Mehrere Jahrzehnte in Fritzlar

Fritzlarer Metzgerei Krause schließt zum Jahresende

Schließt den Laden zum Jahreswechsel: Margit Krause hat die Metzgerei auf dem Fritzlarer Marktplatz betrieben. Beliebt war vor allem auch die Ahle Wurscht.
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Schließt den Laden zum Jahreswechsel: Margit Krause hat die Metzgerei auf dem Fritzlarer Marktplatz betrieben. Beliebt war vor allem auch die Ahle Wurscht.

Ihr Geschäft ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Fritzlarer Marktplatzes. Doch zum Jahresende macht Margit Krause ihre Metzgerei, die es insgesamt knapp 64 Jahre lang gab, zu. Ahle Wurscht, Frikadellen, Gehacktes und Fleisch in allen möglichen Varianten – das war der Alltag der 83-Jährigen, die den Laden die längste Zeit mit ihrem Mann betrieben hatte. Nach dessen Tod übernahm Margit Krause die Führung.

Einen Schlussstrich zu ziehen, fällt der Fritzlarerin schwer. „Das tut schon weh.“ Aber Krause wirkt bodenständig und pragmatisch. Nun sei sie über 80 und irgendwann sei eben einmal Schluss. Während sie von der Vergangenheit erzählt, schneidet sie ein großes Stück Fleisch auf dem Brett klein. „Fragen Sie einfach, dann kann ich hier weiterarbeiten.“ Margit Krause scheut die Anstrengung nicht.

Angefangen hatte alles Ende der 1950er-Jahre. „Das war eine Herausforderung. Wir waren schließlich noch jung. Mit 20 Jahren ein Geschäft zu eröffnen, da sind wir schon ein gewisses Risiko eingegangen.“ Wo lokale Metzgereien damals noch die Regel waren, ist die Metzgerei Krause heute die einzige, die von damals übrig blieb. Ihr Mann hatte damals im Betrieb gelernt und diesen dann übernommen. Margit Krause selbst absolvierte ihre Lehre in einer anderen Gaststätte und Metzgerei. Vieles habe sich seither verändert und doch sagt Krause: „ Ich mache meine Arbeit eigentlich noch genau so, wie ich sie damals gelernt habe.“ Noch immer handele es sich schließlich um ein Handwerk. Lediglich die neuen Maschinen würden einiges erleichtern.

Was braucht ein guter Metzger? „Liebe zum Beruf“, ist die Antwort ohne Zögern. „Der Laden war mein Leben.“ Ein bisschen körperliche Kraft sei auch nicht schlecht, ergänzt die 83-Jährige.

Dass gutes, regionales Fleisch in der heutigen Gesellschaft nicht unbedingt mehr bei allen auf den Tisch kommt, bedauert Krause. „Ich kann es aber auch verstehen. Das ist eine Preisfrage.“ Sie sei nun mal ganz anders aufgewachsen. „Wenn bei uns sonntags ein schönes Stück Fleisch auf dem Teller lag, war das etwas ganz Besonderes.“ Wichtig wäre es, dass sich vor allem junge Leute mit diesem Thema beschäftigen und einige von ihnen im besten Fall auch Interesse am Metzgerberuf hätten. Was im neuen Jahr mit den Räumen passiert, das weiß Margit Krause noch nicht. Nun stehen erst einmal der Ausverkauf und der Abschied von ihren vielen treuen Kunden an, denen Krause für all die Jahre sehr dankbar sei – ein Schritt nach dem anderen.

Von Daria Neu

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