Von Nordrhein-Westfalen nach Nordhessen

Fußmarsch eines 74-Jährigen nach Fritzlar

Bald wohnt er hier: Hans Mittelstädt (74) wanderte in 14 Tagen von Lohmar bei Siegburg nach Fritzlar. Foto: Zerhau

Fritzlar. Einen ungewöhnlichen Fußmarsch hat der 74-jährige Hans Mittelstädt aus Lohmar in Nordrhein-Westfalen (NRW) hinter sich gebracht.

In 14 Tagen, aufgeteilt in 13 Etappen, marschierte er 220 Wanderkilometer von seiner alten in seine künftige Heimat. In 15 Monaten wird er mit seiner Ehefrau Rita nach Fritzlar ziehen.

Für die Ehefrau ist es nach 40 Jahren ein Weg zurück in ihre Geburtsstadt, denn Rita Mittelstädt, geborene Heer, ist hier aufgewachsen, hat ihre Kindheit und Jugend hier verbracht und nach wie vor Beziehungen zu der Dom- und Kaiserstadt Fritzlar. Denn das Ehepaar kommt immer nach Fritzlar, um Ritas Mutter Paula Heer zu besuchen, die inzwischen im Seniorenstift St. Elisabeth lebt.

Auch Hans Mittelstädt hat Fritzlar noch in guter Erinnerung. Schließlich lernte er vor 50 Jahren während eines Lehrgangs bei der Bundeswehr in Fritzlar seine Rita kennen. Aber dennoch wird ihm der Ortswechsel ins nordhessische Fritzlar nicht leicht fallen. Beide Eheleute haben sich nach 40 Jahren in Lohmar einen großen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. Aber dennoch werden sie in 15 Monaten Neubürger in Fritzlar werden.

Die Entscheidung, zurück in Ritas Heimat zu ziehen, fiel bei einem Besuch von Paula Heer. Da wohnte das Ehepaar im Hotel Domgarten und sah an der Baustelle der Drachenburg den Hinweis, dass hier Eigentumswohnungen entstehen. Nach einigen Gesprächen untereinander und Telefonaten mit dem Eigentümer war der Kauf einer schönen Wohnung mit weit reichendem Blick übers Edertal in trockenen Tüchern.

Doch wollte Hans Mittelstädt seine alte Heimat in NRW nicht einfach so aufgeben, die Abnabelung, wie er im Gespräch am Marktplatz sagte, sollte etwas Besonderes sein, er hatte sich vorgenommen, richtig in Fritzlar anzukommen. Das tat er dann auch, zu Fuß, Schweiß durchtränkt, aber glücklich.

Zur Erfrischung gab es ein Glas gut gekühlten Weißwein, zu dem ihn Andreas Terstiege vom Weinladen am Marktplatz eingeladen hatte. Inzwischen war auch Rita Mittelstädt zum Marktplatz gekommen, um ihren Hans zu begrüßen. Sie war allerdings per Pkw angereist, um den taffen Wandersmann dann am Sonntag wieder mit nach NRW zu nehmen.

Auch Bürgermeister Hartmut Spogat, der mit gewohnt großen, langen Schritten über Fritzlars gute Stube schritt, begrüßte die beiden Gäste.

Einen Mann, der im Alter das Neue sucht und eine Frau, die zurückkehrt zu ihren Wurzeln.

Von Peter Zerhau

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