Noch acht Betriebe im Landkreis

Bei ihm tickt alles richtig: Fritzlarer Uhrmacher repariert noch selbst

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Lupe und Pinzette gehören zum Standard-Werkzeug: Claus Reich ist Uhrmacher in Fritzlar. Vor allem die Arbeit mit alten, mechanischen Uhren macht ihm Spaß.

Claus Reich aus Fritzlar ist Uhrmacher. Er ist einer der Letzten, der Uhren noch selbst repariert. Im ganzen Schwalm-Eder-Kreis gibt es nur noch acht Betriebe.

Viele Handwerker gehen nicht ohne Säge, Bohrmaschine und Helm zur Arbeit. Für Claus Reich aus Fritzlar sind es zwei völlig andere Werkzeuge, auf die er nicht verzichten kann: „Ohne Lupe und Pinzette betrete ich meine Werkstatt nicht“, sagt der 66-Jährige. Reich ist Uhrmacher, ein Beruf, dessen Zukunft aus der Kippe steht.

Und genau das ist es, was der Fritzlarer so schade findet: „Mein Alltag hält so vielfältige Aufgaben bereit.“ Ein Uhrmacher müsse schließlich immer auch ein bisschen Elektriker, Feinmechaniker und Kundenberater sein. Sehr oft wünscht sich Reich die Zeit zurück, in der noch viele Jugendliche Interesse an einer Ausbildung hatten. Doch das ist lange her.

Mittlerweile nur noch Praktikanten

„In den 90er-Jahren hatte ich zuletzt einen Lehrling.“ Mittlerweile seien es nur noch Praktikanten. Genügend Wissen, um es weiterzugeben, hat der 66-Jährige allemal. Seinen Familienbetrieb gibt es seit 120 Jahren.

Auf die Frage, was das Faszinierende an Reichs Arbeitsalltag ist, weiß er sofort eine Antwort: „Besonders herausfordernd ist das Reparieren älterer Uhren“, sagt er und zeigt in einen Raum, der aussieht wie ein kleines Museum. Große Seilzuguhren, altertümliche Kettenuhren und zahlreiche Holzschubladen, in denen Zahnräder, Federn und Lager in unterschiedlichen Größen verstaut sind, gibt es dort. Reich weiß genau, wo er was findet.

Mit Fingerspitzengefühl: Bei der Reparatur von Armbanduhren muss millimetergenau gearbeitet werden.

Mit Lupe und Pinzette ausgerüstet zerlegt er in Windeseile ein Uhrwerk. Was für Laien aussieht wie ein hoch komplexes Gebilde aus metallischen Bausteinchen, kennt der Uhrmacher wie seine Westentasche: „Hier zum Beispiel ist die Sperrfeder kaputt gegangen“, erklärt der 66-Jährige. Mit feinsten Bewegungen löst er eine Schraube nach der nächsten.

Eine ruhige Hand ist wichtig

Eines steht fest: Ohne eine ruhige Hand funktioniert im Uhrmacherberuf gar nichts. Die Feder hat Reich ausgesägt und zurechtgefeilt. Und das ist die Besonderheit des Fritzlarer Handwerkers: „Ich schicke kaum etwas ein, sondern repariere fast alles selbst.“ Das wissen auch seine Kunden zu schätzen. „Menschen aus dem Umkreis von 50 Kilometern bringen ihre Uhren zu mir“, sagt Reich.

Häufig handele es sich dann um Armbanduhren. „Das Problem liegt oftmals an der Elektrik“, erklärt der Uhrmacher. Außerdem müsse er hierbei noch filigraner arbeiten. „Die Zahnräder sind ja nur wenige Millimeter groß.“

Ganz anders laufe hingegen die Reparatur von modernen Sportuhren ab. „Das hat dann mit den alten Uhren fast gar nichts mehr zu tun.“ Und? Ist auch das schade? „Nein“, sagt Reich und zuckt mit den Schultern. „Das ist eben der Lauf der Zeit.“ Und mit Zeit kennt er sich nun wirklich aus. Denn darum dreht sich sein Handwerk schließlich rund um die Uhr.

Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich bei Claus Reich unter 0 56 22 / 15 63 und unter Reich-Fritzlar@t-online.de melden.

Acht Betriebe im Schwalm-Eder-Kreis

Nach Aussage der Handwerkskammer Kassel gibt es in Nordhessen insgesamt 33 Uhrmacher-Betriebe. Mit acht Betrieben ist der Schwalm-Eder-Kreis am besten aufgestellt. Im gesamten Kammerbezirk gibt es derzeit allerdings nur einen einzigen Auszubildenden, der in Fulda lernt. 

In ganz Nordhessen absolviert demnach aktuell niemand eine Ausbildung zum Uhrmacher. Die Berufsschule, die für die Auszubildenden in Hessen zuständig ist, befindet sich in Würzburg.

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