Das FaFritz steht vor dem Aus

Frauen- und Familienzentrum Fritzlar sucht neuen Vorstand

Drei Frauen stehen vor einem kleinen Spielzirkuszelt
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Werden zukünftig nicht mehr Teil des FaFritz-Vorstandes sein: Mona Uchtmann-Haubrich (1. Vorsitzende), Mareike Kaiser (Finanzreferentin) und Alexandra Haupt (stellvertretende Vorsitzende).

Die Zukunft des Frauen- und Familienzentrums Fritzlar (FaFritz) hängt am seidenen Faden. Sollten sich bis zum Mittwoch, 12. Januar, nicht genügend Menschen dazu breiterklären, bei der Vorstandswahl zu kandidieren, soll der Verein, der das Zentrum betreibt, aufgelöst werden.

Fritzlar- An diesem Tag soll auch eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden. Die Mitglieder des derzeit kommissarisch tätigen Vorstandes wollen nicht erneut zur Wahl antreten, an Nachfolgern mangelt es bislang. Bereits zur Jahreshauptversammlung im vorigen November wurde niemand für ein Engagement im Vorstand gewonnen. Als Reaktion sollte der Verein aufgelöst werden – was aber an der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit scheiterte. Für die kommende Abstimmung genügt eine einfache Mehrheit.

Es ist offen, wie es weitergeht

Ob und wie die Angebote des FaFritz dann weitergeführt werden können, ist völlig offen. Neben Beratungsleistungen gibt es im FaFritz noch viele weitere Angebote für Mädchen und Frauen, teils in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern: Eine Kinderkleiderkammer, einen Mädchentreff und auch das Café Klapperstorch, eine Möglichkeit zum Austausch für Mütter und Frauen, die ein Kind erwarten.

„Uns ist kein weiteres Familienzentrum bekannt, das von einem Verein auf ehrenamtlicher Basis geführt wird“, sagt die 1. Vorsitzende Mona Uchtmann-Haubrich. Eine Fritzlarer Besonderheit, die gleichzeitig auch eines der zentralen Probleme des Zentrums ist.

Arbeit ist ehrenamtlich nicht zu schaffen

„Ehrenamtlich ist diese Arbeit eigentlich gar nicht zu stemmen.“ Schon lange bemühe sich der Verein daher darum, dass das Familienzentrum nicht mehr nur auf den Schultern der Ehrenamtler lastet – so wie es auch bei anderen Familienzentren der Fall ist. „Wir haben das Thema immer wieder bei der Stadt auf den Tisch gebracht“, so Uchtmann-Haubrich. „Es ist ja nicht so, dass die Stadt Fritzlar uns nicht unterstützen würde“, betont die Vereinsvorsitzende. Der Verein sei dankbar für die Unterstützung, die man erhalte. So würden durch die Stadt beispielsweise die Räume zur Verfügung gestellt und der Verein erhalte seit 2016 ein Budget für zwei 450-Euro-Stellen.

Das bestätigt auch Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU). Die Stadt überlasse dem Verein die Immobilie im Hellenweg unterstütze den Betrieb des Familienzentrums mit insgesamt rund 30 000 Euro.

Es wird keine volle Stelle bei der Stadt geben

Für eine Vollzeitstelle oder den Betrieb des Zentrums durch die Stadt sieht Spogat jedoch keine Notwendigkeit. Das liege auch daran, dass es vieles, was im FaFritz angeboten werde, auch an anderer Stelle gebe, erklärt er. So existiere im Innenstadtbereich beispielsweise ein Second-Hand-Laden, den das Diakonische Werk betreibe – auch dort gebe es Kinderkleidung für Bedürftige. Und die Jugendarbeit der Stadt Fritzlar habe ebenfalls ein Angebot speziell für Mädchen. Hartmut Spogat betont, dass ihm ebenfalls sehr an einem Fortbestand des FaFritz gelegen sei. „Für die Stadt wäre das ein großer Verlust.“

Dass die Auflösung des Vereins ein Verlust wäre, würde der FaFritz-Vorstand wohl sofort unterschrieben. Denn die Angebote des Frauen- und Familienzentrums werden laut Mona Uchtmann-Haubrich gut angenommen. Die Arbeit, die beim Mädchentreff geleistet wird, könnten andere in der Form momentan zurzeit nicht leisten. „Wo gehen diese Mädchen dann hin? An wen wenden sie sich?“ Zwei Mädchengruppen gebe es beim FaFritz mittlerweile. Die Menschen, die ins FaFritz kommen, stammten aus allen Schichten der Gesellschaft.

Ein „Weiter so“ gibt es nicht

Ein „Weiter so“ komme aber nicht in Frage. Dass der Vorstand Unterstützung sucht, werde schon seit Längerem kommuniziert. „Es gab auch Interessenten, aber letztendlich hat sich doch nichts ergeben.“ Grundsätzlich mangele es dem Verein nicht an Ehrenamtlichen. Rund 60 Menschen unterstützen das Familienzentrum, der Verein hat insgesamt rund 80 Mitglieder. Die Auflösung des Vereins zu beantragen, falle sehr schwer. „Als wären zwanzig Jahre Engagement am Ende völlig überflüssig gewesen.“ Was mit dem Vermögen des Vereins im Falle einer Auflösung passiert, entscheidet die Mitgliederversammlung.

Familienzentren in Homberg, Gudensberg, Felsberg und Schwalmstadt

Im Schwalm-Eder-Kreis gibt es bereits Familienzentren in Homberg, Gudensberg, Felsberg, und Schwalmstadt. Das jeweilige Angebot variiert je nach Standort. In Wabern befindet sich ein Familienzentrum in Planung. „Die Nachbargemeinde beschließt, ein Familienzentrum zu öffnen und das Familienzentrum in Fritzlar steht vor der Auflösung. Das kann doch nicht sein“, sind sich die Frauen aus dem Vorstand einig.

Sollten die Mitglieder am Mittwoch tatsächlich für eine Auflösung stimmen, bleiben nur noch wenige Monate, bis die Abwicklung endgültig abgeschlossen ist – und die Schlüssel für das Haus im Hellenweg der Stadt übergeben werden. (Von Daniel Seeger)

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