Unbekannte fischen mit Stromstößen 

Anglerverein Wabern ist wütend: Wildangler ziehen Fische aus Teich

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Nur für Mitglieder: Thomas Roth (links) und Marc Kamin ärgern sich, dass immer wieder Wildangler an den Teichen des Angelvereins Wabern und Umgebung ihr Unwesen treiben. 

Wabern. Der Angelverein Wabern (Schwalm-Eder-Kreis) hat ein wildes Problem: Immer wieder bedienen sich Wildangler an den Teichen des Vereins. 

Wenn Thomas Roth und Marc Kamin ihre Angeln auswerfen, haben sie ihre Ruhe. Die Teiche des Angelvereins Wabern und Umgebung liegen idyllisch zwischen Wabern und Fritzlar. Hierher verirren sich höchstens Radler, Spaziergänger oder Liebespärchen. Immer wieder gibt es aber auch ungebetenen Besuch. Wildangler machen in den Teichen fette Beute. Zuletzt am vorvergangenen Wochenende.

Wer den ungebetenen Gast aufgeschreckt hat, kann Thomas Roth nicht sagen. Er fand am Sonntag um 10.30 Uhr an einem der Ufer einen Kescher. „Den hat bestimmt jemand aus dem Verein vergessen“, dachte sich der 47-Jährige. Gegen eine Bratwurst und eine Cola beim nächsten Fest würde er das Gerät wieder an seinen Angelfreund abgeben.

Als sich Roth den Kescher genau ansah, war klar: Damit ist niemand aus dem Verein unterwegs. Es handelte sich um ein Konstrukt mit einem Kupferring und Leuchten. Schließt man den Kescher an eine Batterie an und hält ihn in das Gewässer, werden die Fische durch den Strom betäubt oder getötet. Dabei verstößt das gegen alle Regeln der Fischerei: Mit Licht und Strom zu fischen, ist verboten, stellt Roth klar. Der Angler hat den Fall bei der Polizei gemeldet. Es wird ermittelt.

Wie viele Fische der Unbekannte erbeutet hat, ist unklar. Die Vereinsmitglieder setzen jedes Jahr neue Tiere ein. In ihren Teichen tummeln sich tausende Karpfen, Hechte und Barsche.

200 bis 300 Euro

Ein Karpfen wiegt schnell mehr als 20 Kilogramm. Wer den fängt, macht ordentlich Beute. „100 Gramm kosten einen Euro. Dann ist man schnell bei 200 bis 300 Euro pro Fisch“, rechnet Roth vor. „Wenn man dann noch die Hege und Pflege einrechnet, geht es richtig ins Geld. Das ärgert ganz schön“, sagt der 34-jährige Marc Kamin, der wie seine Freunde viel Zeit und Geld ins Hobby investiert.

Roth und Kamin können nur vermuten, warum immer mehr Angler ohne Erlaubnis die Teiche plündern. „Vielen ist der Fischereischein zu teuer“, sagt Roth. Selbst einen Teich zu pachten, koste einige Tausend Euro im Jahr. Viele wollten auch nicht Mitglied in einem Verein werden – ihnen bedeutet das zu viel Arbeit.

Der Verein Wabern und Umgebung zählt 30 Mitglieder. Wer angeln möchte, muss mithelfen. „Jedes Mitglied kommt auf 25 Stunden im Jahr“, sagt Roth. Einfach hinsetzen und angeln: damit sei es einfach nicht getan. Wenn Wildangler diese Arbeit zunichtemachten, sei das enttäuschend. Hinzu kommt, dass der Verein wenig Handhabe habe. „Wir müssen die Täter auf frischer Tat ertappen“, sagt Roth. Der Angelverein Wabern und Umgebung reagiert auf den jüngsten Fall. Er will Hinweisschilder und Überwachungskameras aufstellen.

Hintergrund: Fischereischein ist Voraussetzung

Einfach eine Angel schnappen und Fische fangen – das geht in Deutschland nicht. Wer angeln möchte, muss mindestens 14 Jahre alt sein und einen gültigen Angelschein vorweisen. Voraussetzung hierfür ist eine bestandene staatliche Fischereiprüfung. Der Lehrgang erstreckt sich über 36 Stunden, wie Günter Hoff-Schramm, Geschäftsführer des Verbandes hessischer Fischer, erklärt. In der Theorie geht es etwa um Fisch-, Geräte, Gewässer- und Gesetzeskunde. In der Praxis lernen die Teilnehmer, wie sie Fische tierschutzgerecht töten und ausnehmen. Die Gewässer sind verpachtet. Wer angeln will, muss sich bei den Pächtern melden und dort Tages-, Wochen- oder Jahreskarten erwerben. 

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