Domschatz ist einzigartig

Dommuseum in Fritzlar neu eröffnet: Nur zwei Ausstellungen dieser Art im Bistum Fulda

Heiliges nicht mit den Händen anfassen: Das Lieblingsexponat der Kuratorin Stefanie Cossalter-Dallmann ist ein Velum, ein Tuch zum Bedecken der Abendmahlsgeräte.
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Heiliges nicht mit den Händen anfassen: Das Lieblingsexponat der Kuratorin Stefanie Cossalter-Dallmann ist ein Velum, ein Tuch zum Bedecken der Abendmahlsgeräte.

Großes ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Stiftsgebäude hinter dem Fritzlarer Dom passiert. Für 7,8 Millionen Euro ist das gesamte Gebäude umfassend saniert worden.

In neuem Glanz erstrahlt nun vor allen Dingen das Dommuseum, in dem Besucher seit gestern wieder sakrale Kunst vom 8. bis 20. Jahrhundert bewundern können – optisch und inhaltlich ist es ein ganz anderes Erlebnis als noch 2018.

Das Fritzlarer Dommuseum ist das einzige in Nordhessen und neben dem Fuldaer Museum eines von zweien im Bistum Fulda. „Die Sanierung war keine alltägliche Aufgabe und ist nicht nur für die Domstadt von großer Bedeutung“, sagt Diözesanbaumeister Martin Matl. Das Besondere: In Fritzlar gibt es einen der wichtigsten romanischen Kirchenschätze in Deutschland. „Die Exponate sind aber nicht nur hinter dicken Vitrinenscheiben verborgen, sondern bis heute im kirchlichen Gebrauch.“

Das bestätigt auch Pfarrer Patrick Prähler. „Die Stadt schreibt mehr als 1200 Jahre Kloster- und Stiftsgeschichte und war schon immer ein Ort des Glaubens.“ In Fritzlar sei vieles historisch gewachsen. Zahlreiche Goldschmiedearbeiten, Reliquiare, liturgische Gewänder, Skulpturen und Altäre seien eigens für Sankt Peter angefertigt.

Eines der bekanntesten Ausstellungsstücke: das Heinrichskreuz aus dem Jahr 1020.

Während ein großer Teil der Bauarbeiten nun abgeschlossen ist, wartet im nächsten Jahr eine weitere Veränderung auf den Fritzlarer Dom. Denn auch der Kreuzgang, das Lapidarium und der Medienraum sollen wieder in Schuss gebracht werden. Auch diese Arbeiten sind in den 7,8 Millionen Euro inbegriffen, die zu hundert Prozent vom Bistum bezahlt werden. Die Restaurierung der Exponate und der historischen Bausubstanz wurden indes durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, den Hessischen Museumsverband und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen gefördert.

Um die inhaltliche Konzeption des Museums hat sich die Kuratorin Stefanie Cossalter-Dallmann gekümmert. Das Motto lautet: „Den Glauben sinnlich erfahrbar machen.“ Demnach stehen bekannte Werke wie beispielsweise das Heinrichskreuz im Vordergrund.

Es funkelt und glitzert im Dommuseum Fritzlar

Im wieder eröffneten Fritzlarer Dommuseum sollen die Besucher auf Zeitreise gehen. Die führt Jahrhunderte zurück, erzählt die Geschichte vom Dom und dessen Schätzen – und zwar auf neue Weise.

Fritzlar – „Hinter den Mauern verbirgt sich ein echter Schatz.“ Oft werden diese Worte als Metapher benutzt. Im Falle des sanierten Dommuseums in Fritzlar aber trifft der Satz wortwörtlich zu. Mit dem umfangreichen Umbau und der kompletten Neugestaltung des Stiftsgebäudes in Fritzlar soll eine neue Zeit anbrechen. Kuratorin Stefanie Cossalter-Dallmann und zahlreichen weitere Experten haben abwechslungsreiche, erfolgreiche, aber auch anstrengende 32 Monate in Fritzlar verbracht.

Eine Zeit, in der das Museum inklusive Domschatz nun endlich den Raum und Rahmen bekomme, der seiner Bedeutung gerecht werde, betont Astrid Schlegel, Dezernentin für Bauwesen. „Die einzigartigen Exponate sind bundesweit bisher noch viel zu wenig bekannt“, sagt sie. Dabei könnten sich die Ausstellungsstücke definitiv sehen lassen.

Glauben greifbar und erlebbar machen: Das ist dem Fritzlarer Pfarrer Patrick Prähler besonders wichtig. Im Hintergrund sind zahlreiche Museumswerke zu sehen.

Golden glitzert es nun in den neuen Räumen des Museums. In aufwendiger Kleinstarbeit wurden alte Gewänder, Kelche und Skulpturen – Jahrhunderte alte Schätze eben – restauriert und mit der richtigen Beleuchtung in Szene gesetzt. Den Glauben greifbar und anschaulich machen, das ist das Ziel der neu konzipierten Ausstellung.

„Der Domschatz in Fritzlar ist außergewöhnlich“, sagt Cossalter-Dallmann. In Qualität und Umfang sei er den Beständen der bischöflichen und erzbischöflichen Diözesanmuseen ebenbürtig. Das Lieblingsexponat der Kuratorin ist ein besonderes Velum, ein Tuch zum Bedecken der Abendmahlsgeräte. Es ist schon sehr alt und für Cossalter-Dallmann deswegen so faszinierend, weil es gebraucht wurde, um die heiligen Sakramente nicht mit bloßen Händen anzufassen.

Vieles, was in der katholischen Kirche früher als normal galt, ist heute gerade für junge Menschen nahezu unvorstellbar. „Wir wollen den Menschen die Geschichte wieder nahe bringen“, sagt die Kuratorin. Führungen, kleine Erklärungen an den Ausstellungsstücken sowie perspektivisch auch Erklärvideos im Medienraum sollen dabei helfen.

Großes Projekt steht noch bevor: Der Kreuzgang wird im kommenden Jahr saniert.

Mit dem ursprünglichen Museum aus dem Jahr 1974 haben die neuen Räume nicht mehr viel gemein. „Das Ziel ist es, die wertvollen Exponate in einen inhaltlichen Zusammenhang zu bringen“, erklärt Schlegel. Das sei ein komplexer Prozess: restaurieren, konservieren, inszenieren. Die Besucher müssen sich orientieren können, die Bestandteile des Domschatzes müssen geschützt werden – eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, findet Schlegel. Einbruchssicherheit und Brandschutz dürften ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden.

Nicht nur das Museum, sondern auch der Domladen, Büros und Räume für die Gemeinde, der Außenbereich vorm Stiftsgebäude sowie die Hausfassade und die Dombibliothek wurden grundlegend umgebaut. „Wir sind mit viel Akribie vorgegangen“, sagt Hagen Sparbrodt von Bieling Architekten in Kassel. Das soll auch weiterhin so sein. Denn noch ist nicht alle Arbeit getan. Mit der Sanierung des Kreuzganges im kommenden Jahr steht den Fachleuten ein weiteres Großprojekt bevor. (Daria Neu)

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