Entscheidung fällt bei der Sitzung

Bauprojekt auf dem Café-Reuter-Areal stockt weiter: Fritzlarer sind unzufrieden mit den Plänen

Bereits Anfang März sorgten Bauarbeiten am ehemaligen Café Reuter in Fritzlar für Konflikte. Der Investor hatte sich an einigen Stellen nicht an die Regeln gehalten.
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Bereits Anfang März sorgten Bauarbeiten am ehemaligen Café Reuter in Fritzlar für Konflikte. Der Investor hatte sich an einigen Stellen nicht an die Regeln gehalten.

Eine Lösung in puncto Wohnbebauung auf dem Grundstück des ehemaligen Café Reuter in Fritzlar ist noch lange nicht in Sicht. Anfang März hatte der Investor, der auf dem Areal mehrere Mehrfamilien- und Reihenhäuser plant, bereits mit einigen Arbeitsschritten für Unmut bei den Anwohnern am Eckerich und bei der Stadt Fritzlar gesorgt.

Fritzlar - Mit dem Bau einer Schotterstraße, Erdaushub und Baumfällarbeiten hatte die Firma Königstor Baumanufaktur Tatsachen ohne Genehmigung geschaffen und sich anschließend dafür entschuldigt (HNA berichtete).

Jetzt geht es aber weniger um die regelwidrigen Schnellschüsse seitens des Investors als um die konkreten Pläne, die er den Stadtverordneten jüngst vorgestellt hat und über die das Parlament in der kommenden Sitzung am Donnerstag, 27. Mai, entscheiden wird. Der Plan der Königstor Baumanufaktur lautet: Insgesamt sollen 14 Häuser auf dem Areal gebaut werden. Im vorderen Teil der insgesamt fast 6000 Quadratmeter großen Fläche sollen vier Häuser mit je vier Wohnungen entstehen. Im hinteren Teil seien zehn Reihenhäuser vorgesehen.

Schon im Vorfeld der Versammlung kristallisiert sich jedoch heraus: Die Fraktionen sind unzufrieden mit dem Vorhaben des Investors. In einer Pressemitteilung betont die CDU um ihren Fraktionsvorsitzenden Dr. Hans-Gerhard Heil: „Diese blockartig wirkende Reihenhausbebauung fügt sich in keiner Weise in die bestehende Bebauung ein.“ Man begrüße daher ausdrücklich den Vorschlag des Magistrats. Dieser sieht auf dem Grundstück des ehemaligen Hotels lediglich drei kleine Mehrfamilienhäuser vor und fordert keine Reihen- sondern eine Einzelhausbebauung im hinteren Bereich.

Die CDU macht weiterhin deutlich: „Auch die Pläne für die Bepflanzung des Areals sind nicht zufriedenstellend. Die vorgenommenen Rodungen werden nicht im Ansatz durch Neuanpflanzungen ersetzt.“ So gehe es nicht. Es müsse eine abwechslungsreiche Bepflanzung geben, die dem früheren parkähnlichen Charakter des Reuter-Areals nahe komme.

Recht einheitlich dürfte die Abstimmung bei der kommenden Sitzung des Fritzlarer Parlaments ausfallen. Denn auch die Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern halte die Bebauungspläne des Investors für „viel zu dicht.“ In dieser Form sei das Projekt nicht genehmigungsfähig, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Mario Jung. Vom alten Café Reuter, wie man es kannte, müsse man sich verabschieden – das sei gar keine Frage. Dennoch müsse die Anzahl der geplanten Gebäude deutlich reduziert werden. „Dass der Investor vor einigen Wochen dann auch noch regelwidrig gehandelt hat, war für uns ein Fingerzeig“, sagt Jung.

Schon Anfang März vermutete Bürgermeister Hartmut Spogat: „Wer solche Vorarbeiten ohne Genehmigung öffentlicher Träger vornimmt und damit Tatsachen schafft, wird es in puncto Akzeptanz schwer haben.“ Auch jetzt kurz vor der Stadtverordnetenversammlung betont der Rathauschef: „Die Bebauung muss sich am Umfeld orientieren.“ Spogat spricht sich für die Einzelhausbebauung aus. Die Vorschläge des Investors seien zu eng und zu massiv.

Eine Lösung für das Areal rund ums Café Reuter, das einst ein Schmuckstück der Domstadt war, scheint es also noch lange nicht zu geben. Im Parlament dürfte der Tagesordnungspunkt jedoch schnell abgehakt sein. Denn derzeit sind sich alle einig: So kann es nicht funktionieren.

Café Reuter: Investor zeigt sich überrascht

Die Firma Königstor Baumanufaktur äußert sich auf HNA-Anfrage zum Thema. Man sei „sehr überrascht“ darüber, dass sich die Fraktionen aller Voraussicht nach gegen die jetzigen Planungen aussprechen werden.

Im Juli vergangenen Jahres sei ein Grundsatzbeschluss gefasst worden, in dem ausdrücklich eine Reihenhausbebauung im hinteren Teil gewünscht worden sei. Nun müsse sich der Investor Gedanken machen, inwiefern und ob das Bauprojekt weiter umgesetzt werden könne. Schließlich sei auch im vorderen Bereich eine Reduktion der Gebäudeanzahl gewünscht.

Bürgermeister Hartmut Spogat erwidert: 2020 habe es sich um einen anderen Vorhabenträger gehandelt. „Diese Planung entsprach einer Anordnung von Reihenhäusern, vorgelegt wurde eine Skizzenzeichnung. Der damalige Investor hatte später seine Planung zurückgezogen, weil er keine Realisierungschancen sah.“

Von der Königstor Baumanufaktur habe hingegen nie eine Planung für den westlichen Teil (Reihenhäuser) vorgelegen.

Kreis: Es läuft ein Verwaltungsverfahren

Der Investor wurde Ende März aufgefordert, die Bauarbeiten zu stoppen. Inwieweit es infolge seines regelwidrigen Handelns aber auch nachträglich Konsequenzen für ihn gegeben habe, beantwortete die Bauaufsicht des Landkreises aufgrund eines laufenden Verwaltungsverfahrens nicht. 

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