„Menschen sind Pandemie ausgeliefert“

Hilfsorganisationen in der Coronakrise: So arbeiten die Initiativen aus dem Kreisteil

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Mit dem Nötigsten versorgt: In Albanien kam der Wiederaufbau nach einem Erdbeben, das das Land im November 2019 erschütterte, durch das Coronavirus zum Erliegen. Menschen leben nach wie vor in Zelten. Das Kinderhilfswerk leistet dort Soforthilfe. 

Das Coronavirus hat das Leben aller Menschen weltweit radikal verändert. Besonders hart trifft die Pandemie die Armen der Welt. Hilfswerke und Patenschaftsvereine versuchen, diese Not zu lindern.

Sie leben in Zelten, in kleinen Verschlägen und Hütten, deren Haustüren oft nicht einmal einen Meter voneinander entfernt liegen: In Albanien, auf den Philippinen und in Uganda trifft das Coronavirus die Menschen besonders schwer. Dort, wo schon in normalen Zeiten nur schwer auf Hygiene und medizinische Versorgung geachtet werden kann, versucht das Fritzlarer Kinderhilfswerk Stiftung Global Care während der Pandemie zu unterstützen. Es ist eine kleine Hilfe, aber ein Anfang, sagt Geschäftsführerin Beate Tohmé. „Sonst würden die Menschen sterben.“

Es sind die Ärmsten der Armen, die eine Pandemie am stärksten trifft. Familien besitzen häufig keine Ersparnisse, können sich nur schwer mit Nahrungsmitteln versorgen. „Viele können sich nicht mal Seife leisten“, sagt Tohmé.

Coronakrise: Anzahl der Infizierten unklar

Wie in vielen anderen Ländern auch, gibt es in den Staaten, in denen das Kinderhilfswerk unterstützt, Ausgangssperren. Die Arbeitslosigkeit ist groß, Nahrungsmittelpreise steigen, Gesundheitssysteme sind unterfinanziert. „Man weiß nicht, wie viele Menschen in diesen Ländern betroffen sind“, sagt Mitarbeiterin Gina Roßberg. Und meint damit vor allem Länder wie Uganda, Albanien und Indien. Die Helfer vermuten eine hohe Dunkelziffer an Infizierten.

Das Kinderhilfswerk hofft, dass sich die Pandemie in den von ihm betreuten Ländern weniger stark entwickelt. „Sonst sind die Menschen ihr schutzlos ausgeliefert“, sagt Tohmé. Durch die häufig fehlende Trinkwasserversorgung müssten Menschen häufig zu Brunnen laufen – Mindestabstände würden dort nicht eingehalten. Doch das sei nicht der eigentliche Grund zur Sorge.

Covid-19 vergrößert das Elend

Das Virus sehen die Entwicklungshelfer nicht als die eigentliche Gefahr: „Diese Länder haben häufig mit Viren zu kämpfen. Das Problem ist eher, dass sie kein Einkommen mehr haben. Sie können ihre Familien nicht mehr versorgen“, berichtet die Geschäftsführerin von Global Care. Das Elend werde so vergrößert.

So seien in Indien Wanderarbeiter unterwegs, die durch den Lockdown zurück zu ihren Familien wollen – die Infrastruktur des Landes sei dafür aber nicht ausgelegt. In Albanien sei der Tourismus stark betroffen, viele Menschen litten noch immer unter dem Erdbeben, von dem das Land im November getroffen wurde.

Bunte Gesichtsmasken tragen die Frauen in Uganda. Global Care stellte Gelder für die Stoffe bereit.

Der Wiederaufbau von Häusern wurde gestoppt, berichtet Roßberg. Und: „Alle Schüler bleiben jetzt zu Hause. Familien haben kein Einkommen mehr und müssen die Kinder noch zusätzlich versorgen, die sonst ein Mittagessen in der Schule bekommen“, sagt Tohmé.

Das Kinderhilfswerk kümmert sich nun erst einmal um die Familien, die Global Care bereits anvertraut sind. Konkret bedeutet das:

. in Nordindien wurde im Vorraus Gehalt für Lehrer gezahlt

. auf den Philippinen wurden Nahrungs- und Hygienemittel an 50 Patenkinder ausgegeben

. für den Rettungsdienst in Albanien wurden Schutzanzüge bereitgestellt

. syrische Flüchtlinge im Libanon erhalten Lebensmittel

. 200 Schutzmasken konnten in Uganda mit den Geldern von Global Care genäht werden; außerdem wurden an 200 Großmütter, die ihre Enkel betreuen, Essenspakete verteilt.

Spenden: Kinderhilfswerk Stiftung Global Care: KSK Schwalm-Eder, IBAN DE16 5205 2154 0120 0001 20, BIC HELADEF1MEG, Verwendungszweck: 8000-12 Corona / Nothilfe.

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