Was ist denn da los?

Freie Wähler Schwalm-Eder werben auf Flyer mit Rathaus von Gelnhausen

Werbung mit Rathaus: Die Freien Wähler Schwalm-Eder werben bewusst mit dem in Gelnhausen.
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Werbung mit Rathaus: Die Freien Wähler Schwalm-Eder werben bewusst mit dem in Gelnhausen.

Die Wahlwerbung der Freien Wähler Schwalm-Eder irritiert bei näherer Betrachtung. Denn das auf dem Flyer abgebildete Rathaus befindet sich nicht im Landkreis. Das sagen die Freien Wähler dazu.

Schwalm-Eder – In Fritzlar gibt es das älteste Amtshaus Deutschlands, das Rathaus in Treysa besticht durch sein sehr altes, prächtiges Fachwerk und aus einem Turm des historischen Rathauses in Melsungen tritt die Bartenwetzerfigur täglich um 12 und 18 Uhr hervor. Wer also auf der Suche nach einem schönen Rathaus-Motiv ist, muss im Schwalm-Eder-Kreis nicht lange suchen.

Da hätte man zumindest meinen können, die Freien Wähler Schwalm-Eder hätten für ihren Werbeflyer zur Kommunalwahl am Sonntag, 14. März, die Qual der Wahl gehabt. Denn schnell sei klar gewesen, so Engin Eroglu von den Freien Wählern Schwalm-Eder, dass ein Rathaus den Titel der Wahlwerbung zieren sollte. Gesagt, getan.

Doch dann haben sich die Freien Wähler nicht etwa für eines der Rathäuser aus dem Schwalm-Eder-Kreis entschieden – zu sehen ist auf dem in 50.000-facher Auflage gedruckten und schon an viele Haushalte verteilten Flyer das Rathaus von Gelnhausen.

Flyer Freie Wähler Schwalm-Eder: Abgebildetes Rathaus steht in Gelnhausen

Das sieht zugegebenermaßen ganz hübsch aus, ist es doch eingebettet in eine Brunnen- und Fachwerkkulisse. Allerdings liegt Gelnhausen weder im Schwalm-Eder-Kreis noch in Nordhessen – es ist die Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises in Südhessen.

„Das hat mit Bildrechten und den Kosten zu tun“, nennt Engin Eroglu auf HNA-Anfrage einen der Gründe für die Entscheidung. Eine Agentur habe das Bild zur Verfügung gestellt und weil man ein Rathaus samt Fachwerk sehe, stehe dieses zum einen sinnbildlich für Bürgerbeteiligung, zum anderen durch das Fachwerk auch für das Heimatgefühl.

Dass das Gelnhäuser Rathaus auf dem Flyer der Freien Wähler Schwalm-Eder bei einigen Menschen im Landkreis für Irritationen sorge, könne er nachvollziehen, doch gehe es im Kern um die Botschaft und nicht darum, welches Rathaus zu sehen sei. „Im Rathaus trifft sich der Rat der Stadt und dort werden die Entscheidungen getroffen“, sagt Eroglu.

Flyer Freie Wähler Schwalm-Eder: Bewusst für die Gestaltung entschieden

In Gelnhausen ist Daniel Christian Glöckner (FDP) Bürgermeister, außerdem regieren der Barbarossastadt SPD, CDU, BG, FDP und Grüne mit. Im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises sind unter anderem die Freien Wähler vertreten.

„Wir zeigen ein Rathaus, kein Bürgermeisterhaus“, sagt Eroglu. Das Bild stehe stellvertretend für Bürgerbeteiligung, die die Freien Wähler im Schwalm-Eder-Kreis verstärkt einforderten. Deshalb habe man sich bewusst gegen das Foto des Kreisvorsitzenden auf dem Titel des Flyers entschieden – „so wie es andere Parteien machen.“ Und weiter: „Ich weiß nicht, ob jeder gleich versteht, was wir uns dabei gedacht haben“, sagt Eroglu.

Flyer Freie Wähler Schwalm-Eder: Keine Kommune benachteiligen

Er versichert aber, dass man sich über die Bildauswahl viele Gedanken gemacht habe. „Hätten wir ein Foto eines Rathauses aus dem Landkreis genommen, dann hätten sich Menschen in der einen oder anderen Stadt im Landkreis benachteiligt gefühlt“, so ein weiteres Argument fürs Bild vom Gelnhäuser Rathaus.

Eroglu: „Beim Fritzlarer Rathaus hätten sich die Menschen in Homberg beschwert – und umgekehrt.“ Erschwerend sei hinzugekommen, dass man sich Ende Januar für das Motiv entschieden habe. „Da war das Wetter nicht gut und wir brauchten ein Bild, auf dem keine Menschen zu sehen sind.“

Man könne es eben nie allen Leuten zugleich recht machen. Und überhaupt sei die Sache mit der Bildsprache aber auch eine schwierige, sagt er.

In Gelnhausen hofft man auf Touristen aus Nordhessen

Reiselust statt Heimatgefühle wecke die touristische Werbung der Freien Wähler Schwalm-Eder hoffentlich bei den Menschen im Schwalm-Eder-Kreis, sagt Prof. Dr. David Lupton, Ortsvorsteher von Gelnhausen-Mitte. Jedenfalls freue man sich dort schon sehr auf Touristen aus Nordhessen, sagt er und lacht. „Als Ortsvorsteher der Kernstadt von Gelnhausen, 1170 von Barbarossa gegründet und heute Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises, bin ich begeistert, den Blick von meiner Haustür auf der Vorderseite einer Wahlbroschüre der Freien Wähler Schwalm-Eder zu sehen“, sagt er.

Den Zusammenhang zwischen dem Rathaus in Gelnhausen und dem Kommunalwahlkampf im Schwalm-Eder-Kreis könne er zwar nicht erkennen, doch sei er stolz auf die Stadt und freue sich, wenn sie in Nordhessen bekannter werde. Nur eine Bitte habe er: „Sagen Sie Ihren Wählern in Zukunft bitte Bescheid, dass es sich um Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis handelt.“ 

Von Maja Yüce

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