Stilles Örtchen ist weihnachtlich dekoriert

Eine saubere Sache: Das ist Fritzlars schönstes Klo

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Sie ist WC-Frau aus Leidenschaft: Carmen Schulze reinigt die öffentlichen Toiletten in Fritzlar. Im Advent ist die Toilette an der Schule am Dom passend zum Fest geschmückt. 

Fritzlar. Öffentliche Toiletten sind nicht immer eine saubere Sache. Anders ist das in Fritzlar. Dort kümmert sich seit acht Jahren Carmen Schulze um das Geschäft mit dem Geschäft. Wir haben sie besucht.

Über dem Pissoir steht ein Schneemann aus Stoff, ein Elch aus Holz sitzt daneben und blickt auf die Toilettentüren. Neben dem Waschbecken ist ein künstlicher Weihnachtsbaum aufgestellt, geschmückt mit Schleifen, Kugeln und Sternen.

Carmen Schulze hat es sich hier schön gemacht. Schön weihnachtlich. „Ich möchte mich bei der Arbeit wohlfühlen“, sagt sie. Carmen Schulze reinigt die öffentlichen Toiletten in Fritzlar – am Grauen Turm und an der Schule am Dom. Letztere hat sie für Advent in den Höfen wieder besonders geschmückt.

Seit acht Jahren kümmert sich die 56-Jährige um die Toiletten. Sie schließt sie morgens vor 8 Uhr auf und um 18 Uhr wieder zu. Mit ihrem Fahrrad fährt sie von einer öffentlichen Toilette zur anderen. Drei bis vier Mal am Tag schaut sie nach dem Rechten.

Liebevoll dekoriert: Auf der Damentoilette steht ein kleiner Weihnachtsbaum neben dem Waschbecken.

Carmen Schulze schiebt eine Weihnachtsmann-Figur zur Seite. Sie öffnet die Tür zum Wickelraum. „Hier ist immer offen, wenn ich da bin“, sagt Schulze. Bei Advent in den Höfen ebenso wie bei anderen großen Festen in der Stadt. Aus einem alten Schultisch hat Schulze einen Wickeltisch gebaut. Drum herum türmt sich alles, was das Kinder- und Elternherz begehrt. Bücher, Tücher, Spielzeug, Windeln. Sogar Ersatzkleidung liegen bereit („Man weiß ja nie“). Vieles hat Schulze gesammelt, einiges bekommt sie geschenkt. „Die Eltern sind immer überwältigt. Damit rechnet halt niemand“, sagt sie und lacht. Für sie ist das Toilettenputzen nicht nur ein Job. „Es geht nicht nur ums Geld. Ich mache es gerne.“ Da lacht sie wieder.

Es ist dieses freundliche, aufgeschlossene Lachen, mit dem sie allen Menschen begegnet. Doch nicht alle schätzen ihre Arbeit. „Die brauchen dann noch nicht einmal etwas zu sagen. Das sehe ich am Blick.“ Wenn Schulze grüßt und der Toilettengänger nicht, ist ihr das „richtig wurscht“. Sie stehe da darüber, wie sie sagt. Sie macht ihren Job gerne, aus Überzeugung. Egal, was andere denken oder sagen. Jede Hausfrau putze doch ihre Toilette zuhause. Schulze übernimmt diese Aufgabe eben bei den öffentlichen Toiletten.

Nur eine Sache ärgert die 56-Jährige: Wenn Menschen die Toiletten demolieren, extra dreckig machen oder etwas stehlen. „Wenn draußen wieder eine Sauerei ist, rege ich mich auf. Das nehme ich persönlich.“ Bei ihrer Arbeit gibt es einen Grundsatz: Carmen Schulze geht immer von sich aus und fragt: Wie hätte ich es gerne? „Das Wichtigste ist, dass die Toiletten sauber sind. Sonst hilft auch keine schöne Deko.“ 

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