Antikörper nachgewiesen

Nach Infektion im März: Arzt aus Fritzlar spürt noch immer Folgen seiner Corona-Infektion

Haben im März gemeinsam gegen das Coronavirus gekämpft: Die Fritzlarer Familie mit dem damals erkrankten Holger List, seinem 12-jährigen Sohn Julius, seiner Frau Barbara und seinem 18-jährigen Sohn Linus.
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Haben im März gemeinsam gegen das Coronavirus gekämpft: Die Fritzlarer Familie mit dem damals erkrankten Holger List, seinem 12-jährigen Sohn Julius, seiner Frau Barbara und seinem 18-jährigen Sohn Linus.

Im März dieses Jahres war Holger List aus Fritzlar am Coronavirus erkrankt. Völlig symptomfrei ist der Allgemeinmediziner allerdings noch Monate später nicht.

Fritzlar – Der 12.03.2020 wird Holger List und seiner Familie wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Es war der Tag, an dem der Fritzlarer Allgemeinmediziner positiv auf das Coronavirus getestet wurde und an dem der 49-Jährige auf eine Art und Weise erkrankte, die er nie zuvor erlebt hatte. Mittlerweile gilt List als geheilt. Sogar Antikörper wurden bei ihm nachgewiesen. Und tatsächlich: Es gehe ihm weitaus besser als im März. Von Symptomfreiheit könne aber nicht die Rede sein.

„Es passieren noch immer ganz seltsame Dinge mit mir“, erzählt List. Nach dem Händewaschen kribbeln seine Finger. „Das fühlt sich an wie Brennnesselstiche.“ An den Fersen bekommt er nur vom Spazierengehen Blasen. Immer wieder werden seine Füße ganz heiß. Und was den sportlichen Familienvater mit am meisten einschränkt: Wie gewohnt viermal die Woche zehn Kilometer zu joggen, ist nicht mehr drin. Schon nach vergleichsweise kurzen Strecken geht ihm die Luft aus. „Ich merke außerdem immer noch, dass ich mich manchmal nur schwer konzentrieren kann.“

Nach Coronainfektion: Arzt aus Fritzlar: „Virus unberechenbar“

Der 49-Jährige und seine Familie bleiben trotzdem positiv – diese Einstellung habe sie auch durch die besonders herausfordernde Zeit im März getragen. „Ich bin guten Mutes, dass langfristig alles wieder gut wird.“ Wenn er eines gelernt habe, dann aber das: „Das Coronavirus ist unberechenbar.“ Es bringe Symptome mit sich, mit denen man nicht rechne.

Mit seiner infizierten Kontaktperson sei Holger List seinerzeit nur wenige Minuten gemeinsam in einem Raum gewesen. „Das war wirklich nicht lange und es stand ein Tisch zwischen uns.“ Als im Nachhinein herauskam, dass die Person infiziert war, habe List daher noch nicht damit gerechnet, dass es ihn auch getroffen hat. Doch es hat ihn getroffen.

Corona-Infektion: Söhne hat Testergebnis stark mitgenommen

Angefangen mit allgemeiner Abgeschlagenheit, die später zu Fieber wurde, musste List das realisieren. „Ich bin sonst eigentlich nie krank.“ Das habe den 49-Jährigen bereits skeptisch gestimmt. Dass sich seine Ehefrau Barbara und seine Söhne Linus und Julius nicht mit dem Coronavirus infizierten, hatte in den folgenden Tagen nur einen Grund: äußerste Disziplin. „Wir haben ihm eine Matratze in ein Quarantänezimmer gelegt und ab dem Zeitpunkt nur noch mit Abstand vom Garten aus kommuniziert“, erinnert sich Barbara List.

„Man wusste damals ja auch noch so wenig“, so die Mutter. „Darf ich die Wäsche anfassen? Müssen wir die Luft anhalten, wenn wir über den Flur gehen, über den auch Holger noch vor einer halben Stunde gegangen ist?“ Vor allem ihre Söhne habe das Testergebnis stark mitgenommen, erzählt Barbara List. Sie selbst habe hingegen einfach funktioniert. „Ich habe mir immer wieder gesagt: Ich lasse nicht zu, dass meiner Familie etwas Schlimmes durch das Virus passiert.“

Corona-Krise hat die Familie aus Fritzlar zusammengeschweißt

Die Krise habe die Lists zusammengeschweißt, da sind sie sich sicher. Doch auf die Entwicklung der Zahlen schauen sie besorgt. „Es bedarf nicht viel, um sich zu infizieren.“ Das habe Holger List am eigenen Leib erfahren. Und: „Es ist nicht mit einem normalen Infekt ausgestanden.“ Die Familie appelliert an alle Menschen, das Virus nicht zu unterschätzen.

Die Regeln seitens der Regierung halten sie weitestgehend für angemessen. Selbstverständlich würden all die Einschränkungen die gesamte Gesellschaft prägen – und das nicht nur im positiven Sinne. „Ich fühle mich aber auf keinen Fall schlecht regiert“, sagt Barbara List. Im Gegenteil: „Ich möchte in diesen Zeiten keine Politikerin sein.“ (Daria Neu)

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