Särge am Samstag nach Deutschland überführt - Flugschreiber gefunden

Nach Tiger-Absturz in Mali: Trauerakte für verstorbene Soldaten

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Ehrenvolle Aufnahme: Soldaten aus Fritzlar trauerten mit den Angehörigen um ihre toten Kameraden.

Köln/Fritzlar. Die beiden in Mali bei einem Hubschrauberabsturz umgekommenen deutschen Soldaten sind seit Samstagabend wieder in Deutschland. In Köln gab es unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Trauerzeremonie.

Aktualisiert am Sonntag, 15.43 Uhr - Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (58, CDU) nahm die Leichen der beiden in Fritzlar stationierten Männer am Samstagabend im Kreise von Angehörigen und Kameraden auf dem Militärflughafen in Köln-Wahn in Empfang. Die Särge waren mit einem Airbus der Luftwaffe am Samstag von Westafrika nach Hause geflogen worden. 

Bereits am Samstagmorgen gab es in Mali eine Trauerzeremonie für die beiden Toten. Wie es auf der Internetseite der Bundeswehr heißt, seien mehr als 700 Soldaten aufgereiht im Ehrenspalier gestanden und salutierten zum letzten Gruß, als die Särge der Kameraden vorbei zum Airbus gefahren wurden. Oberstleutnant Thomas Blum, einer der Kontingentführer in Mali sowie Stellvertretender Regimentskommandeur in Fritzlar, sagte in seiner Traueransprache, dass der Verlust seiner beiden Kameraden eine unfassbare Tragödie sei. Es werde noch lange dauern, bis zum Einsatzalltag auch eine gewisse Normalität einkehre. Die Betroffenheit und Trauer unter den Soldaten in Mali sei allgegenwärtig.

Posthum wurde den beiden Soldaten die Einsatzmedaille verliehen. Außerdem verlieh ein Vertreter der Republik Mali den beiden Verstorbenen posthum die Ehrenmedaille des Landes. 

In Camp Castor in Mali müssen die Kameraden der verstorbenen Soldaten nun trotz Trauer und Fassungslosigkeit wieder zur Routine zurückfinden. 

Am Samstagabend kamen die Särge der toten Offiziere in Köln an. In einem Hangar gab es am Abend eine kurze Trauerzeremonie, eine sogenannte Ehrenvolle Aufnahme. Sie fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dabei wurden die Särge durch ein Spalier in einen Hangar getragen und sollten durch Militärseelsorger gesegnet werden. In einer Kapelle sollten sich die Angehörigen dann verabschieden können. Bei der Trauerzeremonie waren auch etwa 80 Kameraden aus dem Fritzlarer Heimatstandort der Soldaten dabei, berichtet die Bundeswehr am Sonntag. 

Ankunft in Deutschland: Bundeswehrsoldaten salutieren bei der Überführung der Särge.

Trauerfeier in Fritzlar geplant

Wann die Särge nach Fritzlar überführt werden, ist nicht bekannt. Am Standort der Verstorbenen soll es eine weitere Trauerfeier geben. Der Zeitpunkt stand am Sonntag noch nicht fest. Der Kommandeur des dortigen Kampfhubschrauberregiments 36, Oberst Volker Bauersachs, hatte vergangene Woche von einer sehr bedrückten Stimmung angesichts der zwei Todesfälle berichtet. Auch in Fritzlar sollen die Hubschrauber auf mögliche Mängel untersucht werden und bis Ergebnisse vorliegen, nicht starten.

Die beiden Soldaten stammen aus Nordhessen und waren in der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar stationiert. Wie die Bundeswehr am Samstag auf ihrer Internetseite mitteilte, handelt es sich bei den Offizieren um einen 33-jährigen Major und einen 47-jährigen Stabshauptmann. Nach HNA-Informationen handelt es sich bei einem der beiden Soldaten um Jan F. aus Neuental (33). Der zweite Soldat (47) soll aus Gudensberg stammen.

Suche nach der Absturz-Ursache des Tiger-Hubschraubers:

Luftfahrtexperten der Bundeswehr haben am Samstag einen von zwei Flugschreibern des abgestürzten Kampfhubschraubers in Mali gefunden. Das Gerät sei aber beschädigt, man wisse nicht, ob man es auslesen könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag. Zwei Flugschreiber hätten sich im Tiger-Hubschrauber befunden, das zweite Gerät suche man immer noch. Ein Team von Experten der Bundeswehr ist seit Donnerstag vor Ort, um die Ursache des tödlichen Unglücks zu erforschen. Die Absturzstelle sei weiterhin gesichert. Die UN-Mission berichtet von Erkenntnissen, die auf technisches Versagen hindeuten.

Der Tiger-Kampfhubschrauber war am Mittwoch in dem westafrikanischen Land Mali abgestürzt. Die Ursache wird noch untersucht. Allerdings gibt es bislang keinen Hinweis auf einen Abschuss. Die Mission Minusma der Vereinten Nationen (UN) soll zur Stabilisierung Malis und zur Umsetzung eines Friedensabkommens beitragen. Mehr als 890 Bundeswehrsoldaten sind vor Ort. Es sind die ersten Todesfälle von Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz seit 2015. 

Von der Leyen in Mali:

Nach der Trauerzeremonie für die beiden gestorbenen Soldaten ist Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu den deutschen Soldaten in Westafrika aufgebrochen. Am Sonntagmorgen kam sie Camp Castor in Gao an. Die Reise der Ministerin nach Mali und Niger war schon mehrere Wochen lang geplant. Allerdings wurde der Trip wegen des Hubschrauberunglücks vorgezogen und verlängert. 

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird nach ihrer Landung im Camp Castor in Gao begrüßt.

Von der Leyen will in Westafrika mehr Zeit bei den Soldaten verbringen: Am Sonntag gedachte sie mit anderen Soldaten bei einem Feldgottesdienst den toten Kameraden. "Dieser Verlust wiegt schwer", sagte sie unmittelbar nach der halbstündigen Zeremonie, an der rund 100 Soldaten teilnahmen.  Die CDU-Ministerin sagte, sie wolle nun bei den Soldaten sein, "Raum und Zeit für viele Gespräche schaffen". Die beiden toten Kameraden seien unter den Soldaten hochgeschätzt gewesen, die anderen hätten zu ihnen aufgesehen. 

Nach Tiger-Absturz: Trauer um verstorbene Kameraden aus Nordhessen in Mali

Auch über den Einsatz in Mali wolle sie mit den Soldaten sprechen. Der Einsatz sei entscheidend für die Stabilität Afrikas, was sich auf die Stabilität Europas und Deutschlands auswirke.

Gottesdienst mit den Soldaten: Am Sonntag wurde gemeinsam mit der Verteidigungsministerin den verstorbenen Soldaten gedacht.

Was steckt hinter dem Einsatz der Bundeswehr?

Deutschland ist lange Zeit für mangelndes Engagement in UN-Friedensmissionen kritisiert worden. In Mali will Deutschland zeigen, dass es auch in den UN bereit ist, mehr militärische Verantwortung zu übernehmen. Aber noch viel wichtiger aus Sicht der Bundesregierung: Durch Mali und das Nachbarland Niger laufen die wichtigsten Flüchtlingsrouten zur libyschen Mittelmeerküste. Deshalb will man mit Minusma Frieden sichern - und Fluchtursachen bekämpfen.

Mali ist mittlerweile nach Afghanistan der zweitgrößte Einsatz der Bundeswehr. Mehr als 890 Soldaten der Bundeswehr sind in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert. Die Soldaten sind unter anderem für die Aufklärung der Lage mit "Heron"-Drohnen zuständig.

Wie ist die Sicherheitslage?

Die Umsetzung des Friedensabkommens stockt. Der von den Weiten der Wüste Sahara geprägte Norden Malis ist weiterhin instabil. Dort treiben verschiedene Milizen und Terrorgruppen wie Al-Kaida im Islamischen Maghreb ihr Unwesen. Minusma ist deshalb die tödlichste aktuelle UN-Mission. Immer wieder werden Blauhelmsoldaten und andere UN-Kräfte bei Anschlägen und Angriffen von Aufständischen getötet.

Wurde die Bundeswehr schon zum Ziel von Anschlägen?

Ja, immer wieder. Ende November 2016 steuerten Selbstmordattentäter zwei Sprengstoff-Fahrzeuge auf das Flughafengelände des Blauhelm-Camps in Gao. Zwei Flughafenbedienstete wurden verletzt. Vergangenen Sommer wurde auch erstmals eine Bundeswehr-Patrouille beschossen. Im Oktober 2016 gab es einen Raketenangriff auf das Camp. Die Geschosse verfehlten das Feldlager aber. (dpa/jbg)

Kampfhubschrauber aus Fritzlar starten in Mali-Einsatz

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