Künstler freuen sich

Endlich geht der Vorhang auf: Kultursommer Nordhessen findet im Schwalm-Eder-Kreis Open Air statt

So stimmungsvoll und unbeschwert war das Ambiente bei der Veranstaltung „Fritzlar vor dem Dom“ in den Jahren, als noch niemand an Corona dachte. Aber wie bereits im vergangenen Jahr soll auch 2021 eine tolle Atmosphäre entstehen. ARCHIV
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So stimmungsvoll und unbeschwert war das Ambiente bei der Veranstaltung „Fritzlar vor dem Dom“ in den Jahren, als noch niemand an Corona dachte. Aber wie bereits im vergangenen Jahr soll auch 2021 eine tolle Atmosphäre entstehen. ARCHIV

Während in diesen Tagen kreisweit Feste und Märkte erneut wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden müssen, hält der Kultursommer Nordhessen an seinen beliebten Veranstaltungen im Landkreis fest. Das Programm steht nun fest. Und nicht nur das: Mit beispielsweise Sonnenaufgangskonzerten am Burgberg in Homberg kommen sogar neue Ideen hinzu.

Wegen der Pandemie musste jedoch zunächst ordentlich umdisponiert werden: Start wäre eigentlich am 23. Mai gewesen. „Aber wir gehen davon aus, dass öffentliche Veranstaltungen bis Ende Juni untersagt bleiben“, sagt Intendantin Maren Matthes. Stattdessen soll es nun am 18. Juli mit „Aufgespielt“ im Park von Schloss Wilhelmsthal bei Kassel losgehen. Bereits am ersten Augustwochenende treffen bei der bekannten Kulturveranstaltung „Fritzlar vor dem Dom“ dann Oper, Schlagzeug und a cappella aufeinander, so Matthes.

Ein weiteres Novum: Das Figurentheaterfestival „Blickfang“ wird einmalig vom Kloster Haydau nach Borken in das Bergbaumuseum verlegt – im September statt im Juni. Auch im Schlosspark in Melsungen wird in diesem Jahr wieder gespielt. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Melsungen alle Veranstaltungen untersagt, so Matthes.

Rund 80 Veranstaltungen an mehr als 50 Spielorten sind insgesamt geplant. Sie alle finden Open Air und als Klappstuhlkonzerte statt und dauern nicht länger als 60 Minuten. „Bei hoher Nachfrage wird auch zweimal hintereinander aufgeführt“, sagt sie.

Das war bereits 2020 der Fall in Fritzlar: Die Künstler standen an einem Abend zwei Mal auf der Bühne. Damit sollen ähnlich viele Zuschauerzahlen erreicht werden. Matthes rechnet mit vielen Besuchern: „Die Nachfrage ist extrem hoch. Wir merken, dass die Menschen großes Interesse haben, endlich weder Kulturveranstaltungen zu besuchen.“

Viele Tickets wurden bereits verkauft. Sie behalten ihre Gültigkeit für verschobene Veranstaltungen. Ausnahme: Aufführungen des Theater Anu im Schlosspark in Gilsa. Diese Tickets müssen umgetauscht werden.

Das sind die Veranstaltungsorte des Kultursommers im Schwalm-Eder-Kreis

Der Kultursommer Nordhessen wird auch im Schwalm-Eder-Kreis einiges auf die Beine stellen. Vorstellungen gibt es im Schlossgarten Gilsa, in der Totenkirche Treysa, auf dem Marktplatz und am Dörnbergtempel in Homberg, im Kloster Haydau Morschen, im Schlossgarten Melsungen sowie in Fritzlar vor dem Dom. Weitere Informationen unter anderem zum Kartenvorverkauf gibt es unter Tel. 0561 / 98 83 93 99 und unter kultursommer-nordhessen.de 

Veranstalter im Landkreis sind erleichtert

Die Kultur und die Kunst haben in Pandemiezeiten sehr gelitten. Auch im zweiten Coronajahr werden bundesweit weiterhin regelmäßig Veranstaltungen abgesagt. Im Schwalm-Eder-Kreis müssen die Menschen auf so manchen traditionellen Termin wie beispielsweise den Fritzlarer Pferdemarkt verzichten. Da sorgt der Kultursommer Nordhessen mit seiner Zusage für 2021 für große Begeisterung.

„Die Nachfrage war und ist irre hoch“, sagt Intendantin Maren Matthes. Auf sie und ihr Team kam zunächst allerdings ein „Hurrikan“ zu. Das Ticketsystem erneuern, Absprachen mit Veranstaltern, Künstlern und Städten treffen – all das sei „nicht ohne“ gewesen. Jetzt freue man sich aber auf den Spätsommer. Freuen kann sich auch der Neuentaler Ortsteil Gilsa. Dort hätte bereits Ende Mai das Theater Anu gastieren sollen. Das Wandeltheater ist nun verschoben auf den 30. September bis 2. Oktober. Auch die Uhrzeit ist eine andere, weshalb die Tickets entgeltlich umgetauscht werden müssen, so Matthes. „Aber wir sind glücklich, dass in Gilsa etwas stattfindet. Es hätte mir in der Seele wehgetan, hätte das ausfallen müssen.“ Gilsa sei ein besonders kulturinteressierter Ort: „Die ganze Dorfgemeinschaft macht immer mit. Es ist eine besondere Atmosphäre. Normal würde die Dorfgemeinschaft auch eine Verpflegung anbieten. „Zum jetzigen Zeitpunkt denken wir, dass das wegen der Hygieneauflagen nicht möglich sein wird.“

Ein weiterer Spielort ist das Borkener Freilichtmuseum: Der Themenpark Kohle und Energie wird am ersten Septemberwochenende – 2. bis 5. September – zur Kulisse fürs Figurentheaterfestival „Blickfang“, das ursprünglich für das Fronleichnamswochenende Anfang Juni im Kloster Haydau in Morschen geplant war und um drei Monate verschoben wurde.

Im Freilichtmuseum führen dann Puppen- und Marionettenspieler auf gleich mehreren Bühnen verschiedene Stücke auf – und zwar alle selbst geschrieben und komponiert, berichtet Heidrun Thomas aus dem Borkener Rathaus. Doch auch, wenn sich viele Ideen und Konzepte noch in der Findungs- und Planungsphase befänden, stehe längst fest, dass das Museum ein großartiger Veranstaltungsort sei.

Zudem lasse die Nachricht, dass Kultur wieder – zumindest als Open Air-Veranstaltungen – wieder möglich sei, doch schon Vorfreude aufkommen.

Natürlich hänge vieles von der dann herrschenden Pandemielage und den damit verbundenen Auflagen ab, doch prinzipiell seien Veranstaltungen wie das Figurentheaterfestival gut machbar, weil die Besucher am Museumsgelände auch immer gut und genügend Abstand halten könnten, sagt Heidrun Thomas.

„Wir freuen uns wirklich sehr, dass die Kultur nun wieder Fahrt aufnimmt“, sagt Jutta Schröder-Wagnitz vom Fritzlarer Kulturverein. Es sei eine sehr gute Nachricht, dass am ersten Augustwochenende wieder die Reihe „Vor dem Dom“ mit Oper, Schlagzeug und a cappella stattfinde. Nicht nur fürs Publikum, sondern auch für die Künstler: „Es ist schön für die Musiker, dass sie endlich wieder Arbeit haben.“ Geklärt werden müsse aber noch die Frage, ob es dann auch wieder das Weindorf geben wird, denn das stehe noch nicht fest.

Fest aber steht die Freude, die die Nachricht bei der Stadt Fritzlar ausgelöst hat, dass „Vor dem Dom“ tatsächlich über die Bühne gehen soll. „In diesen trüben Zeiten die Aussicht auf ein buntes Programm bieten zu können, das ist schon etwas Besonderes“, sagt Stephanie Fett von der Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit im Fritzlarer Rathaus. „Wir freuen uns riesig, den Besuchern die Reihe Vor dem Dom mit ihrer tollen Atmosphäre bieten zu können“, sagt Stephanie Fett. Außerdem: „Es ist ja in diesen Zeiten alles andere als eine Selbstverständlichkeit, dass man Künstler live erleben kann.“ (Claudia Brandau Und Linett Hanert)

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