Er wählt zum ersten Mal

Maximilian Braun aus Homberg setzt mit seiner Stimme auf Digitalisierung

Die Qual der Wahl: Maximilian Braun (18) wählt bei den Kommunalwahlen am 14. März zum ersten Mal. Als Schüler im Homeoffice interessiert ihn besonders das Thema Digitalisierung.
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Die Qual der Wahl: Maximilian Braun (18) wählt bei den Kommunalwahlen am 14. März zum ersten Mal. Als Schüler im Homeoffice interessiert ihn besonders das Thema Digitalisierung.

Bei den hessischen Kommunalwahlen wählen etwa 98 000 junge Menschen zum ersten Mal. Wir haben einen Erstwähler aus Homberg gefragt, worauf es ihm bei der Wahl besonders ankommt.

Homberg - Wer Maximilian Braun fragt, welche Aufgaben der Politik besonders aktuell sind, bekommt als Antwort Netzausbau und Vermittlung digitaler Kompetenzen zu hören. Das mag untypisch klingen für einen 18-Jährigen. Doch nur auf den ersten Blick. Der Schüler, der die Homberger Theodor-Heuss-Schule besucht, lernt seit Monaten mit Laptop und Webcam statt mit Heft und Stift.

Sport, Literatur, Reisen – abgesehen vom Unterricht hat der Homberger vielfältige Interessen. Doch seine Leistungskurse Politikwissenschaft und Mathe zeigen, dass auch Politik dazugehört. „Meine Generation ist – zumindest in meinem Umfeld – politisch interessiert“, sagt Braun. Dabei stehe allerdings eher die Bundespolitik im Vordergrund. „Kommunalpolitik war bisher kein großes Thema.“

Interessen: Klimaschutz, Infrastruktur und Jobperspektiven

Das aber habe sich durch die anstehende und für ihn auch erste Wahl ein Stück weit geändert. „Ich habe mich informiert, welche Partei und welcher Kandidat für welches Thema einsteht.“ Klimaschutz, Infrastruktur, Jobperspektiven – alles Themen, die den 18-Jährigen und seine Altersgenossen interessieren. Doch ein Thema steht bei der Jugend besonders im Fokus: Digitalisierung. „Als Schüler im Homeschooling betrifft mich das täglich.“

Seit dem ersten Lockdown habe die Schule nachgerüstet; die Systeme liefen zuverlässiger, Schüler und Lehrer passten sich dem neuen Unterrichtsmodell zunehmend an. Doch gebe es beim Netzausbau und bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen noch Verbesserungspotenzial. „Umso näher die Politik an uns Bürgern dran ist – wie eben auf kommunaler Ebene – desto konkreter muss sie die richtigen Fragen stellen und Antworten bieten.“

Ein wachsendes Interesse junger Menschen an politischen Themen sei überall zu spüren. „Die Fridays-for-Future-Bewegung hat sicher etwas ins Rollen gebracht.“ Durch Corona und den Lockdown hat die Zahl der Demonstrationen abgenommen, doch die Forderungen und Botschaften der Schüler seien noch genauso aktuell und energisch.

Umweltschutz - mehr als nur ein Hype

„Das Ganze ist mehr als nur ein Hype“, sagt Braun. Die Forderungen nach Umweltschutz und Nachhaltigkeit seien längst mehr als nur Parolen. „Veränderungen in Politik und Gesellschaft können vielleicht nicht radikal sein – müssen aber jetzt stattfinden, um das Morgen zu sichern.“

Wie die meisten in seinem Umfeld hat der Homberger seine Stimme per Briefwahl abgegeben, „doch ist die erste Wahl trotzdem etwas Besonderes.“ Eine Mischung aus Verantwortung und Freude. Nicht zuletzt sei das Wählen eine Bürgerpflicht. „Es kommt auch bei Freunden und Verwandten nicht gut an, wenn man nicht wählen geht.“

Erstwähler: Parteiprogramme wichtiger als Personen

Auf die Frage, ob Kommunalpolitik für ihn nicht eher personen- als parteigebunden sei, antwortet der 18-Jährige: „Das mag bei Älteren so sein.“ Er selbst kenne kaum einen lokalen Politiker, deswegen stünden für ihn klar die Parteien und ihre Programme im Vordergrund.

„Was könnte für uns Jugendliche im Ort entstehen? Jobaussichten, Kino, Hallenbad – diese Themen mögen weniger abstrakt und relevant sein als die der großen Politbühne, uns betreffen sie aber unmittelbar.“

Braun hofft, dass möglichst viele seiner Altersgenossen ihre Stimme abgeben, denn: „Jede Meinung zählt. Mit ihren Stimmen hat auch meine Generation die Chance, Einfluss zu nehmen und sich Gehör zu verschaffen.“ (Raphael Digiacomo)

Wer ist am 14. März wahlberechtigt?

Rund 4,7 Millionen der in Hessen lebenden Bürger sind nach Berechnungen des Hessischen Statistischen Landesamts wahlberechtigt. Darunter sind auch 98 000 Erstwähler. Sie können bei der Kommunalwahl 2021 zum ersten Mal an einer landesweiten Wahl teilnehmen. Die Gruppe der Bürger ab 60 Jahren hat mit 36 Prozent den größten Anteil. Auf die 45- bis 59-Jährigen entfallen 28 Prozent der Stimmen, 27 Prozent der Wahlberechtigten sind zwischen 25 und 44 Jahre alt. Der Anteil der 18- bis 24-Jährigen beträgt 9 Prozent. (rdg)

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