Halter des Schäferhundes arbeitet bei Stadtverwaltung

Nach Hundeattacke in Fritzlar: Besitzer des toten Dackels ist verzweifelt

Trauern um ihre Hundedame: Lothar Dick und sein Sohn Helmut haben eine treue Weggefährtin verloren. Beim Spaziergang ist der Dackel vor den Augen von Helmut Dick getötet worden.
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Trauern um ihre Hundedame: Lothar Dick und sein Sohn Helmut haben eine treue Weggefährtin verloren. Beim Spaziergang ist der Dackel vor den Augen von Helmut Dick getötet worden.

Bei einem Spaziergang in Fritzlar soll eine Dackeldame so heftig von einem Belgischen Schäferhund angegriffen worden sein, dass dieser in wenigen Sekunden zerfetzt auf der Straße gelegen habe. Das erzählt der Besitzer des kleinen Hundes.

Fritzlar – Helmut Dick aus Fritzlar steht immer noch völlig unter Schock. Zuhause starrt er auf ein leeres Hundekörbchen, in dem jahrelang seine Dackeldame Fussel geschlafen hat. Sie war Dicks treue Weggefährtin, bis sich am Samstagmittag alles änderte. Beim Spaziergang in der Fritzlarer Innenstadt sei die Hündin aus dem Nichts von einem Belgischen Schäferhund angegriffen worden – und zwar so brutal, dass der Dackel nach wenigen Sekunden leblos neben seinen Gedärmen auf der Straße gelegen habe (HNA berichtete).

„Das war ein Abschlachten“, sagt Dick und er kann die Tränen nicht zurückhalten. „Ich habe die ganze Zeit nur geweint, gezittert und bin dann weggelaufen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte.“ Die Bilder gehen dem Fritzlarer nicht mehr aus dem Kopf. Zudem habe der Belgische Schäferhund auch ihn leicht verletzt. Eine Prellung am Bein schmerze ihn immer noch – obwohl der emotionale Schmerz ungleich schlimmer sei.

Auch andere Fritzlarer hätten den Vorfall gesehen, sagt er. Als Dick sich gesammelt habe, sei er unter Schock wieder zurück zum Ort des schrecklichen Geschehens gekehrt und dort auf den Besitzer des Schäferhundes getroffen.

„Er hat gesagt: Tut mir Leid, ich habe vergessen, meinen Hund einzusperren.“ Dann habe er ihm angeboten, den toten Dackel gemeinsam zu begraben. „Ich war fix und fertig“, sagt Dick, der dann doch lieber, den blutüberströmten Dackelkörper auf dem Arm tragend, zu seiner Bekannten Petra Stuhldreher vom Blumengeschäft am Marktplatz gegangen sei.

Stuhldreher bestätigt: „Die kleine Hündin war komplett aufgerissen. Das muss ganz furchtbar gewesen sein.“ Sie habe sich gemeinsam mit dem verzweifelten Besitzer um ein Begräbnis des kleinen Hundes gekümmert. Außerdem sei sie mit ihm zur Polizei gefahren, um auch die Verletzung an Dicks Bein zu melden und sich beraten zu lassen. „Dort hat man uns aber abgewimmelt. Herr Dick solle zum Hausarzt fahren, hat man uns vor Ort gesagt.“ Auch Dick bestätigt: „Die Polizei hat meine Anzeige, die ich aufgeben wollte, nicht aufgenommen.“

Die Geschichte beschäftigt die Öffentlichkeit bereits seit dem Wochenende über das soziale Netzwerk Facebook. In einem Video beschreibt Johannes Evers, der unter anderem in Gudensberg eine Hundeschule betreibt, den Vorfall nach seinem Kenntnisstand. In den Kommentaren ist die Erschütterung vieler Menschen herauszulesen. Das, was ihn besonders aufhorchen lasse: Der Besitzer des Belgischen Schäferhundes soll ein Mitarbeiter des Ordnungsamts in Fritzlar sein. Genau dieses habe sich aber mit potenziell gefährlichen Hunden auseinanderzusetzen.

Bürgermeister Hartmut Spogat bestätigt auf HNA-Anfrage, dass es sich bei dem Hundehalter um einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung handelt. Der Rathauschef bedauere den Vorfall zutiefst. In Hessen gilt die Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden. Danach hätten alle Ordnungsämter vorzugehen. „Wenn ein Hund einen anderen tötet, gilt er als gefährlich“, sagt Spogat.

Im konkreten Fall habe sein Mitarbeiter, der Halter des Schäferhundes, umgehend nach dem Vorfall eine Erlaubnis beantragt, den gefährlichen Hund führen zu dürfen. Was nun als Konsequenz folgt, sei seitens der Stadt zu kontrollieren. Fakt sei: „Von Herrn Dick liegt uns noch keine Anzeige vor.“ Das Ordnungsamt lasse immer beide Seiten zu Wort kommen.

Ob Spogats Mitarbeiter nun eine Strafe zu erwarten hat, könne man erst sagen, wenn eine Anzeige vorliegt. „Wir behandeln den Fall natürlich objektiv.“ Grundsätzlich gelte die Leinenpflicht. Außerdem müsse ein Hundehalter stets darauf achten, dass dessen Hund beaufsichtigt wird und somit keine Gefahr darstellt. „Wenn eine Anzeige kommt, wird reagiert“, betont der Bürgermeister.

Der Besitzer des Belgischen Schäferhundes selbst wollte sich gestern auf HNA-Anfrage nicht zu dem Vorfall äußern. Spogat appelliert indes an alle Hundehalter, ihre Tiere konsequent unter Kontrolle zu haben. In Fritzlar seien rund 1000 Hunde angemeldet, sieben davon als gefährlich eingestuft.

Auch die Polizeidirektion Schwalm-Eder meldet sich zu Wort, um die Situation aus ihrer Perspektive zu schildern. Der betroffene Dackelbesitzer hatte beklagt, dass er auf der Station trotz seines vom Hund verletzten Beines keine Anzeige habe aufgeben können.

Der Besitzer des Dackels, Helmut Dick, sei am Samstag gegen 16 Uhr auf der Wache der Polizeistation Fritzlar erschienen. Der Vorfall soll zu diesem Zeitpunkt drei Stunden zurückgelegen haben und der tote Hund sei bereits begraben worden, hätte Dick erzählt. Die Polizei habe ihm erläutert, dass es sich bei dem geschilderten Ereignis nicht um einen strafbaren Sachverhalt im Sinne des Strafgesetzbuches handele. Zivilrechtlich könnten jedoch Ansprüche bestehen, die er geltend machen könne, habe die Polizei erklärt.

Da die Personalien des Hundehalters bekannt gewesen seien und weil durch den verursachenden Hund keine weitere unmittelbare Gefahrensituation ausgegangen sei, seien polizeiliche Sofortmaßnahmen nicht notwendig gewesen, heißt es weiter in der Stellungnahme. Der Hundehalter habe diesen schließlich umgehend nach dem Vorfall gesichert.

„Bei der Verletzung von Herrn Dick durch den Hund könnte es sich um eine fahrlässige Körperverletzung handeln“, sagt Pressesprecher Jens Breitenbach. Daraus ergebe sich für die Polizei gegebenenfalls eine Verpflichtung zur Anzeigenaufnahme und weiterer Ermittlungen.

Dick sei geraten worden, sich zunächst in ärztliche Behandlung zu begeben und sich die Verletzung attestieren zu lassen, um dies für ein mögliches Strafverfahren zu dokumentieren. Nach dem Arztbesuch hätte er wieder bei der Polizeistation Fritzlar erscheinen sollen, um eine Strafanzeige zu erstatten. Die Zuständigkeit der Polizei erstrecke sich zunächst auf die Gefahrenabwehr. Außerdem müsse sie eine mögliche Strafverfolgung beziehungsweise zivilrechtliche Ansprüche sichern. An den Wochenenden sei die Polizei aber natürlich auch in Fällen wie der konkreten Hundeattacke Ansprechpartner für die Bürger.

Pressesprecher Markus Brettschneider räumt zudem ein, dass es im konkreten Fall in puncto Kommunikation Verbesserungsbedarf auf Seiten der Polizei gegeben hätte. Es wäre besser gewesen, der Bürger wäre zufriedener von der Polizeistation weggegangen, sagt er. (Daria Neu)

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