Rund 50 Menschen erkrankt

Altenzentrum in Fritzlar bittet um Hilfe: „Wir sind nicht am Limit, sondern drüber“

Notlage im Gama-Altenhilfezentrum in Fritzlar: Das Team ist dringend auf Unterstützung angewiesen, da auch ein großer Teil des Pflegepersonals erkrankt ist.
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Notlage im Gama-Altenhilfezentrum in Fritzlar: Das Team ist dringend auf Unterstützung angewiesen, da auch ein großer Teil des Pflegepersonals mit Corona infiziert ist.

Es herrscht Ausnahmezustand im Altenhilfezentrum in Fritzlar. Zahlreiche Bewohner und Mitarbeiter sind mit Corona infiziert. Nun bittet man dringend um Hilfe.

Fritzlar – Seit Tagen macht Clarissa Kiel-Gierse vom Gama-Altenhilfezentrum in Fritzlar fast nichts anderes als zu telefonieren. Sie ruft Angehörige an, Behörden, die Heimaufsicht, versucht, Informationen über Unterstützung zu bekommen und weiterzugeben. Denn das Altenhilfezentrum ist in einer brisanten Notlage. 34 Bewohner und 19 Mitarbeiter sind am Coronavirus erkrankt, so der Stand gestern Nachmittag. „Wir sind nicht am Limit, sondern drüber“, sagt die Ehefrau des Heimleiters Heiko Gierse, der zurzeit ebenfalls wegen einer Covid-19-Infektion nicht arbeiten kann.

Fritzlar: Altenhilfezentrum von Corona geplagt - „Viele liebe Menschen haben sich gemeldet“

Bereits vor einigen Tagen hatte sich das Altenhilfezentrum hilfesuchend an die Öffentlichkeit gewandt. „Viele liebe Menschen haben sich gemeldet“, sagt Kiel-Gierse. Im Bereich Service beispielsweise sei man seither gut aufgestellt. Dringendst benötige das Team aber weiterhin examinierte Pflegekräfte, die offensichtlich zu schwer zu bekommen seien.

„Normalerweise sollte mindestens auf jeder Station in jeder Schicht eine ausgebildete Pflegekraft sein.“ Derzeit seien jedoch insgesamt nur noch eine Handvoll Kräfte in der Lage zu arbeiten. Es sei beachtlich, wenn sich Menschen überhaupt bereit erklären, das Risiko auf sich zu nehmen und in dieser dramatischen Lage in der Pflege auszuhelfen. Und doch sei es gerade jetzt überlebenswichtig, dass sich weitere Menschen melden.

Corona in Fritzlar: Altenhilfezentrum hofft auf Hilfe von Stadt und Landkreis

Es herrsche Ausnahmezustand im Haus, sagt Kiel-Gierse. „Viele Bewohner haben Angst vor dem Virus, Angst davor, ins Krankenhaus zu müssen.“ Die Schwestern dürften nur mit ihren Schutzanzügen ins Zimmer. Der Kontakt zu den Angehörigen ist physisch überhaupt nicht möglich, am Telefon nur sehr bedingt. „Manchen Bewohnern fällt das Telefonieren schwer.“ Schließlich seien unter anderem auch demente Menschen auf den Stationen. Stellvertretend versuche Kiel-Gierse also selbst mittels zahlreicher Anrufe die Familien der Bewohner auf dem Laufenden zu halten.

Unterstützung erhofft sich das Gama-Altenhilfezentrum auch von der Stadt und dem Landkreis. Bürgermeister Hartmut Spogat sichert diese zu: „Es ist Aufgabe der Kommune, zu schauen, wo man helfen kann.“ Er habe Kontakt zu Pflegekräften aufgenommen, außerdem stehe die Stadt in Verbindung mit dem Gesundheitsamt in Waldeck-Frankenberg. „Zudem haben sich zwei Krankenschwestern aus Brilon auf unseren Facebook-Aufruf gemeldet“, sagt Spogat. Ab heute wollen sie helfen.

Laut Stephan Bürger, Sprecher des Landkreises, besteht in mehreren Einrichtungen Personalknappheit. „Im Fall des Gama-Altenzentrums in Fritzlar hat sich die Sozialverwaltung des Schwalm-Eder-Kreises in die Vermittlung von Kursteilnehmern aus dem Qualifizierungskurs Careful Integration aus dem Nord- und dem Südkreis eingebracht.“ Es seien mehrere Kontakte an Gama vermittelt worden. Man suche nach weiteren Lösungen. (Daria Neu)

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