Fritzlar auf weitere Proteste vorbereitet

Corona-Protest in Fritzlar: Demo war nicht angemeldet

Marktplatz Fritzlar, Coronavirus, Coronakrise, leer, Foto: Daria Neu
+
Auf dem Fritzlarer Marktplatz fand die Corona-Demo statt. (Archivfoto/Symbolbild)

Demonstrationen gegen die geltenden Coronamaßnahmen häufen sich deutschlandweit, vor allem in großen Städten.

Nun scheinen die Proteste – zumindest im Kleinen – auch im Schwalm-Eder-Kreis angekommen zu sein.

Als am Montag vor zwei Wochen vereinzelt Personen auf dem Fritzlarer Marktplatz ihren Unmut wegen der Beschränkungen kundtaten, hatte sich Bürgermeister Hartmut Spogat noch nicht sonderlich viel dabei gedacht. Doch eine Woche drauf versammelten sich schon 30 Menschen – etwa doppelt so viele. „Die ersten Proteste verliefen friedlich, die Gruppe zerstreute sich schnell“, sagt Spogat. Doch am vergangenen Montag seien die Vorwürfe massiver gewesen.

Montagsspaziergänger würden sie sich nennen, bestätigt Volker Schulz von der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Vier Kräfte des Fritzlarer Ordnungsamtes sowie die Polizei waren vor Ort, um die Demos aufzulösen. Denn: An keinem der beiden Termine waren diese angemeldet. „Dies ist aber Pflicht“, betont Schulz. Eine Anmeldung sei wichtig, um einen ordnungsgemäßen Verlauf sicherzustellen. Beispielsweise die Teilnehmerzahl könne so beschränkt werden, was gerade in Coronazeiten entscheidend sei.

Corona-Protest in Fritzlar: Demos waren nicht angemeldet

„Auf angemeldete Demos bereiten wir uns immer vor“, sagt Schulz. Je nach Lage werde dann entschieden, wie viele Kräfte vor Ort sind. Doch auch auf Fritzlar, wo die zwei vergangenen Proteste nicht angemeldet worden waren, habe die Polizei nun ein Auge. „Wir haben aber derzeit keine Erkenntnisse, dass auch in anderen Städten im Landkreis Menschen gegen die Coronamaßnahmen demonstrieren wollen.“

Fest steht: Wer gegen die Auflagen verstößt, – und in diesen Zeiten gehören eben auch das Tragen von Masken und das Einhalten der Abstände dazu – der begeht eine Ordnungswidrigkeit und den erwartet eine Bußgeldstrafe.

„Die Menschen kommen meines Wissens nach nicht aus Fritzlar, zumindest sind sie hier nicht bekannt“, sagt Spogat. Neben Transparenten mit Forderungen nach Freiheit und freier Meinungsäußerung hätten die Demonstranten auch anonyme Wurfzettel verteilt. „Diese hingen an den Laternen und lagen überall an der Eder.“ Auf den Wurfzetteln heißt es unter anderem: „Wir wollen unsere Rechte zurück“ und „Weg mit dem Maulkorb.“ Auch von Bill Gates, der derzeit von vielen Verschwörungstheoretikern für die Krise verantwortlich gemacht wird, ist die Rede.

Corona-Protest in Fritzlar: Teilnehmer ohne Schutzmasken

Die Gruppe habe auf die Rathausmitarbeiter einen unorganisierten Eindruck gemacht, so Spogat. Die Abstände hätten sie zwar eingehalten, den Mund-Nasen-Schutz aber bewusst abgelehnt. „Vermutlich sind es genau diese Einschränkungen, durch die sich die Menschen in ihren Grundrechten beschnitten fühlen.“

Fritzlar sei mit Blick auf den kommenden Montag sensibilisiert. „Wir stehen in Verbindung mit der Polizei.“ Große Bedenken habe Spogat dennoch nicht: „Die Vernunft und die Einsicht überwiegen bei den meisten Menschen. Ich kann mir nicht denken, dass sich viele weitere Anhänger finden.“

Eines ist laut Rathauschef aber sicher: „Auf dem Marktplatz werden diese Demonstrationen nicht erlaubt sein.“ Dafür reiche der Platz nicht aus – vor allem nicht in Coronazeiten. 

Von Daria Neu

Corona in Fritzlar: Einen Podcast zum Thema Coronaphobie hat der gebürtige Fritzlarer Marcel Schmidt in Zusammenarbeit mit einem Psychologen entwickelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.