Kampfszenen aus 13. Jahrhundert

Alter Schrank im Fritzlarer Dom birgt Sensation aus dem 13. Jahrhundert

Dies soll der erste bildhafte Beweis für Fritzlarer Kampfszenen im Jahr 1232 sein: Archivar Clemens Lohmann hat sie im Dom auf einem Schrank entdeckt. Die Zeichnung zeigt zwischen den Zinnen Frauen und im Vordergrund die Angreifer.  Philipp Reinbold/nh

Fritzlar. Ein alter Schrank im Fritzlarer Dom hat für Historiker einige Überraschungen parat.

Wer die „kleine Sensation“ sehen will, muss genau hinschauen. Nicht, weil sie winzig ist, sondern weil der Zahn der Zeit an ihr genagt hat. Das Holz ist abgesplittert, die Farben sind verblasst und Zeichnungen verkratzt. Trotzdem ist sich Fritzlars Stadtarchivar Clemens Lohmann sicher: Die Abbildung auf dem Schrank im Musikzimmer des Doms St. Peter zeigt eine Kampfszene, die sich im Jahr 1232 bei Fritzlar zugetragen hat.

Hintergrund der Kämpfe war eine Fehde des Landgrafen Konrad von Thürigen mit dem Erzbischof von Mainz. Bisher wurden die Auseinandersetzungen nur schriftlich erwähnt. Lohmanns Entdeckung wäre der erste bildhafte Beweis und damit „eine kleine Sensation“. Eine, die Lohmann zufällig entdeckt hat.

Der Aufsatz

Der Stadtarchivar arbeitete an einem Aufsatz für die Festschrift „750 Jahre Fronleichnam“. Darin soll es darum gehen, welche Bauwerke aus den Jahren 1230 bis 1350 noch in Fritzlar erhalten sind. Bei seinen Recherchen hat er sich auch mit dem Anfang des 14. Jahrhunderts errichteten Stiftsgebäude samt Kreuzgang beschäftigt.

Clemens Lohmann

Um mehr über das Thema zu erfahren, hat Lohmann im Buch „Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel: Kreis Fritzlar“ nachgelesen. Es steht bei ihm im Archiv im Spitzenhäuschen, datiert aus dem Jahr 1909 und wie Lohmann vermutet, hat dort niemand die entscheidende Anmerkung beachtet. „Dabei sind Anmerkungen durchaus interessant.“

Die Fußnote

Bezirkskonservator Carl Alhard von Drach geht in seinem Buch auf „die Reste eines bemalten Schrankes“ aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts ein. Es ist der Schrank im Musikzimmer. „Die Wände sind aus Tannenholz und mit Malereien in Leimfarben verziert“, heißt es in dem Buch. Der Schrank steht auf einem Untersatz. Die dazu gehörige Fußnote machte Lohmann stutzig: „Die Vorderseite des unteren Abteiles zeigt die Belagerung einer Stadt (Fritzlar?) mit vielen kleinen Figuren (darunter auch ein Mann, der eine Hakenbüchse abfeuert sowie Weibern mit Lichtern) auf der Stadtmauer und solche davor“, heißt es bei von Drach.

Lohmann machte sich auf ins Musikzimmer. Er musste unbedingt nachschauen, ob die Schilderungen stimmen. Sie passen mit dem überein, was aus den Auseinandersetzungen bekannt ist. Für Lohmann war damit die „kleine Sensation“ perfekt. Sie zeige zudem, dass die Dombibliothek für eine Überraschung gut ist.

Wer sich selbst ein Bild von der Kampfszene machen möchte, hat dazu während den Öffnungszeiten der Dombibliothek Gelegenheit: ab dem 1. Mai dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr.

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