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Tiger-Piloten aus Fritzlar erhalten Schutzbrillen gegen Laser-Attacken

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Von: Daniel Seeger

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Die Piloten der Fritzlarer Heeresflieger sollen mit den nun beschafften Brillen vor Laser-Angriffen geschützt sein.
Die Piloten der Fritzlarer Heeresflieger sollen mit den nun beschafften Brillen vor Laser-Angriffen geschützt sein. © Daniel Seeger

Mit ihren neuen Schutzbrillen sind die Piloten der Tiger-Kampfhubschrauber aus Fritzlar besser gegen Laser-Attacken geschützt. Diese Angriffe sind nicht nur im Einsatz ein Problem.

Fritzlar - Die Piloten des Fritzlarer Kampfhubschrauberregiments 36 werden bei künftigen Übungen und Einsätzen besser gegen Laser-Angriffe geschützt sein. Wie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) meldet, werden derzeit spezielle Schutzbrillen des deutschen Herstellers ESG an die Fritzlarer ausgeliefert.

Was zunächst wie Science-Fiction klingen mag, hat einen sehr ersten Hintergrund. Wiederholt kam es dazu, dass die Fritzlarer Piloten mit Laserpointern geblendet wurden. Zuletzt meldeten Bundeswehr und Polizei im Jahr 2020 mehrere Fälle – beispielsweise im Fritzlarer Stadtteil Züschen und im Kreis Marburg-Biedenkopf. Bei dem Fall in Mittelhessen wurde der Täter schnell ausfindig gemacht und wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr angezeigt. Zudem hatte sich der Mann damals telefonisch bei der Bundeswehr in Fritzlar gemeldet, um sich zu entschuldigen. Begründet hatte der damals 57-Jährige sein Handeln mit „Dummheit“. Im schlimmsten Fall können durch solche Laser-Attacken Unfälle oder bleibende Sehschäden verursacht werden.

Fritzlarer Offizier: Anschaffung der Schutzbrillen ist auch Lehre aus Afghanistan-Einsatz

Auch wenn der letzte Vorfall fast zwei Jahre zurückliegt, sei die Ausstattung der Piloten mit den Schutzbrillen wichtig, sagt der Leiter der Einsatzprüfung Tiger im HNA-Gespräch. „Dass die Brillen für unsere Piloten angeschafft wurden, ist letztendlich auch eine Lehre aus dem Afghanistan-Einsatz“, so der Offizier weiter. Denn auch dort sei es immer wieder dazu gekommen, dass die Piloten geblendet wurden. „Die Laser waren teilweise selbst gebaut und deutlich stärker als handelsübliche Laserpointer, die man in Deutschland kaufen kann“, erklärt er. Einen Schutz für die Fritzlarer Piloten gegen solche Laser-Attacken habe es bislang nicht gegeben.

Mit dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundesregierung hat die Beschaffung der Brillen demnach nichts zu tun. Der Beschaffungsprozess laufe bereits mehrere Jahre, sagte ein Vertreter des BAAINBw auf HNA-Anfrage.

Schutz für Fritzlarer Tiger-Piloten auch gegen militärische Laser-Angriffe

Mit den neuen Brillen reagiert die Bundeswehr auch auf neuartige Bedrohungen durch Laser, die bei der Entwicklung des Kampfhubschraubers Tiger in den 1980er-Jahren noch kaum eine Rolle spielte. Neben dem Schutz gegen farbige Laser, die zum Beispiel von Laserpointern ausgehen, seien die Schutzbrillen auch effektiv gegen Infrarot-Laser, die zwar nicht sichtbar seien, aber von denen eine erhebliche Gefahr für die Piloten ausgehe. „Diese Laser können schwere gesundheitliche Schäden verursachen – ohne dass man es erst einmal merkt“, sagt der Leiter der Einsatzprüfung Tiger im HNA-Gespräch. Der Offizier ist die Schnittstelle zwischen dem Standort Fritzlar, der Industrie und der Beschaffung.

Die neue Schutzbrille, mit der die die Kampfhubschrauberpiloten in Fritzlar ausgestattet werden.
Die neue Schutzbrille, mit der die die Kampfhubschrauberpiloten in Fritzlar ausgestattet werden. © PIZ Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung

Derzeit würden die Brillen sukzessive ausgeliefert. „Mit der Einsatzverpflichtung ab dem 1. Januar sind alle für den Einsatz vorgesehenen Piloten mit den Brillen ausgestattet.“ Ab dem Jahr 2023 sind die Fritzlarer Teil der Nato-Speerspitze. „Die Piloten müssen nun mit den Brillen fliegen, um sich daran gewöhnen“, sagt der Oberstleutnant.

Bundeswehr in Fritzlar: Bisher erhältliche Schutzbrillen nicht zum Fliegen geeignet

Mit den bisher verfügbaren Laser-Schutzbrillen sei das Fliegen nicht möglich gewesen. So schützen diese beispielsweise nur vor bestimmten Farben. Doch auch die nun beschaffte Brille kommt nicht ganz ohne Nachteile aus. „Die Brille nimmt etwas Licht“, sagt der Offizier. „Insbesondere bei Nachtflügen ist es dann eine Abwägung der Piloten, ob die Brille eingesetzt wird. Was nutzt es, wenn ich mich vor Lasern schütze, aber Hindernisse nicht richtig erkennen kann.“ Denn das, was die Fritzlarer Piloten in Übungen und Einsätzen leisten müssten, unterscheide sich noch einmal deutlich von den nicht geringen Anforderungen an andere Hubschrauberpiloten. „Das ist noch mal etwas anderes, als wenn man mit dem Polizeihubschrauber oder dem ADAC unterwegs ist.“

Die Fritzlarer sind bei der Ausstattung mit den neuen Brillen gewissermaßen Vorreiter. Perspektivisch sollen nicht nur die Besatzungen des Kampfhubschraubers Tiger von der neuen Brille profitieren. Ausgestattet werden laut Pressemitteilung auch die Piloten des Transporthubschraubers NH-90. Hubschrauber dieses Typs sind beim Heer, der Luftwaffe und der Marine im Einsatz.

Piloten der Bundeswehr werden immer wieder durch Laser geblendet

Auch wenn es schon länger nicht mehr vorgekommen ist, dass die Fritzlarer Piloten durch Laser geblendet wurden, sei das Phänomen nicht verschwunden. „Bei anderen Verbänden ist so etwas an der Tagesordnung“, sagt der Oberstleutnant. Durch die Laserstrahlen werden die Piloten geblendet und somit in ihrer Sicht eingeschränkt, was zu verheerenden Unfällen führen sein kann.

Für den Offizier aus Fritzlar sind solche Laser-Attacken auch Ausdruck von mangelnder Wertschätzung gegenüber Behörden. Ein gesamtgesellschaftliches Problem, das beispielsweise auch die Polizei betreffe. „Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Leute vorgeht, die so etwas machen.“ Man dürfe aber nicht vergessen, dass man es mit einem Kampfhubschrauber zu tun habe. „Leute zu finden, das ist unser Beruf. Das sollten sich die Täter vor Augen führen.“ (Daniel Seeger)

Zuletzt hatten die Fritzlarer Tiger-Piloten des Kampfhubschrauberregiments 36 politischen Vertretern etlicher Nato-Staaten ihre Fähigkeiten demonstriert.

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