Anteil vor zehn Jahren bei 17 Prozent

Frauenanteil bei der Polizei steigt: 25 Prozent der Mitarbeiter im Schwalm-Eder-Kreis weiblich

Katrin Pretsch (links) ist bei der Schutzpolizei in Homberg tätig, Ylva Werner arbeitet bei der Kriminalpolizei.
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Katrin Pretsch (links) ist bei der Schutzpolizei in Homberg tätig, Ylva Werner arbeitet bei der Kriminalpolizei.

Der Frauenanteil bei der Polizei steigt auch im Schwalm-Eder-Kreis. 

Fritzlar-Homberg – Aktuell sind bei der Polizeidirektion des Kreises 25 Prozent der Polizeibediensteten weiblich. Dies umfasst sowohl die Beamtinnen der Schutz- als auch der Kriminalpolizei. Vor zehn Jahren lag der Anteil der Beamtinnen noch bei 17 Prozent. Das teilt Polizeisprecher Markus Brettschneider auf HNA-Anfrage mit.

„Als ich vor 40 Jahren angefangen habe, war das noch ein reiner Männerberuf“, sagt Brettschneider. Seit dem steige der Anteil konstant an – ein positiver Trend, der hessenweit zu beobachten sei.

In ganz Hessen ist durchschnittlich ein Drittel der Belegschaft weiblich, nachdem sich der Anteil in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt hat. Das geht aus Zahlen des Landespolizeipräsidiums aus Wiesbaden hervor, wo die Statistiken zu diesen Themen geführt werden. Der Beruf sei für Frauen attraktiver geworden. „Projekte, wie spezielle Fortbildungsangebote, die sich gezielt an weibliche Beschäftigte richten und einen Raum für Weiterentwicklung, Austausch und Fragen schaffen, tragen sicherlich zur Attraktivität bei“, sagt Andre Kempf vom Landespolizeipräsidium. Auch unter den Bewerbern gibt es immer mehr junge Frauen: Zuletzt lag der Frauenanteil bei 40 Prozent, in den vergangenen Jahren beobachtete die Polizei dort einen steten Anstieg.

Unter den Bewerbern, die das umfangreiche Auswahlverfahren letztendlich bestehen, differenziert die Landespolizei jedoch nicht zwischen den Geschlechtern: Insgesamt bestehen in Hessen im Durchschnitt 35 Prozent aller Bewerber und Bewerberinnen das Auswahlverfahren für einen Ausbildungsplatz.

Weil der Frauenanteil unter den Polizeibeamten aber noch längst nicht ausgeglichen ist, nimmt die Frauenförderung bei der Polizei einen hohen Stellenwert ein. Familienfreundliche und individuelle Arbeitsbedingungen stünden im Vordergrund – sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Auch mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen sei ein erklärtes Ziel – auch in Teilzeit oder mit Doppelspitze. Des Weiteren verfüge jede Behörde über eine Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragte, die sich unter anderem gezielt für die Frauenförderung einsetzt. Außerdem seien Diversität und die Ansprache von weiblichen Bewerbern zentrale Themen der Nachwuchsgewinnung der Polizei Hessen.

Frauen bei der Polizei: 25 Prozent der Polizisten im Schwalm-Eder-Kreis weiblich

„Seitdem ich 13 Jahre alt bin, wollte ich unbedingt zur Polizei“, sagt Katrin Pretsch (49) aus Knüllwald. Und ihr Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen. Seit 1988 ist sie bei der Schutzpolizei in Homberg.

Im Fernsehen habe sie damals einen Bericht über Frauen bei der Polizei gesehen. „Es hat mich fasziniert, wie facettenreich dieser Beruf ist“, sagt Pretsch. Mit 16 Jahren hat sie in Homberg angefangen und da war Polizei noch eine „typische Männerdomäne“. Doch für sie sei dies nie ein Problem gewesen. „Ich wollte schon damals alles so machen, wie es auch die Männer machen, und nicht in irgendeiner Weise als Frau bevorzugt werden“, sagt sie. 13 Jahre lang ist sie sogar die einzige Frau in ihrem Team gewesen. „Aber benachteiligt habe ich mich nie gefühlt.“ Über die Jahre hat Pretsch gemerkt, dass der Frauenanteil immer weiter gewachsen ist – und weiter wächst.

Bei Ylva Werner (39) aus Melsungen war der Frauenanteil zu Beginn ihrer Polizeikarriere gar kein Thema mehr. „Natürlich waren es, als ich 2012 angefangen habe weniger Frauen als Männer, aber in unserer Studienklasse war es ziemlich ausgeglichen“, sagt Werner. Die 39-Jährige ist erst später in den Beruf eingestiegen. Nach ihrem Abitur hat sie Biologie und Pferdewissenschaften studiert. In dem Bereich war sie drei Jahre lang tätig. „Mein Mann arbeitet auch bei der Polizei, und da habe ich erst gesehen, wie abwechslungsreich und spannend dieser Beruf ist“, sagt sie. Daher habe sie sich entschieden, bei der Kriminalpolizei in Homberg anzufangen.

Doch nicht nur die Abwechslung des Berufs war für Ylva Werner ausschlaggebend, „die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist hier total problemlos.“ Derzeit ist sie im Mutterschutz. „Danach kann ich wieder dort anknüpfen, wo ich aufgehört habe“, sagt Werner.

Da der Polizeiberuf eine große Bandbreite mit unterschiedlichen Berufsfeldern hat, gibt es Bereiche, in denen der Einsatz von Frauen einen klaren Vorteil bietet. „Bei Vorfällen von häuslicher Gewalt oder Sexualdelikten, die zur Anzeige gebracht werden, ist es für die betroffenen Frauen auch mal besser, wenn sich eine Beamtin um den Vorfall kümmert“, sagt Ylva Werner. Natürlich gebe es auch im Gegenzug Bereiche, wo der Einsatz von Männern von Vorteil sei, zum Beispiel im Spezialeinsatzkommando (SEK), da es dort auch stark auf die körperliche Leistung ankomme.

Die beiden Polizistinnen können aber jedem – egal ob Frau oder Mann – der sich für den Polizeiberuf interessiert mit auf den Weg geben, dass man sich nicht scheuen sollte. „Man soll nicht denken, es sei ein reiner Männerberuf“, betont Ylva Werner. (Lea Beckmann)

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