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Abschied von einem großen Theologen: Katholische Pfarrer aus dem Kreisteil erinnern sich an Benedikt XVI.

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Von: Daniel Seeger

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Wird heute in Rom beigesetzt: Der emeritierte Papst Benedikt XVI.
Wird heute in Rom beigesetzt: Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (Archivbild) © Michael Kappeler dpa/lth

Benedikt XVI. wird heute (5. Januar) in Rom bestattet. Wir haben mit den katholischen Pfarrern aus dem Kreisteil Fritzlar-Homberg über den ehemaligen Papst gesprochen.

Fritzlar-Homberg – Anlässlich der heutigen Beisetzung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. blicken die katholischen Pfarrer aus dem Kreisteil Fritzlar-Homberg auf die Amtszeit des vielerorts geschätzten, aber nicht unumstrittenen Papstes zurück. Im Jahr 2005 wurde Kardinal Joseph Ratzinger zum Kirchenoberhaupt gewählt, im Jahr 2013 trat er aus Altersgründen zurück. An Silvester verstarb der emeritierte Papst.

Fritzlarer Stadtpfarrer Patrick Prähler: Benedikt war ein exzellenter Theologe

Patrick Prähler Stadtpfarrer Fritzlar
Patrick Prähler, Stadtpfarrer Fritzlar. © Daniel Seeger

Für den Fritzlarer Stadtpfarrer Patrick Prähler sind die Leistungen Benedikts XVI. in der Lehre zu verorten. „Er war ein exzellenter Theologe, der es schaffte, die Geheimnisse des Glaubens treffend auf den Punkt zu bringen.“ Besonders beeindruckend sei gewesen, dass Benedikt den Belastungen des Amtes trotz seines hohen Alters standgehalten habe. Zudem hebt Prähler die Bescheidenheit des verstorbenen Papstes hervor.

Der Rücktritt im Jahr 2013 habe seine Zerbrechlichkeit gezeigt. „Auch wenn der Papst der Vertreter Christi auf Erden ist, bleibt er dennoch Mensch mit Fehlern und Schwächen.“ In seiner Amtsführung habe sich Benedikt immer konservativ gezeigt. „Dies war sicherlich stringent mit seiner Amtsführung und theologischen Einstellung.“

Gudensberger Pfarrer Simon Graef: Benedikt wollte nie Papst werden

Simon Graef Dechant und Pfarrer in Gudensberg
Simon Graef, Dechant und Pfarrer in Gudensberg. © Daniel Seeger

„Er war ein großer Theologe, der eigentlich nie Papst werden wollte, aber sich in Dienst nehmen lassen hat“, sagt der Gudensberger Pfarrer und Dechant Simon Graef über Benedikt. Zudem sei er ein Papst gewesen, der konsequent gegen Missbrauch vorgegangen sei. „Die Kirche war für ihn der heilige Leib Christi – den man auch säubern muss.“

Benedikt habe das Amt des Papstes und die Traditionen, zum Beispiel beim Thema Liturgie, stets sehr ernst genommen. „Sein größter Verdienst war aus meiner Sicht, dass er den Mut hatte, zurückzutreten“, sagt Graef. „Er hat gesagt: Das, was für meine Kirche gut wäre, kann ich nicht mehr leisten.“ Das zeige Benedikts große Wertschätzung für das Amt des Papstes.

Homberger Pfarrer Peter Göb: „Benedikt hatte viele Facetten“

Peter Göb Pfarrer in Borken und Homberg
Peter Göb Pfarrer in Borken und Homberg © Privat

„Benedikt war einer Person mit vielen Facetten und unterschiedlichen Wirkungsfeldern, die man auch unterschiedlich bewerten kann“, sagt Peter Göb, Pfarrer der Gemeinden in Homberg und Borken.

„Es ist eine große Leistung, eine Weltkirche im Blick zu haben“, ob man diese aber immer zentral regieren könne, sei fraglich. Benedikt habe diese zentralistische Position betont. So habe er Wert auf eine einheitliche Lehrmeinung gelegt, was vielen Theologen aufgestoßen sei. „Ich hätte mir mehr Offenheit für andere theologische Strömungen in der Weltkirche gewünscht.“

Benedikt sei auch während seiner Amtszeit immer ein Wissenschaftler geblieben, sagt Göb. „Ich glaube, dass ihm die seelsorgliche Ader etwas gefehlt hat.“ Dass Benedikt für die Missbrauchsfälle in der Kirche die 68er-Bewegung mitverantwortlich gemacht hat, stört den Homberger Pfarrer. „Da hätte ich mir gewünscht, dass er die Erkenntnisse der Humanwissenschaften, zum Beispiel der Psychologie, beachtet. Das hatte zu wenig Einfluss auf seine Sicht.“

Der Rücktritt Benedikts habe damals eine gewisse Größe gezeigt – und sorge für eine Entlastung in der aktuellen Situation. „Es gibt im Rahmen der Trauerfeier nicht diesen Trouble um eine mögliche Nachfolge.“ Stattdessen gehe nun alles geregelt weiter.

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