Not macht erfinderisch

Coronakrise: Appell zur Unterstützung des lokalen Handels

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Quarantine statt Quarantäne: Christoph Brand aus Fritzlar liefert mit den Fliegenden Köchen jetzt aus.

Restaurants sind geschlossen, viele Geschäfte auch.

Und die Menschen bleiben zuhause. Doch: Not macht erfinderisch. Wohl noch nie hat ein Sprichwort so zugetroffen, wie dieses. Jetzt. Geschäftsleute und Gastronomen aus dem Altkreis Fritzlar-Homberg stemmen sich mit kreativen Ideen gegen die Coronakrise. Sie bieten Gutscheine, Lieferdienste und mehr an, um auch weiterhin ihren Kunden etwas bieten zu können – und selbst geschäftlich zu überleben. Zwei, die besonders kreative Geschäftsideen entwickelt haben, sind Caterer und Küchenchef Christoph Brand und Weinhändler Andreas Terstiege aus Fritzlar. Ihre Lösungen:

Die Quarantine

Grübel-Modus: „Wenn du gewohnt bist rund um die Uhr zu arbeiten, zu machen, zu tun und plötzlich braucht deine Arbeit keiner mehr. Ich brauche gerade viel Luft und Liebe“, diesen Satz hat der Küchenchef der Fliegenden Köche in Kassel und Star-Caterer Christoph Brand aus Fritzlar vor ein paar Tagen noch bei Facebook gepostet. Denn auch er wurde scharf ausgebremst. Sein neues Kochbuch sollte in diesen Tagen erscheinen und zudem ist ihm das Geschäft weggebrochen. „Zu 100 Prozent“, sagt Brand. VIP-Catering für die MT Melsungen, Hochzeiten, Firmenevents, Konzert-/Bandcatering, Tagungen, Kochkurse und mehr. Die vergangenen Wochen seien extrem hart gewesen. „Ich musste dabei auch zusehen, meine Motivation hochzuhalten und weiter voranzugehen. Man hat ja nichts falsch gemacht, sondern wird nach 15 Jahren seriöser und fleißiger Selbstständigkeit total ausgebremst“, sagt Brand. Aber: Nach ein paar grüblerischen Tagen voller Angst und Trauer habe er diese Emotionen in Kreativität und Motivation umgewandelt. „Ich gebe nicht auf“, sagt er.

Seine Idee bringt ihn zurück in die Küche und – so hoffen er und sein Team – wieder Aufträge ein. „FK Quarantine“ heißt das Projekt, welches letztlich auch ein Lieferdienst ist. Aber einer, der es in sich hat. „Wir haben unsere Heimatküche für zuhause zur Probe gekocht“, sagt Brand. Wichtig sei, dass das Essen nicht zu Matsch werde, wenn der Kunde es erwärmt. Deshalb ist es kein fix und fertig zubereitetes Essen, was er anbietet. „Die Kunden müssen den Inhalt aus dem Lieferservice-Karton noch fertig kochen“, erklärt er das Konzept. Dazu gibt es eine Mini-Anleitung. „Wir haben vier Boxen entwickelt, mit tollen Gerichten, ab sofort kann man bestellen“, sagt Brand und ist zuversichtlich: „Wenn uns die Leute unterstützen, müssen wir vielleicht weder Kurzarbeit anmelden noch finanzielle Hilfe vom Staat beantragen. Unser Motto: Ihr bestellt und wir stürzen nicht ab.“

fliegende-koeche.de

Das Wein-Taxi

Eine Krise kann so manches auslösen, wenn man sich nur rechtzeitig oder schnell Gedanken macht und das Ergebnis dann zügig umsetzt. Das hat sich auch Andreas Terstiege gedacht und einen Aufruf gestartet, dass die Kunden auch weiterhin den lokalen Einzelhandel unterstützen sollten. „Viele Einzelhändler in unserer Region bieten jetzt einen Bringservice an, sitzen an Telefonen. Wenn diese Solidarität vor Ort ausbleibt, werden viele Kleinunternehmen in die Knie gehen und das führt langfristig, nach der Coronakrise zu leeren Geschäften“, so Terstiege. Das solle jeder bedenken, der bei Verkauf-Internetriesen bestelle.

Auch Terstiege hatte eine kreative Idee: Mit seinem „Wein-Taxi“ liefert der Weinhändler, dessen Geschäft am Fritzlarer Marktplatz ebenfalls schließen musste, nun die edlen Tropfen aus. „Schluckimpfung“ nennt er das Angebot augenzwinkernd. „Die ersten Tage nach Corona sind geschafft und ehrlich gesagt: Ich auch. Aber glücklich. Über so viel Solidarität und Unterstützung“, so Terstiege. Denn seine „Wein-Taxi-Aktion“ kommt gut an. „Viele Händler haben derzeit Lieferideen. Über Telefon hat sich bisher noch kein Corona übertragen. Ruft die lokalen Händler an. Ohne eure Hilfe werden viele aufgeben müssen“, appelliert Terstiege.

weinstiege.de

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