Landrat erlag Krebsleiden

Erinnerung an Frank-Martin Neupärtl: "Er stand zu seinem Wort“

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Enge Freunde und Weggefährten: Landrat Frank-Martin Neupärtl (rechts) mit Michael Kreutzmann bei einer Veranstaltung im Jahr 2011.

Schwalm-Eder. Sie waren beruflich Kollegen, politische Wegegfährten und enge Freunde - Michael Kreutzmann und Frank-Martin Neupärtl.

Im Gespräch mit der HNA beschreibt der 63-jährige Jurist aus Borken, der seit acht Jahren Kreistagsvorsitzender ist, was den verstorbenen Landrat politisch angetrieben hat und welche Schwerpunkte er setzte.

Klimaschutz: Mit großer Leideschaft habe sich Frank-Martin Neupärtl für Ziele des Klimaschutzes eingesetzt. Für seine Klimaschutz-Initiativen wurde der Kreis mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem trat er fünfmal beim internationalen Wettbewerb um den Liv-Com-Award an und gewann vier goldene und eine silberne Auszeichnungen.

Euphorisch gefreut

Der Landrat habe sich geradezu euphorisch gefreut und bei der Siegerehrung die Arme hochgereckt, erinnert sich Michael Kreutzmann an einen der Wettbewerbe. „Umweltschutz hat er aber nicht nur politisch propagiert, sondern auch ganz privat gelebt“, erinnert sich der Borkener. Im Haus der Neupärtls gebe es beispielsweise schon länger eine Holzhackschnitzel-Heizung.

Der Landkreis habe ein Klimaschutz-Konzept aufgelegt und wolle in zehn Jahren 28,9 Millionen Euro für die energetische Sanierung ausgeben.

Krankenhäuser: „Die Schließung des Krankenhauses in Homberg war die schwierigste Entscheidung, die Frank-Martin Neupärtl zu treffen hatte“, sagt Kreutzmann. Der Fortbestand der medizinischen Versorgung und die Sicherung der Arbeitsplätze seien ihm sehr wichtig gewesen.

Als es nach jahrelangen Defiziten keinen anderen Ausweg als den Verkauf gegeben habe, habe Frank-Martin Neupärtl zu der Entscheidung gestanden, auch wenn es ihm sehr schwer gefallen sei. Kreutzmann erinnert sich an stundenlange Verhandlungen zu diesem Thema und eine extrem aufgeheizte Atmosphäre im Kreistag.

Initiative gegen Rechts: 2008 traten die Freien Kräfte im Schwalm-Eder-Kreis mit rechtsextremen Aktionen auf. Auf Initiative von Frank-Martin Neupärtl sei eine nachhaltige Strategie entwickelt worden. Ein Runder Tisch wurde gebildet, Polizei, Schulen, Vereine und soziale Einrichtungen seien einbezogen worden. Der Landkreis gründete die Initiative „Gewalt geht nicht“ und richtete eine Stabsstelle ein, deren Mitarbeiter (Stephan Bürger) direkt dem Landrat unterstellt war. „Frank-Martin Neupärtl hatte ein sehr gesundes Feindbild, was rechte Gewalt angeht.“ Im Kreistag habe er sich vehement mit den Republikanern auseinandergesetzt.

Haushaltssituation: Wirklich stolz sei der Landrat gewesen, dass der Landkreis nicht unter den finanziellen Schutzschirm musste und in diesem Jahr sogar ein Plus im Haushalt von drei Millionen Euro erzielt habe.

Autokennzeichen: Das Autokennzeichen „HR“ als Symbol des Landkreises sei für Frank-Martin Neupärtl unantastbar gewesen. Er erinnere sich an eine Szene aus dem Wahlkampf in Fritzlar, wo der Landrat lange geduldig mit einem älteren Mann über die Einführung von Altkennzeichen diskutiert habe.

Landrat blieb standhaft

Frank-Martin Neupärtl habe dem Wähler nicht nach dem Mund geredet. „Er blieb bei seinem Wort, auch wenn der Mann ankündigte, dass er ihn dann wohl nicht wählen werde“, sagte Kreutzmann.

Die Freundschaft: „Es gab auch Kontroversen zwischen mir als Kreistagsvorsitzendem und dem Landrat als Chef der Verwaltung“, sagt Kreutzmann. „Das haben wir aber immer freundschaftlich geklärt“, fügt er hinzu.

Michael Kreutzmann und Frank-Martin Neupärtl kannten sich aus den 1980er-Jahren. Im Referendariat und später auch als Anwalt habe Frank-Martin Neupärtl kurz in seiner Kanzlei gearbeitet. Da sei ihre Freundschaft entstanden. Später gehörten beide der SPD-Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen an.

Von Heinz Rohde

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