„Kein Auftritt, kein Verdienst“

Absagen von Veranstaltungen - die Folgen für die Kulturschaffenden

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Noch läuft der Kinobetrieb: Cine-Royal-Chef Joachim Walther in einem seiner Kinosäle.

Um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus einzudämmen, werden auch im Landkreis Kulturveranstaltungen abgesagt.

Einige Künstler und Veranstalter sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Konzerte, Theatervorführungen, Ausstellungen werden jetzt aus Sorge vor der Ausbreitung des Coronavirus massenhaft abgesagt. Für viele Kulturvereine und -betriebe wird das zur Überlebenfrage. Hält die Krise länger an, fürchten auch im Altkreis Fritzlar-Homberg viele von ihnen um ihre Existenz. Es geht dabei um Einnahme-Einbußen.

Kulturring Homberg

„Die Kulturszene wird in ihren Grundfesten erschüttert“, sagt Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz, der auch der Vorsitzende des Kulturrings der Kreisstadt ist. Die ausverkaufte Komödie „Die Tanzstunde“, die Sonntag in der Stadthalle gezeigt werden sollte, wurde abgesagt.

Nicht alle Karten zurückgeben

„Es ist eine tolle Produktion und ein sehenswertes Stück, aber in dieser Situation können wir es nur absagen“, sagt Ritz. Er hofft zugleich, dass nun nicht alle Karteninhaber ihre Tickets zurückgeben. Denn das würde dem Kulturring finanziell kräftig zusetzen. „Wir versuchen einen Ausweichtermin zu finden und dann behalten die Karten natürlich ihre Gültigkeit“, sagt Ritz. Allerdings könne er jetzt noch keinen Termin nennen. „Die aktuelle Entwicklung prasselt gerade erst auf uns alle ein.“

Kulturscheune Fritzlar

Mit der Bitte, die Karten nicht gleich zurückzugeben, steht der Homberger Kulturring nicht alleine da. Auch die Kulturscheune Fritzlar, die ebenfalls erst mal alle Auftritte und Veranstaltungen abgesagt hat, bittet darum.

„Wir als Kulturscheune können ohne die Veranstaltungen überleben, wir sind ein Verein und gemeinnützig und unsere laufenden Kosten sind zu einem großen Teil durch die Mitgliedsbeiträge gesichert“, schreibt das Team der Kulturscheune auf Facebook. „Um den Künstlern, die bei uns auftreten sollten, ein wirtschaftliches Überleben zu ermöglichen, bitten wir euch darum, weiterhin Tickets zu kaufen.“ Man werde alle Einnahmen aus den Verkäufen direkt an die Künstler weitergeben. Die Situation sei ganz einfach: „Kein Auftritt, kein Verdienst!“ Die aktuelle und kommende Situation brauche Solidarität. „Bitte helft alle mit. Wir wollen ja in Zukunft wieder tolle Abende in der Scheune verbringen; und das geht nur mit Künstlern, die diese finanziellen Einbußen überlebt haben“, so die Kulturscheune weiter.

Künstler

Und auch immer mehr Künstler, wie etwa der Kabarettist Florian Schroeder, der unter anderem im benachbarten Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Kassel Auftritte abgesagt hat, rufen im Internet dazu auf, die Kulturschaffenden bei ihrem Corona-Abwehrkampf zu unterstützen. Schroeder schreibt: „Bitte denkt als Zuschauer einmal darüber nach, ob ihr die Karten zurückgebt und euer Geld zurückverlangt – unabhängig davon, ob die Show nur verlegt oder abgesagt wird.“ Und weiter: „Mehrere Wochen oder gar Monate ohne Veranstaltungen sind existenzgefährdend – für viele Bühnen – die meisten nicht subventioniert – aber auch Agenturen, Veranstalter – von der Kleinkunstbühne bis zum Konzertveranstalter, den Technikern, Helfern – und für einige Künstler.“

Cine Royal Kino

Verschobene Filmstarts und die Sorge vor einem Imageschaden, das sind die Themen, die den Chef des Fritzlarer Kinos, Joachim Walther, umtreiben. Denn auch er steht wegen der Coronakrise in enger Verbindung mit dem Gesundheitsamt des Schwalm-Eder-Kreises. Bislang läuft der Kinobetrieb noch. Grund dafür: „Es gibt keine Anordnung des Landkreises und so lange es diese nicht gibt, müssen wir die Filme zeigen“, sagt Walther und verweist auf die Verträge mit den Filmverleihern. Denn für jeden Filmausfall müsse der Kinobetreiber Strafe zahlen und die belaufe sich auf etwa 150 bis 200 Euro pro Film. „Wir haben sieben Kinosäle und zeigen täglich um die 21 Vorstellungen. Am Wochenende sind es täglich 36 Vorstellungen“, sagt er.

Da komme schnell eine stattliche Summe zusammen. „Gibt es eine Anordnung vom Gesundheitsamt, müssen wir keine Strafe zahlen“, sagt Walther und hofft insgeheim auf diese. „Wenn es irgendwann heißen sollte, eine Coronainfektion sei bei Kinobesuchern aufgetreten, ist der Imageschaden schnell riesig“, sagt Walther.

Bislang seien die Besucherzahlen nicht rückläufig, betont er. Doch er empfehle Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen, dass sie besser nicht zu Veranstaltungen gehen, bei denen viele Menschen seien. „Bei uns gehen täglich insgesamt bis zu 1000 Leute ein und aus“, so Walther. Das Geld für die Karten bekomme man erstattet.

Wegen der Vorsichtsmaßnahmen rund um das Coronavirus kommen auf die Mitarbeiter des Cine Royal nun mehr Aufgaben zu – sie müssen Anwesenheitslisten der Kinobesucher führen. „Dazu sind wir jetzt verpflichtet“, sagt Joachim Walther. Außerdem erklärt Sigrun Bonk, dass man pro Reservierung einen Sitzplatz zwischen den Besuchern freilassen werde. Außerdem werden – wie üblich – die Flächen desinfiziert. Sowohl für Kinobesucher als auch für Mitarbeiter steht Desinfektionsmittel zur Verfügung. Ganz aktuell informiert das Kino auf seiner Facebookseite über die Öffnungszeiten.

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