Coronaregel wird für Obdachlose zum Problem

Ausgangssperre und kein Zuhause: Wohnungsnotfallhilfe in Fritzlar unterstützt Menschen ohne Heim

Für Obdachlose wird die Ausgangssperre zum Problem: Die Wohnungsnotfallhilfe versucht, die Menschen bei deren Bekannten unterzubringen.
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Für Obdachlose wird die Ausgangssperre zum Problem: Die Wohnungsnotfallhilfe versucht, die Menschen bei deren Bekannten unterzubringen.

Corona, Lockdown, Ausgangssperre – und obdachlos. Während die Ausgangssperre im Schwalm-Eder-Kreis für Menschen mit Heim vor allem bedeutet, nach 21 Uhr nicht mehr raus zu dürfen, stellt sie Wohnungslose vor große Probleme. Denn die Plätze der Wohnungsnotfallhilfe in Fritzlar reichen nicht annähernd aus, um alle Menschen ohne Wohnung im Landkreis zu versorgen.

Schwalm-Eder –Die Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie verfügt im Schwalm-Eder-Kreis über insgesamt drei Wohnungen – zwei in Fritzlar und eine in Homberg. Sie sind für drei, zwei Bewohner sowie eine Person ausgelegt. „Das ist nicht viel“, sagt Kateryna Reich, Sozialarbeiterin bei der Notfallhilfe. Und die Schlafplätze stehen nur für die Menschen zur Verfügung, die ohnehin bereits im Zuge des Betreuten Wohnens von der Diakonie unterstützt werden. Einen Platz versuche das Team als spontanen Übernachtungsplatz für einige Nächte vorzuhalten. Doch auch das ist für die Bedürftigen nur ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein.

„Wir wollen jetzt einen Wohncontainer organisieren, um mehr Plätze zu schaffen“, erzählt Reich. Dieser solle dann auf dem Gelände der Wohnungsnotfallhilfe in Fritzlar aufgestellt werden. Mehr könnten sie für die Wohnungslosen derzeit nicht tun. „Die Selbsthilfe geht vor“, erklärt Reich. Das bedeutet: Damit Obdachlose die Ausgangssperre im Schwalm-Eder-Kreis zwischen 21 und 5 Uhr einhalten können, unterstützen die Sozialarbeiter Wohnungslose dabei, Freunde, Familie, Bekannte zu kontaktieren. Denn viele hätten kein Telefon, um sich selbst zu kümmern. „Die Leute müssen versuchen, während der Ausgangssperre bei ihren Bekannten unterzukommen“, so Reich.

Darüber hinaus bestehe eine Kooperation mit dem Verein Sprungbrett aus Schwalmstadt. Er nimmt Menschen auf, die sonst keine Zuflucht fänden und auch von Ordnungsämtern nicht aufgenommen würden, bietet Hilfe für Menschen, die ohne Drogen, Alkohol und Gewalt leben möchten. Die Wohnungsnotfallhilfe unterstütze diese Arbeit im Gegenzug mit Gesprächsrunden, so Reich. Auch das Fritzlarer Ordnungsamt sei eine große Hilfe, wenn Menschen auftauchten, die Unterstützung benötigten. Auch tagsüber sorgt die Corona-Pandemie für Einschränkungen in der Wohnungsnotfallhilfe. Derzeit dürfen sich nur zwei Menschen gleichzeitig in den Räumen an der Steinmühle 1a aufhalten, können Wäsche waschen oder an den PC. Statt eines Mittagessens bieten die Sozialarbeiter nun ein Essen zum Mitnehmen an, berichtet Reich. Dass derzeit keinerlei Treffen stattfinden könnten, sei „dramatisch für die Wohnungslosen“.

Einen Lichtblick jedoch gebe es: Zwar sei die Arbeit in der Wohnungsnotfallhilfe in der Coronazeit umfangreicher geworden. Dafür erhalte das Team nun aber von vielen Seiten deutlich mehr Unterstützung.

„Wir haben mehr Möglichkeiten“, sagt Reich. Das Team könne Fahrdienste für Bedürftige anbieten, habe Hilfe beim Stellen von Anträgen für die Tagessatzauszahlung, der Landkreis unterstütze mit der notwendigen Coronauausrüstung. „Der Blick auf Bedürftige hat sich geschärft. Für uns ist es so leichter, zu helfen.“ (Chantal Müller)

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