1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fritzlar-Homberg
  4. Fritzlar

Nato-Vertreter in Fritzlar: Heeresflieger üben den Ernstfall

Erstellt:

Von: Daniel Seeger

Kommentare

Ein Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr im Tiefflug auf dem Übungsgelände in Fritzlar.
Ein Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr im Tiefflug auf dem Übungsgelände in Fritzlar. © Daniel Seeger

In einer Übung führen Piloten des Fritzlarer Kampfhubschrauberregiments politischen Vertretern verschiedener Nato-Staaten vor, was sie können. Und wie sie damit ihren Beitrag zur Landes- und Bündnisverteidigung leisten.

Fritzlar – Das Wummern der Rotorblätter ist schon von Weitem zu hören. Doch am grauen Himmel über Fritzlar ist nichts zu sehen außer düstere Wolken. Plötzlich tauchen zwei grüne Helikopter hinter den Baumwipfeln auf. Die beiden Kampfhubschrauber vom Typ Tiger rauschen in hoher Geschwindigkeit immer näher heran – in Richtung zweier Häuser und einigen getarnten Geländefahrzeugen der Bundeswehr. Braune Blätter wirbeln durch die Luft, fast, als würde ein Herbststurm aufziehen, als die beiden Hubschrauber links und rechts an den Häusern vorbeifliegen.

Nato-Delegation überzeugt sich von den Fähigkeiten der Fritzlarer Bundeswehr-Piloten

Auf dem Dachboden in einem der Gebäude steht Oberst Sönke Schmuck, Kommandeur des Fritzlarer Kampfhubschrauberregiments 36, zusammen mit Hessens Innenminister Peter Beuth und rund einem Dutzend politischer Vertreter aus der Parlamentarischen Versammlung der Nato. Sie gehören dem Verteidigungsausschuss an und stammen aus ganz unterschiedlichen Länden – wie den USA, der Türkei, Spanien oder Montenegro. Von dort oben haben sie einen guten Überblick über das Geschehen. „Die Vertreter sind hier, weil sie sich dafür interessieren, was in Deutschland eigentlich mit den 100 Milliarden Euro Sondervermögen passiert und welchen Beitrag die Bundesrepublik in der Nato leistet“, erklärt Michael Weiner vom Delegationsbüro des Bundesrats für die Parlamentarische Vertretung der Nato.

Innenminister Peter Beuth (re.) im Gespräch mit Oberst Andreas Steinhaus von der Division Schnelle Kräfte.
Innenminister Peter Beuth (re.) im Gespräch mit Oberst Andreas Steinhaus von der Division Schnelle Kräfte. © Seeger, Daniel

Von den 100 Milliarden hat man in Fritzlar bislang noch nichts gesehen, nichtsdestotrotz verfügen die Heeresflieger über umfangreiche Fähigkeiten, die sie als Teil der Nato-Speerspitze ab dem kommenden Jahr unter Beweis stellen müssen. Den Gästen will man in Fritzlar aber nicht einfach eine Flugshow zeigen. Die Heeresflieger führen das Potenzial und Können von Maschinen und Piloten vor dem Hintergrund eines Szenarios vor, das vor wenigen Jahren noch unwahrscheinlich erschien, jedoch durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine wieder in den sicherheitspolitischen Fokus gerückt ist: Es geht um die Landes- und Bündnisverteidigung.

Fritzlarer Heeresflieger üben Landes- und Bündnisverteidigung

Bevor die Übung losgeht, erläutert Oberst Schmuck vor einem der beiden Häuser – in der Hand einen Zeigestock, hinter ihm eine Karte – das fiktive Einsatzszenario. Es geht um die Verteidigung gegen feindliche Truppen, die nach Süden vorrücken wollen. Die Hubschrauber sind dabei nur ein kleiner Teil der Kräfte, die in einem solchen Fall eingesetzt würden – doch sie spielen eine wichtige Rolle.

Oberst Sönke Schmuck erläutert das Szenario der Übung in Fritzlar.
Oberst Sönke Schmuck erläutert das Szenario der Übung in Fritzlar. © Seeger, Daniel

Vorgeführt werden mehrere Manöver, die den Piloten einiges abverlangen. Nachdem die Hubschrauber an den Zuschauern vorbeigeflogen sind, bleiben sie an einem Berg in der Luft stehen. Die Bäume unter ihnen, die sie fast zu streifen scheinen, bewegen sich unter dem Druck des Windes, der von den großen Rotorblättern ausgeht.

So könnten die Flieger im Ernstfall die Standorte feindlicher Fahrzeuge an die Artillerie durchgeben, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, denn mit ihren Sensoren am Kopf des Rotors können sie über den Berg blicken, ohne sich komplett zu zeigen. „So sind sie sicher vor der feindlichen Flugabwehr“, erläutert Presseoffizier Remo Templin-Dahlenburg.

Bundeswehr in Fritzlar: Piloten brauchen viel Übung

Das umzusetzen, erfordert viel Übung. „So etwas nachts durchzuführen, das ist die Königsdisziplin“, sagt der Oberstleutnant. Rund zwei Jahre trainieren die Piloten, bis sie solche Manöver beherrschen. „Natürlich immer abhängig davon, wie viele Flugstunden sie in dieser Zeit absolvieren können“, so Templin-Dahlenburg.

Heeresflieger in Fritzlar: Bundeswehr-Piloten brauchen möglichst viele Flugstunden

Ein Thema, das zuletzt immer wieder für Ärger sorgte. Denn die möglichen Flugstunden hängen maßgeblich von der Einsatzbereitschaft der Hubschrauber ab, die in der Vergangenheit sowohl von militärischer als auch politischer Seite bemängelt wurde.

Im Anschluss wird es noch einmal turbulent, als die Hubschrauber im Sturzflug anfliegen und einen Angriff simulieren. „Das geht nur, wenn die feindliche Flugabwehr ausgeschaltet ist“, so Templin-Dahlenburg. Sonst sei das für die Piloten viel zu riskant.

Kampfhubschrauber Tiger der Bundeswehr: Betanken und Aufmunitionieren in 17 Minuten

Für die Gruppe steht noch eine weitere Station auf dem Programm. Nach einigen Hundert Metern Fahrt über einen holprigen Schotterweg sammeln sich die Besucher in einem Bereich, der mit rot-weißem Flatterband abgesperrt ist. „Bei der Luftwaffe scheint immer die Sonne“, scherzt der Kommandeur, als viele der Gäste wegen des immer stärker werdenden Regens ihre Schirme aufspannen.

Die Parlamentarische Versammlung der Nato

Seit 1955 begleitet die Parlamentarische Versammlung der Nato (Nato PV) die Arbeit des Verteidigungsbündnisses. Laut Bundestag ist sie ein Diskussionsforum, in dem insgesamt 269 Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus den 30 Nato-Mitgliedsländern über sicherheits- und verteidigungspolitische Themen beraten. Der Deutsche Bundestag entsendet zwölf Abgeordnete. Nato und Nato-PV sind rechtlich unabhängig voneinander.

Gerade als die beiden Helikopter, die eben noch den Angriff simuliert haben, vor den Zuschauern gelandet sind, fahren Tanklaster und ein olivgrünes Löschfahrzeug vor und Soldaten nähern sich den beiden Maschinen. Durch einen Schlauch wird Kerosin in die Tanks der Helikopter gepumpt und im Anschluss bestücken die Soldaten die Hubschrauber mit Raketen und Munition für das Maschinengewehr. „Nur Attrappen“, sagt der Presseoffizier.

Profis bei der Arbeit: Das Betanken und Aufmunitionieren der beiden Kampfhubschrauber dauert gerade einmal 17 Minuten.
Profis bei der Arbeit: Das Betanken und Aufmunitionieren der beiden Kampfhubschrauber dauert gerade einmal 17 Minuten. © Daniel Seeger

Gerannt wird nicht, denn es geht um genaues und sicheres Arbeiten. „Die Soldaten müssen das auch in der Nacht ohne Beleuchtung beherrschen“, erläutert Templin-Dahlenburg. Jeder Handgriff ist bis ins Detail eingeübt. Zum Betanken und Aufmunitionieren brauche es nicht mehr als eine gerade Fläche auf einer Wiese. „Wir schaffen das in 17 Minuten“, sagt Kommandeur Schmuck.

Während sich die Fritzlarer Piloten zurück auf den Weg in die Georg-Friedrich-Kaserne machen, geht es für die Besuchergruppe schon zum nächsten und letzten Programmpunkt ins Kloster Eberbach im Rheingau. Die Heeresflieger aus Fritzlar sind ab dem kommenden Jahr Teil der Nato-Speerspitze. Sie müssen innerhalb kürzester Zeit bereit sein, für die Verteidigung der Nato-Alliierten an der Ostflanke. (Daniel Seeger)

Auch interessant

Kommentare