sozialministerium mit der Hessischen Pflegemedaille ausgezeichnet.

Für andere da sein, das ist für die Hombergerin selbstverständlich. Sie wuchs in Mittelschlesien im Kreis Brieg auf, ihre Familie wurde nach Kriegsende ausgewiesen. Aus dem Lager in Löbau kam sie 1950 nach Borken zu einem ihrer Brüder, machte eine Ausbildung als Krankenschwester in Kassel, arbeitete im Diakonissen Krankenhaus und war lange als Gemeindeschwester tätig. 1971 lernte sie ihren Mann kennen und zog mit ihm nach Homberg. Er war Mitglied im Geschichtsverein. So wuchs eine gemeinsame Passion für die Stadtgeschichte und Kaufmann trat der Burgberggemeinde bei.

Die zurückhaltende Frau begann mit Burgführungen. „Die ersten Male hatte ich richtig Angst vor Publikum zu reden“, erzählt sie. Aus der Angst wurde eine Leidenschaft. Kaufmann erinnert sich gern an den verstorbenen Türmer Fritz Dreytza, der sie bei Abendführungen in der Stadt begleitete.

Jetzt ist es ihr zu mühsam auf die Burg und steile Wege in der Stadt zu laufen. Daher gab sie ihren Posten im vergangenen Jahr schweren Herzens auf. Mit einem Lächeln blättert die ehemalige Stadtführerin in dem Fotobuch der Burgberggemeinde, in dem viele Erinnerungen an ihre Auftritte in historischen Gewändern zu sehen sind. Darunter steht ein liebevoller Geburtstagsgruß an das Ehrenmitglied mit dem feinsinnigen Lächeln und der ausgeglichenen Art.

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