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Übung der Bundeswehr in Fritzlar: Gewappnet sein für den Flugunfall

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Von: Daniel Seeger

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Helfer vom Deutschen Roten Kreuz kümmern sich um die Soldaten, die beim Unfall schwer verwundet wurden. Auch der Malteser-Rettungsdienst war vor Ort.
Helfer vom Deutschen Roten Kreuz kümmern sich bei der Übung um die Soldaten, die Verwundete spielen. Auch der Malteser-Rettungsdienst war vor Ort. © Seeger, Daniel

In einer Übung probt die Bundeswehr in Fritzlar die Rettung von Menschen nach einem Flugunfall. Auch zivile Einsatzkräfte sind mit dabei.

Fritzlar – Trotz strahlendem Sonnenschein auf dem Rollfeld der Fritzlarer Georg Friedrich Kaserne ist die Lage ernst. Zwei mit insgesamt acht Menschen besetzte Hubschrauber stehen dicht beieinander auf dem flimmernden Asphalt, ab und an sind schmerzerfüllte Laute zu vernehmen. Ein Blick in die Helikopter offenbart die Katastrophe. Da sitzen Menschen in Uniform – manche bewusstlos und mit teils schweren Verletzungen an Kopf oder Gliedmaßen. Das, was wie ein Horrorszenario klingt, ist glücklicherweise nicht die Realität, sondern Teil einer großen Übung, die die Heeresflieger zusammen mit zivilen Einsatzkräften absolviert haben.

Die Übung in der Georg Friedrich Kaserne sollte den Zusammenstoß zweier Hubschrauber simulieren. Alarmiert wurden die Retter vom Tower (Bild rechts). Dort sitzen Hauptmann Yannic Meyer und seine Kollegen.
Die Übung in der Georg Friedrich Kaserne sollte den Zusammenstoß zweier Hubschrauber simulieren. © Daniel Seeger

„Flugunfall, Flugunfall, Flugunfall!“, Hauptmann Yannic Meyer ist einer der Soldaten aus dem Tower, die im Zweifel sofort reagieren müssen. Wenn Meyer für den Alarm zum Hörer greift, weiß die Flugplatzfeuerwehr direkt Bescheid. Damit keine Informationen verloren gehen oder vergessen werden, gibt es an beiden Seiten des Hörers eine Checkliste.

Die Übung in der Georg Friedrich Kaserne sollte den Zusammenstoß zweier Hubschrauber simulieren. Alarmiert wurden die Retter vom Tower (Bild rechts). Dort sitzen Hauptmann Yannic Meyer und seine Kollegen.
Alarmiert wurden die Retter bei der Übung vom Tower. Dort sitzen Hauptmann Yannic Meyer und seine Kameraden. © Daniel Seeger

Die Flugplatzfeuerwehr muss dann entscheiden, ob auch zivile Kräfte gebraucht werden – wie bei der Übung am Donnerstag, bei der Rettungsdienste und Feuerwehren aus dem Umkreis dabei waren. „Bei größeren Unfällen brauchen unsere Kräfte Unterstützung von ziviler Seite“, erklärt der Fritzlarer Presseoffizier Remo Templin-Dahlenburg. Im Fachjargon nennt man so ein Szenario MANV – einen Massenanfall von Verletzten. Bei der Übung in Fritzlar wurde ein Zusammenstoß der beiden Hubschrauber simuliert. MANV – das steht auch als Wegweiser auf roten Schildern in der Kaserne, damit die Rettungskräfte direkt zum Flugfeld gelangen können.

Die ersten Helfer der Flugplatzfeuerwehr nähern sich unter Atemschutz der Unfallstelle und beginnen mit der Rettung der Verletzten aus den Hubschraubern. Die Verstärkung lässt nicht lange auf sich warten.
Die ersten Helfer der Flugplatzfeuerwehr nähern sich bei der Übung unter Atemschutz der Unfallstelle und beginnen mit der Rettung der Verletzten aus den Hubschraubern. Die Verstärkung lässt nicht lange auf sich warten. © Seeger, Daniel

Oberstleutnant Rüdiger Wiederhold ist verantwortlich für die Übung und macht bereits bei der Vorbesprechung klar, dass gehandelt werden muss, als sei der Unfall tatsächlich so passiert. „Läuft irgendetwas einfach nur nach Drehbuch, dann schreite ich ein. Die Fehler müssen aufgedeckt werden“, betont der Mann in Fliegermontur vor den Soldaten, und den Vertretern von Feuerwehren und Rettungsdiensten deutlich. Die Abläufe und eventuellen Schwierigkeiten müssten genau dokumentiert werden, damit im Ernstfall dann tatsächlich alles richtig läuft.

Bundeswehr-Übung in Fritzlar: Beobachter dokumentieren Geschehnisse

Dafür sind Beobachter vor Ort, die alles genau analysieren und festhalten. Mit Klemmbrett und Stift dokumentieren die zivilen und militärischen Spezialisten aus verschiedenen Fachrichtungen das, was sich auf dem Flugfeld abspielt. Und auch Wiederhold ist direkt am Ort des Geschehens.

Sofort nach Alarmierung rauschen die ersten beiden Flugfeldlöschfahrzeuge mit Blaulicht über die Runway in Richtung der Unfallstelle. Die ersten Feuerwehrleute, die am Einsatzort eintreffen, machen sich unter Atemschutz ein Bild der Lage. Nach und nach kommen immer mehr Helfer an die Unfallstelle – zunächst ausschließlich Bundeswehrkräfte. Die Feuerwehrleute befreien die ersten Menschen aus den Helikoptern und kümmern sich um die Erstversorgung. In der Zwischenzeit kommen dann die ersten Rettungswagen und die zivilen Feuerwehren.

Flugunfall-Übung bei der Bundeswehr in Fritzlar: Im Ernstfall kommt die Feuerwehr aus dem ganzen Kreis

Für die Übung standen die schon bereit, im Ernstfall kommen aber Kräfte aus dem ganzen Kreis. Denn für so viele Verletzte stehen in Fritzlar nicht genug Rettungswagen bereit. Diese Zeitverzögerung versuchte man auch in der Übung abzubilden.

„„Aus Sicht der zivilen Feuerwehr lief es sehr gut““, sagt Fritzlars Stadtbrandinspektor Rüdiger Hanke. „Natürlich gibt es immer noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber dafür ist eine Übung ja da.“ Die Feuerwehr aus Fritzlar war mit zwei Fahrzeugen und 14 Einsatzkräften vor Ort, hinzu kam ein Einsatzleitwagen der Feuerwehr Wabern. Die Aufgabe der Fritzlarer ist es unter anderem, Schnittstelle zwischen Bundeswehrfeuerwehr und der zivilen Feuerwehr zu sein. Beim Einsatzstichwort Flugunfall rücken im Ernstfall aber deutlich mehr Kräfte aus, betont Hanke. „Wir sprechen da vom Hundertfachen und der Beteiligung von Feuerwehren aus dem ganzen Kreis.“

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