Corona in Nordhessen

Risiko in Corona-Zeit zu hoch: Fritzlarer Klinik erklärt Regeln für Kreißsaal

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Nur per Videotelefonie ist Kontakt mit den Liebsten möglich: Im Fritzlarer Hospital dürfen derzeit nur die werdenden Mütter anwesend sein. (Symbolbild)

Um die Ausbreitung von Corona in Nordhessen einzudämmen, lässt das Hospital in Fritzlar derzeit keine Begleitung für Schwangere zu. Die Klinik erklärt, wieso diese Regel nötig ist.

Fritzlar (Nordhessen) - Die Entscheidung des Hospitals in Fritzlar, derzeit keine Begleitung von werdenden Vätern und anderen Personen im Kreißsaal zu erlauben, hat in den vergangenen Tagen für Diskussionen gesorgt.

Nun wendet sich das Krankenhaus noch einmal in einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit. Der Grund: Es will verdeutlichen, dass es ihm vor allem um den Schutz vor einer Ausbreitung des Coronavirus geht. Fragen und Antworten.

Wie begründet das Hospital seine Entscheidung, nur die Anwesenheit der werdenden Mütter im Kreißsaal zu erlauben?

Zu Anfang der Mitteilung betont die Klinik: „Derzeit sehen wir uns mit dem Covid19-Virus einer Gefahr ausgesetzt, die wir bis zum heutigen Tag nicht in Gänze einschätzen können.“

Zu den betroffenen Risikogruppen würden neben älteren Menschen mit Nebenerkrankungen auch grundsätzlich chronisch kranke Menschen, aber auch Schwangere gehören. Auch junge Menschen könnten schwere bis tödliche Verläufe durch die Viruserkrankung entwickeln. Und auch wenn die Infektion zunächst asymptomatisch verlaufe, könne es sein, dass sich die Viren unbemerkt in einem erheblichen Ausmaß verbreiten.

Corona in Nordhessen: Virus gefährdet auch Babys

Sind auch Babys selbst gefährdet?

„Wir wissen zwischenzeitlich auch, dass das Virus auch Babys befallen und diese schwer schädigen, sogar töten kann“, heißt es seitens des Hospitals.

Warum weicht die Entscheidung des Hospitals von der aktuellen Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und dem Vorgehen anderer Häuser in der Region ab?

Dass es Abweichungen gebe, sei dem Hospital bewusst. „Wir stellen aber fest, dass andere Kliniken, so die Universitätsklinik Frankfurt und die Lahn-Dill-Kliniken den gleichen Weg wie wir beschreiten.“

Was ist der Grund für das vergleichsweise strenge Vorgehen?

Der Schwalm-Eder-Kreis ist im hessischen Maßstab der am stärksten betroffene Landkreis hinsichtlich der Covid19-Infektionen pro 100 000 Einwohnern. Hier liegt laut Stellungnahme eine fast doppelt so hohe Infektionsrate im Vergleich zu Gesamthessen.

Corona in Nordhessen: Verantwortung für Leib und Leben liegt auch bei der Klinik

Wie lange wird diese Maßnahme andauern?

Täglich berate man sich mit allen Chefärzten des Hauses die Situation und bewerte die Gefahrenlage neu, so die Mitteilung. „In unserem Krisenstab diskutieren wir täglich die aktuelle Pandemie-Lage. Dies ist ein dynamischer Prozess. Derzeit rechnen wir jedoch mit einem weiteren starken Anstieg der Infektionen in unserem Landkreis, sodass wir aktuell keine Möglichkeit sehen, die derzeitigen Regelungen auszusetzen. Sobald sich die Situation entspannt, werden wir diese Maßnahmen zunächst lockern.“

Worauf können sich die Schwangeren verlassen?

Zunächst auf Verständnis, heißt es. „Wir können gut verstehen, dass Sie das als Zumutung, Einschränkung Ihrer persönlichen Rechte und als unangemessen empfinden. Die Verantwortung für Sie, Ihr Kind und die Aufrechterhaltung des Krankenhausbetriebes tragen allerdings wir.“

Es gebe zudem die Möglichkeit der Videotelefonie, die es ermöglichen soll, mit den Lieben zu kommunizieren. „Nach unserem Verständnis ist die getroffene Entscheidung derzeit der sicherste Weg für Sie, Ihr ungeborenes Kind und für unser Hospital“, heißt es dazu weiter von der Klinik.

Corona in Nordhessen: Erster Kreisbeigeordneter von Schwalm-Eder äußert sich

Auch wenn das Kreisgesundheitsamt an der Entscheidung des Hospitals zum Heiligen Geist nicht beteiligt war, stellt sich der Erster Kreisbeigeordnete Jürgen Kaufmann hinter die Entscheidung der Klinik. „Ich habe Verständnis dafür, wenn Eltern enttäuscht sind.“ Doch es müsse jetzt darum gehen, alle Menschen so gut wie möglich zu schützen.

Andere Patienten, das Personal der Klinik, aber auch die Mutter und ihr Neugeborenes. „Es ist eine harte Entscheidung, die ich aber nachvollziehen kann“, sagt er und betont: „Ich glaube, dass bei aller Härte der Entschluss der Klinik zum Verbot von Vätern und anderen Begleitpersonen im Kreißsaal die richtige Entscheidung ist.“

Der Erste Kreisbeigeordnete wirbt für Verständnis bei den werdenden Eltern. Man sei für jede Infektion, die nicht entstehe, dankbar. Es handele sich um eine Maßnahme, bei der das Herz Nein und der Kopf Ja sage. „Wir leben jetzt in einer Zeit, in der wir stärker denn je auf unseren Kopf hören sollten“, so Jürgen Kaufmann auf HNA-Anfrage.

Von Daria Neu

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