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Adipositas-Selbsthilfegruppe Schwalm-Eder lädt am Samstag zum Infotag

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Von: Sascha Hoffmann

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Haben ihre Lebensfreude wiedergefunden und wollen nun anderen Menschen mit Adipositas helfen: Heike Weinrich, Nicki Bolz und Daniela Heinmüller haben einen Info-Tag zum Thema organisiert.
Haben ihre Lebensfreude wiedergefunden und wollen nun anderen Menschen mit Adipositas helfen: Heike Weinrich, Nicki Bolz und Daniela Heinmüller haben einen Info-Tag zum Thema organisiert. © Sascha Hoffmann

Die Coronazeit war keine leichte für Daniela Heinmöller, Heike Weinrich und Nicki Bolz. Nicht raus können. Mit Sorgen allein sein. Sich nicht austauschen können. All das sind die Frauen nicht gewohnt, treffen sie sich doch sonst regelmäßig in der Selbsthilfegruppe Adipositas Schwalm-Eder.

Fritzlar – Wie viele andere Menschen, haben die drei Frauen ein Problem mit ihrem Gewicht, oder besser gesagt, hatten ein Problem. Sie haben sich gegen endlose Diätversuche samt Jojo-Effekt und für eine Magenverkleinerung entschieden.

Dass die allein aber kein Schlüssel zum Glück ist, sondern jeder auf seinem Weg hin zum Wohlfühlgewicht weiter an sich arbeiten muss, hat die Pandemiezeit nun gezeigt. „Ich esse meist aus Langeweile“, sagt Heike Weinrich und gibt zu, in jüngster Vergangenheit wieder öfter den Weg zum Kühlschrank gesucht zu haben: „Ein paar Kilo sind wieder drauf, doch das akzeptiere ich jetzt für mich so.“ Von den 180 Kilo, die sie vor der Operation auf die Waage gebracht hat, sei sie schließlich noch weit entfernt. Um die 100 Kilo wiege sie aktuell, viel mehr dürfe es nicht werden.

2020 operiert und jetzt 60 Kilo leichter: Nicki Bolz.
2020 operiert und jetzt 60 Kilo leichter: Nicki Bolz. © Sascha Hoffmann

„Man muss auch nach einer Magenverkleinerung höllisch aufpassen“, sagt die 52-jährige Verkäuferin aus Fritzlar und ist überglücklich, sich nun wieder regelmäßig mit den anderen Mitgliedern der Selbsthilfegruppe austauschen zu können. Sich Ratschläge holen, gemeinsame Unternehmungen, Sport – die Gruppe sei in vielen Aspekten eine wichtige Stütze. „Ich weiß, da sind Menschen, die wissen, wovon ich rede, das ist Gold wert und möchte ich keinesfalls missen.“ Es sei ein Gefühl der Sicherheit, sagt sie, und genau das wolle sie nun auch anderen Betroffenen vermitteln.

Heike Weinrich wog einst 180 Kilo.
Heike Weinrich wog einst 180 Kilo. © Sascha Hoffmann

Gemeinsam mit Daniela Heinmöller und Nicki Bolz hat sie unter dem Motto „In Hülle und Fülle“ einen Infotag organisiert. „Wir möchten den Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind“, sagt Nicki Bolz, die nun auch anderen Menschen mit der Krankheit Adipositas und damit einhergehenden Problemen, Wege aus ihrem Dilemma aufzeigen will. „Es geht ja nicht nur um die Pfunde, auch die Psyche leidet“, so die 34-Jährige, die sich nur zu gut an all die herablassenden Blicke erinnert, die sie erleiden musste, als sie noch gut 60 Kilo mehr auf die Waage gebracht hat. „Das war schwer auszuhalten, ich hatte Depressionen und Panikattacken, habe mich viel geschämt“, sagt sie und ermutigt andere Betroffene, mithilfe der Selbsthilfegruppe in ein neues Leben zu starten.

Programm: „In Hülle und Fülle“

Einige der Themen des Info-Tages „In Hülle & Fülle“, Samstag, 10 bis 17 Uhr, Hardehäuser Hof, Fritzlar: bariatrischer Operationen, Dr. Carsten Bismark, Hospital zum Heiligen Geist, Fritzlar; Pfundig und fit, Kathrin Eschstruth, KSV Baunatal; Psych. Gesundheit nach bariatrischer OP, Britta Pehlke; Fotografie als Therapie, Greg Wildförster; Ernährungsberaterin Barbara Schmidt, Asklepios; Zweithaarzentrum Nordhessen, Dirk Schaller. 

Auch bei Daniela Heinmöller sitzen „die dicken Jahre“ bis heute tief. Von anderen gern als „das fette Tier“ oder „das hässliche Stück“ bezeichnet, weiß sie, wie sehr die Seele leiden kann. Und wie schwer es ist, den für sich richtigen Weg aus dem eigenen Dilemma zu finden. Ihre Arbeit in der Selbsthilfegruppe vergleicht sie deshalb auch gern mit der Planung einer Autofahrt: „Es gibt den kürzesten Weg, die Panoramastraße und die schnellste Verbindung, wir als Gruppe empfehlen niemals die kürzeste Strecke, aber verschiedene Panoramastraßen.“ Diesen einen Idealweg gebe es schlichtweg nicht, es müsse individuell hingeschaut werden, und dabei könne jeder von den persönlichen Erfahrungen des anderen profitieren.

Wie das geht und was Experten zum Thema zu sagen haben, das erfahren Besucher des Infotages am Samstag zwischen 10 und 17 Uhr im Hardehäuser Hof.

Behandlung extrem Übergewichtiger

Unter Adipositaschirurgie oder bariatrischer Chirurgie versteht man chirurgische Eingriffe zur Behandlung des krankhaften Übergewichtes. Neben der Gewichtsreduktion sollen so vor allem sogenannte adipositasassoziierte Erkrankungen (Diabetes, Herzinsuffizienz, Fettleber usw) verbessert oder verhindert und die Lebensqualität gesteigert werden. Das Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar ist spezialisiert auf Adipositas-Chirurgie. Schlauchmagenbildung (Magenverkleinerung) und Magenbypass werden dort beispielsweise angeboten. (may)

Mehr Informationen: adipositas-shg-schwalm-eder.de

(Sascha Hoffmann)

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