Flutwelle ungeahnten Ausmaßes

Bombardierung der Edersee-Staumauer: Flutwelle überraschte 1943 Menschen im Edertal

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Fünf Tage nach dem Bombenangriff: Wasser wurde in Fritzlar Richtung der Eder abgepumpt. Das Foto zeigt das Haus Höhne (Mitte) und hinten das Haus Steinmetz. 

Fritzlar-Homberg. Eine Flutwelle ungeahnten Ausmaßes ergoss sich nach der Bombardierung der Edertalsperre in der Nacht zum 17. Mai 1943 ins Edertal und sorgte für dramatische Zerstörungen.

47 Menschen kamen ums Leben, viele auch im Kreisteil Fritzlar-Homberg. Der Fritzlarer Helmut Brandau, der heute in Borken lebt, hat seine Erinnerungen in einem Buch zusammengetragen, auf das wir uns hier beziehen. Er war damals acht Jahre alt:

„Unsere Nachbarin Marie Schmidt war in der Nacht auf der heutigen unteren Waberner Straße unterwegs, und sie rief: es gibt Hochwasser.“

Werner Brandau, der Großvater von Helmut Brandau, habe daraufhin gelassen gesagt, es gebe öfter Hochwasser. Danach habe er sich wieder in sein Bett gelegt. „Doch dann wurde es ernst“, erinnert sich der Zeitzeuge. „Die Leute riefen, die Talsperre wurde bombardiert. Wir zogen uns schnell an, das Nötigste wurde gepackt, und dann ging ich mit meiner Oma Anna schnellen Schrittes in die oberhalb der Eder gelegene Stadt.“

In der Nähe des Siechenrasens in Fritzlar: Hitlerjugend half beim Aufräumen nach der Flut.

Auf dem Weg dorthin beobachtete Helmut Brandau, wie einige Menschen damit beschäftigt waren, allerlei für sie wichtig erscheinende Dinge in Sicherheit zu bringen. „Da wurden sogar Geschirr und Bettwäsche auf einen landwirtschaftlichen Anhänger geladen, anstatt sich selbst zu retten. Einige schafften es nicht mehr. Sie wurden von der reißenden Strömung fortgerissen.“ Auch der Trecker, mit dem der beladene Anhänger gezogen werden sollte, sei später einige Kilometer entfernt in einer Kiesgrube gefunden worden.

Auswirkungen der Sperrmauer-Bombardierung: Nachdem die Flut abgeflossen war, zeichneten sich auch am Bahnhof in Fritzlar die Zerstörungen deutlich ab. 

Gut erinnert sich Helmut Brandau auch an ein Mädchen aus der Nachbarschaft. „Es war Gisela Draude. Sie wollte sich auf dem etwas höher gelegenen Gelände des Flugplatzes vor dem Wasser in Sicherheit bringen. Doch die Flut zwang sie, auf ein Barackendach zu klettern.“

Die Dachkonstruktion und Gisela Draude seien mitgerissen und auf der Flutwelle an Zennern vorbei bis zum Waberner Bahnhof getrieben worden. „Von einem Stellwerk aus wurde sie dann gerettet und in Sicherheit gebracht.“

Auch der Besitzer einer Ziege konnte sich nach Helmut Brandaus Angaben im letzten Augenblick noch retten. „Er band das Tier an einen Baum, auf den er dann eilig kletterte und die Flut überlebte.“ Der Vierbeiner sei jedoch im Wasser des Edersees ertrunken. 

Auch in Kassel kam es zu einer riesigen Flutwelle

Nach der Sprengung der Edertalsperre durch die britischen Bomber erlebte auch Kassel ein verheerendes Hochwasser. Über die Eder erreichte die Flutwelle die Fulda und am Mittag des 17. Mai die Kasseler Innenstadt.

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