Museum in Fritzlar

Im Hochzeitshaus Fritzlar Kümmert sich Dr. Karl um alte Knochen

Dr. Hans-Volker Karl mit dem Fund der Dreiklauenschildkröte, der Eigentum des Museums in Fritzlar ist.
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Dr. Hans-Volker Karl mit dem Fund der Dreiklauenschildkröte, der Eigentum des Museums in Fritzlar ist.

Dr. Hans-Volker Karl hat einen besonderen Beruf. Er beschäftigt sich mit alten Knochen und erhält sie für die Nachwelt.

Fritzlar –Vorsichtig nimmt Wirbeltierpaläontologe Dr. Hans-Volker Karl (65) den Panzer aus der Vitrine. Er liegt auf einer Holzplatte, die mit einem roten Samtbezug umhüllt ist. Karl streift sich weiße Gummihandschuhe über seine Hände. Sein Beruf ist etwas Besonderes: Er präpariert jahrhundertalte Tierknochen. Karl schaut sich den Fund genauer an und nimmt ihn in die Hand. „Das ist ein Schildkrötenpanzer der Dreiklauenschildkröte“, sagt Dr. Karl.

Der Panzer der Dreiklauenschildkröte liegt im Museum Hochzeitshaus in Fritzlar. Ein kleines Stück des Panzers ist allerdings herausgebrochen. „Das Stück hat lange Zeit gefehlt, aber jetzt können wir es endlich zusammenfügen“, erklärt Karl.

Warum hat das Stück gefehlt und wie ist es nun wieder aufgetaucht? „Das ist eine lustige Geschichte“, sagt Karl. 1955 wurde der Panzer von Dr. Dieter Feldmann bei einer Exkursion im Tagebau der Braunkohlegrube in Borken gefunden. An der Uni Marburg wurde der Fund von Herrn Gramann als Neuentdeckung einer Dreiklauenschildkröte veröffentlicht und bekam den Namen „Tronys borkenensis nova species Gramann“.

„Feldmann hatte allerdings gehofft, dass der Fund nach ihm benannt wird“, erklärt Karl. Er sei darüber so verärgert gewesen, dass er ein Stück des Panzers abgebrochen hatte und für sich behielt. „Als er 2018 starb, vermachte er das Stück seiner damaligen Pflegerin.“ Und diese wandte sich nun an das Fritzlarer Museum.

Karl holt das Stück des Panzers aus einem kleinen Kästchen. Mit einem Holzstab beschmiert er die Kanten des Stückes mit Kleber und drückt es in die Lücke des Schildkrötenpanzers. „Es passt perfekt rein“, sagt er. Das Besondere an diesem Fund sei, dass der Schildkrötenpanzer 40 Millionen Jahre alt ist. „Diesen Typus gibt es mit diesem Namen nur einmal – das macht den Fund einzigartig“, sagt Museumsleiterin Stefanie Mnich.

Hochzeitshaus Fritzlar: So kommt ein Skelett ins Museum

Doch wie kommt so ein Skelett letztendlich in die Vitrine eines Museums? Wenn sich Karl einem Fund widmet, dauert es mehrere Wochen, bis er bereit für die Vitrine ist. Skalpell, Nadel, Pinsel und Spatel liegen nebeneinander bereit. Nacheinander nimmt er jedes Instrument, um das Skelett frei zu legen. „Alles muss entfernt werden – am Ende sollen nur noch die Knochen bleiben“, sagt er und kratzt mit dem Spatel an dem Panzer. Sehr konzentriert und mit einer ruhigen Hand befreit er die Knochen von Erde, Dreck und Überresten. „Jeden Griff muss man sich vorher gut überlegen, damit man die Knochen nicht kaputt macht – es braucht Fingerspitzengefühl“, sagt Karl.

Dr. Hans-Volker Karl bearbeitet das fehlende Stück der Dreiklauenschildkröte mit einem Skalpell.

Dann holt er ein durchsichtiges Fläschchen hervor und stellt es neben das Exponat. „Wenn nur noch die Knochen übrig sind, dann werden sie mit einem Lack bestrichen – für einen matten seidigen Glanz und damit die Knochen nicht zerfallen“, sagt er und trägt den Lack auf den Schildkrötenpanzer. Dieser muss immer wieder über die Funde gestrichen werden, damit die Knochen lange erhalten bleiben. „Es ist ein ständiger Prozess, der nie abgeschlossen ist“, so Karl.

Seit 1978 widmet sich Karl dieser Arbeit. „Es ist die Faszination alte Knochen zu erhalten“, sagt der 65-Jährige. Noch einmal nimmt er den Schildkrötenpanzer in die Hand und schaut ihn noch einmal akribisch an. Dann legt er den Panzer wieder auf den roten Samtbezug und schiebt die Holzplatte zurück in die Vitrine.

Von Lea Beckmann

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