Stadt plant Videoüberwachung

Müll, Lärm und Drogen in Fritzlarer Innenstadt: Anwohner ärgern sich

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Blick auf den Busbahnhof und die Stadtmauer in Fritzlar: Anwohner der dahinter gelegenen Von-Hund-Gasse beschweren sich über Ruhestörungen, Sachbeschädigungen und Verschmutzungen. Insbesondere alkoholisierte Jugendliche und Erwachsene bereiteten nach Angaben der Anwohner Probleme. 

Fritzlar. Die Fritzlarer Altstadt ist ein Idyll, doch nun gibt es dort Ärger. Anwohner fühlen sich von Jugendlichen gestört, die oft Alkohol trinken und kiffen. Die Stadt plant eine Videoüberwachung.

Der Ärger geht um 7.15 Uhr los und endet nach 3 Uhr. Dann stehen Jugendliche in der Von-Hund-Gasse, rauchen Zigaretten und Marihuana, urinieren in Häusereingänge, demolieren Autos und werfen Glasflaschen. Besonders schlimm ist es von Mittwoch bis Sonntag. Die Anwohner haben es satt, dass Jugendliche und Erwachsene sich in ihrer Straße immer und immer wieder danebenbenehmen.

Die Probleme gebe es nicht erst seit gestern. „Das geht seit Jahren so“, sagen sie. Seit der Wiedereröffnung des Busbahnhofs sei es jedoch besonders schlimm. Die Anwohner wollen, dass sich endlich etwas ändert, die Stadt etwas gegen die Störenfriede unternimmt. Sie haben sich daher Ende Juni in einem Brief an Bürgermeister Hartmut Spogat und den Magistrat gewandt.

Autos wurden zerkratzt

Da ist zum Beispiel Andreas Becker. In den vergangenen fünf Jahren seien seine Autos schon drei Mal zerkratzt worden. Auch der Seitenspiegel wurde bei einem Fußtritt zerstört. Zuletzt habe es sein Haus erwischt: Unbekannte hätten so stark an dem Einwohnerparken-Schild gerüttelt, dass es gegen die Fassade donnerte und die Eternitplatten zerstört worden seien. Sachbeschädigungen gebe es immer wieder, schildern die Anwohner.

Seit September wohnen Ingrid und Jürgen Scharf an der Gasse. Sie blicken direkt auf die Stadtmauer und den Durchgang. „Jeden morgen kommen die Schüler hier her und rauchen“, sagt Ingrid Scharf. „Die damit verbundene Lärmbelästigung wird noch übertroffen von dem Müll, den sie zurücklassen“, heißt es in dem Brief, der der HNA vorliegt. Ingrid Scharf hat das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht. Ohne Erfolg. „Die machen das dann aus Trotz, stehen extra vor unsrer Garage, obwohl wir gesagt haben, dass es Privatgelände ist.“ Das Ehepaar Scharf will sich nun schützen und einen Zaun vor dem Hauseingang errichten.

Die Anwohner (von links) Ingrid Scharf, Jürgen Scharf, Sandra Arend, Werner Arend, Maria Sälzer, Andreas Becker und Udo Matthias.

Maria Sälzer engagiert sich im St. Elisabeth Seniorenstift. Von ihrem Haus an der Rosengasse bis zur Einrichtung sind es nur ein paar Schritte. Sie nimmt abends aber lieber einen Umweg in Kauf. „Ich gehe nicht durch die Allee. Überall sind die Cliquen“, sagt sie. Anwohner Udo Matthias sieht die Stadt in der Pflicht, etwas gegen die Probleme rund um die Stadtmauer zu unternehmen. „Sonst müssen sie mit der Polizei zusammen eine Lösung finden“, sagt er. In ihrem Brief machen die Anwohner Vorschläge, was die Stadt unternehmen könnte.

• Rauchverbot in der Von-Hund-Gasse verhängen.

• Beleuchtung in der Von-Hund-Gasse ausbauen.

• Überwachungskameras aufhängen. Zudem soll in den Durchgang in der Stadtmauer ein Tor eingelassen werden. Das könnte – so wie der Spielplatz in der Allee – von abends bis morgens abgeschlossen werden.

Das sagt der Bürgermeister

Die Stadt hat Donnerstag Kontakt mit den Anwohnern der Von-Hund-Gasse und Rosengasse aufgenommen. Sie haben am Freitag ein Gespräch mit Bürgermeister Hartmut Spogat. Es dürfe nicht sein, dass sich Menschen bei Dunkelheit nicht in die Allee trauten, erklärt der Bürgermeister auf HNA-Anfrage.

Die Stadt beschäftige einen Sicherheitsdienst für den Objektschutz. Der würde zu unregelmäßigen Uhrzeiten und Tagen auch in der Allee und am Busbahnhof kontrollieren. Der Dienst kontrolliert Ausweise und darf Platzverweise aussprechen, erklärt der Rathauschef. Zudem stehe der Stadtjugendpfleger mit den Jugendlichen an der Stadtmauer im Kontakt. Eine Sperrung des Durchgangs in der Stadtmauer sieht Spogat kritisch. Im Notfall würde ein Rettungs- und Fluchtweg wegfallen. 

Die Installation von Videokameras sei im Zuge der Neugestaltung des Busbahnhofs diskutiert worden. Zunächst sollte abgewartet werden, wie sich die Ruhestörung und Sachbeschädigungen entwickelten. „Wir werden die Option ziehen und eine Videoanlage installieren“, kündigte Spogat an.

Hier ist die Von-Hund-Gasse in Fritzlar:

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