Erinnerungskultur in Zimmersrode: Neue Stolpersteine erzählen von jüdischem Leben

Erneut konnte der Künstler und Bildhauer Gunter Demnig nach Zimmersrode geholt werden. Dort verlegte er 16 Stolpersteine, um der jüdischen Geschichte des Ortes zu gedenken.
Zimmersrode – 16 Stolpersteine erinnern nun an die Einzelschicksale von Zimmersörder Juden. Der 76-jährige Künstler und Bildhauer Gunter Demnig verlegte kürzlich an drei Stellen in Zimmersrode die ersten Stolpersteine.
Auf Initiative von Rainer Scherb und Thomas Schattner sowie in Kooperation mit der Gemeinde Neuental, dem Ortsbeirat Zimmersrode und dem Heimatverein Zimmersrode gelang es, Gunter Demnig erneut nach Neuental zu holen.
Bereits im Jahr 2012 hatte er im Ortsteil Bischhausen, 2017 im Ortsteil Gilsa und 2018 im Ortsteil Waltersbrück Stolpersteine verlegt.
Nun „versenkte“ er erneut Steine in den Bürgersteig der Gemeinde, danach hielt er im Bürgerhaus vor knapp 40 Zuhörern einen Vortrag über seinen Werdegang als Künstler und Bildhauer.
Der Weg des Künstlers hin zum Projekt Stolpersteine
Anhand von vielen ausgewählten Kunstwerken konnten die Besucher seinen künstlerischen Weg hin zu dem Projekt Stolpersteine nachvollziehen.
Nach Grußworten vom Ersten Beigeordneten Erich Strohm und dem Vorsitzenden des Heimatvereins Karl-Heinz Theis forderte Pfarrer Frieder Seebaß als kommissarischer Leiter der evangelischen Gemeinde Zimmersrode zur Christenpflicht und Mitmenschlichkeit im gegenseitigen gesellschaftlichen Miteinander auf.
Aus Respekt vor der jüdischen Kultur und Religion trug er ein alttestamentarisches Gebet erst auf Deutsch, dann auf Hebräisch vor.
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Hans-Hagen Hoffmann führte anschließend detailliert in die jüdische Geschichte des Ortes ein. Dabei erstaunte er die Besucher mit der Tatsache, dass exakt vor 435 Jahren die ersten Juden in Zimmersrode nachweisbar waren und dass die jüdischen Mitbürger mehr als 350 Jahre fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft waren.
Rainer Scherb erläuterte danach die architektonischen Besonderheiten von kleinen Landsynagogen anhand von Zeichnungen und Fotografien.
Als besonders spannend wurde eine Fotografie von den Anwesenden empfunden, in der im Hintergrund die Synagoge zu erkennen war, an deren linken Rand aber ein Haus zu sehen war, welches ein großes weißes Hakenkreuz trug. Es gehörte einem damaligen NSDAP-Funktionsträger.

Einzelschicksale der Zimmersröder Juden wurde thematisiert
Thomas Schattner führte abschließend in Einzelschicksale von Zimmersröder Juden vor dem Hintergrund der großen Entwicklungslinien der deutschen Geschichte ein.
Am Ende bedeutete das die Ermordung von 32 ehemaligen Nachbarn in den osteuropäischen Konzentrations- und Vernichtungslagern.
Besonders grausam war das Schicksal von Herbert Katz, an den nun in der Hauptstraße 1 ein Stolperstein erinnert. Er wurde im November 1938 von SS-Wachmännern im Konzentrationslager Buchenwald in den geladenen elektrischen Zaun gedrängt, da er eine größere Summe Bargeld bei sich trug.
Sein Bruder Moritz, an ihn erinnert an gleicher Stelle ein Stolperstein, musste diesen Mord aus unmittelbarer Nähe mit anschauen, weil er ebenfalls nach den Pogromnächten im November 1938 ins Lager verschleppt wurde. Moritz Katz konnte im Sommer 1939 nach Schanghai (China) fliehen.
Wenn es nach dem Willen der Organisatoren geht, werden im nächsten Jahr weitere Steine folgen. Gunter Demnig zeigte sich jedenfalls kurz vor seiner Weiterfahrt nach Melsungen nicht abgeneigt, auch im Jahr 2025 der Gemeinde Neuental einen weiteren Besuch abzustatten. (Thomas Schattner)