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Ein Weihnachtswunder für Familie Knaan: Schwester erhält Visum für Heiligabend

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Von: Kerim Eskalen

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Können am 24. Dezember mit ihrer Schwester/Tante Weihnachten feiern: von links die Söhne Harun und Adam, Vater Ziad und Tochter Sidra.
Können am 24. Dezember mit ihrer Schwester/Tante Weihnachten feiern: von links die Söhne Harun und Adam, Vater Ziad und Tochter Sidra. © Kerim Eskalen

Es gibt sie noch, die Weihnachtswunder und für Familie Knaan aus Fritzlar ist dieses Jahr ein ganz besonderer Wunsch in Erfüllung gegangen.

Fritzlar – Die Schwester von Vater Ziad Knaan erhält das Visum für ihren Aufenthalt in Deutschland und fliegt am 24. Dezember nach Frankfurt. Für die syrische Familie ist diese Nachricht nach dem Tod von Mutter Zenab ein Hoffnungsschimmer in der schweren Zeit.

Kampf gegen den Krebs verloren

Anfang des Jahres wurde bei ihr ein Hirntumor diagnostiziert. Nach langem Kampf verlor sie jedoch im Mai gegen den Krebs (HNA berichtete). „Ich kann das Ganze immer noch nicht fassen“, sagt Vater Ziad und ringt dabei immer wieder mit den Tränen. „Besonders meine Kinder sind sehr mitgenommen. Wenn ich sie nicht ablenken kann, fragen sie immer wieder nach ihrer Mutter. Besonders der kleine Adam denkt immer noch, seine Mama kommt eines Tages wieder.“

An der Belastungsgrenze

Seine Schwester sorge nun für Entlastung für den dreifachen Familienvater. Er stehe seit Monaten unter Dauerstress. Denn nach seiner Arbeit bei der Rudolph Logistik Gruppe in Gudensberg fährt er zuallererst nach Hause, um sich dem Haushalt zu widmen und zu kochen. Im Anschluss holt er seine Kinder von der Schule und aus dem Kindergarten ab. Den Nachmittag verbringt der Witwer damit, bei den Hausaufgaben zu helfen und mit ihnen zu spielen. „Abends bin ich dann meistens so kaputt, dass ich um 21 Uhr schlafen gehe“, so Knaan. „Morgens um halb sechs muss ich dann wieder aufstehen, um für sie alles vorzubereiten.“

Dabei wäre ohne die Hilfe von Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunden und seinem Arbeitgeber das alles alleine nicht möglich. Wenn er aus organisatorischen Gründen es nicht rechtzeitig schaffe, holen seine Nachbarn die Kinder ab. Sein Arbeitgeber erstattete ihm sogar im Januar für ein Jahr täglich 2 Stunden, sodass er sich um seine Kinder kümmern konnte. Dies laufe nun aber aus und er müsse wieder seine regulären acht Stunden arbeiten.

„Wir sind überglücklich, dass es geklappt hat“, sagt Vater Ziad Knaan. „Besonders meine Kinder freuen sich auf ihre Tante.“ Dabei habe sich die Ausstellung des Visums über die deutsche Botschaft in der Türkei lange Zeit verzögert. Über ein halbes Jahr mussten sie nach dem Antrag warten.

„Für meine Kinder mache ich alles“

Dennoch werde es nicht leichter werden. Ziad Knaan muss für alle Kosten seiner Schwester aufkommen, denn die nächsten fünf Jahre bekomme sie keine Sozialhilfe. Erschwerend kommt hinzu, dass sie noch kein Wort Deutsch und nur ein bisschen Englisch kann. Die Sprachkurse wiederum kosten ihn zusätzliches Geld.

Dadurch, dass seine Schwester nach Fritzlar kommt, könne man Weihnachten wieder als Familie feiern. Seine Tochter hat sogar schon die Geschenke eingepackt. „Besonders meine Kinder freuen sich“, sagt Ziad Knaan. „Wir fahren in einen Baumarkt und holen zusammen einen Baum.“ „Für meine Kinder mache ich das alles gerne“, so Ziad. „Für meine Kinder mache ich alles.“
(Kerim Eskalen)

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