Erst Altersheim, nun wieder daheim: Zimmersroderin wird 95

Zimmersrode. Maria Ettrich weiß genau, wie sich Heimweh anfühlt. Ihres war so groß, dass sie einen ungewöhnlichen Schritt ging: Die alte Dame zog aus dem Altersheim zurück nach Hause.

Alle Versuche, im Seniorenheim Wurzeln zu schlagen, waren gescheitert. Heute feiert Maria Ettrich ihren 95. Geburtstag - zu Hause.

Für Betreuerin Anna Neumann war es das erste Mal, dass eine Seniorin so sehr dafür gekämpft hat, wieder zurück in die eigenen vier Wände zu kommen. „Es lief im Altersheim alles gut - dennoch hat sie es nicht ausgehalten.“ Am Ende hielt es auch Anna Neumann nicht mehr aus, Maria Ettrich so leiden zu sehen: Sie machte sich dafür stark, dass die Zimmersröderin dorthin zurück kehren konnte, wo sie ihr Leben verbracht hatte - in ihr Haus.

Das hatte nach ihrem Umzug ins Altersheim leer gestanden. Ihr Mann Josef war bereits lange verstorben, genau wie ihr einziger Sohn. Dennoch leidet Maria Ettrich nicht unter Einsamkeit: Die Seniorin liebt es, am Fenster oder an der Haustreppe zu sitzen und zu schauen, was um sie herum passiert. „Ich bin so gerne zu Hause“, sagt sie. Dort aber könnte sie ohne Anna Neumann und Nicol Wallon-Bergemann nicht sein. Die Betreuerin aus Wabern und die Pflegedienst-Chefin aus Frielendorf-Schönborn sorgen dafür, dass die 95-Jährige all die Hilfe und Unterstützung findet, die sie braucht. Und es sind viele Handgriffe, die nötig sind, um der 95-Jährigen das Leben daheim zu ermöglichen. Mancher Nachbar packt mit an, mäht den Rasen oder nimmt Reparaturen vor. Und auch Nicol Wallon-Bergemann schaut oft vorbei. Nicht jeder Besuch ist ein dienstlicher: Maria Ettrich liegt ihr einfach am Herzen. „Sie ist so glücklich und zufrieden, dass wir sie gerne unterstützen“, sagt sie. Auch für Anna Neumann hat die Arbeit mit Maria Ettrich einen Sonderstatus. Sie steht dahinter, dass die 95-Jährige den Schritt zurück gegangen ist: „Alles andere hätte sie kreuzunglücklich gemacht.“

Sowohl Wallon-Bergemann als auch Anna Neumann wollen anderen Senioren Mut machen: „Man kann wirklich den Alltag im Alter organisieren, wenn man will.“

Maria Ettrich will. Und sie kann, dank der guten Geister um sie herum. Die haben für den Geburtstag heute Kuchen gebacken und Luftballons aufgepustet. Was wünscht sie sich? „Dass ich hier bleiben kann“, sagt sie. Sonst nichts? „Sonst nichts.“

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