Impfstart in den Hausarztpraxen

„Es ist auch eine Vertrauensfrage“: So läuft das Impfen beim Hausarzt in Fritzlar und Homberg

Eine Frau in gelbem Kittel mit Gummihandschuhen und Maske zieht eine Spritze auf
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Alles für die Patienten: Ärztin Katharina Plünnecke bereitet die Impfdosen in ihrer Hausarztpraxis in Homberg vor.

Am 7. April fiel der Startschuss für Corona-Impfungen beim Hausarzt. Wir haben mit einigen Ärzten im Schwalm-Eder-Kreis darüber gesprochen, wie es läuft.

Fritzlar-Homberg – Es ein Schritt, auf den wohl viele Menschen sehnsüchtig gewartet haben: Seit dieser Woche dürfen auch die Hausärzte im Schwalm-Eder-Kreis gegen das Coronavirus impfen – wenngleich sie bislang nur mit wenigen Dosen beliefert werden.

„Es ist ein Spagat zwischen pragmatischem Handeln und dem Ernstnehmen der Priorisierung“, sagt der Waberner Allgemeinmediziner Dr. Philipp Klapsing zur aktuellen Situation. Gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Noll impfe er bereits seit etwas längerer Zeit, da die Gemeinschaftspraxis zu den vier Pilotpraxen des Landkreises gehöre.

Impfen beim Hausarzt: Priorisierung bleibt bestehen.

„Es ist ein schönes Gefühl, endlich aktiv etwas tun zu können“, so der Hausarzt. Sowohl für den Impfstoff Astrazeneca als auch für Biontech sei die Nachfrage in Wabern hoch. „Natürlich kommt man als Hausarzt manchmal in die unangenehme Situation, Patienten sagen zu müssen, dass sie noch nicht dran sind“, sagt Klapsing.

Die Priorisierung gebe es aber nun einmal und an die würden er und sein Kollege sich konsequent halten. Dennoch sei es auf der anderen Seite wichtig, pragmatisch zu bleiben und übrig gebliebene Dosen an Menschen zu verimpfen, die in dem Moment zur Stelle seien.

Ohnehin sei das Hauptproblem in einem laut Klapsing ansonsten recht unkomplizierten Impfablauf die aufwendige Flut an Dokumentation. „Aufklärungsbogen, Einwilligung, diverse Unterschriften – das ließe sich langfristig sicherlich etwas schlanker gestalten“, sagt Klapsing.

Impfen beim Hausarzt: hoher Aufwand und zeitlicher Druck

Den hohen Aufwand bestätigt Dr. Axel Figge, Vorsitzender des hessischen Hausärzteverbands für den Bezirk Schwalm-Eder. „Wir machen es aber gern, weil es der Allgemeinheit hilft.“

Hinzu komme der zeitliche Druck, da der Impfstoff innerhalb eines bestimmten Zeitfensters verimpft werden müsse. „Das schafft man nicht alles nebenbei“, so Figge. Es brauche gesonderte Sprechzeiten, denn: „Der Wunsch nach einer Impfung ist bei vielen groß und der Andrang ist riesig.“ Deshalb werde sich der Großteil der Hausarztpraxen an der Impfkampagne beteiligen, schätzt Figge.

Impfen beim Hausarzt: Priorisierung gilt auch in der Arztpraxis

Eine davon ist die Praxis von Katharina Plünnecke in Homberg. Sie hat sich auf das Impfen mit den Corona-Vakzinen im Impfzentrum in Fritzlar und mit Hilfe von Apotheker Timo Henkel aus Homberg vorbereitet. In den ersten beiden Wochen werde nur der Impfstoff von Biontech verimpft: „Und der ist sensibel“, erklärt Plünnecke. Deshalb sei richtige Handhabe unerlässlich.

Los ging es mit den Impfungen bei ihr am 7. April. „Wir sind hoch motiviert“, sagt die Ärztin. „Es läuft alles nach Plan.“ Im Vorfeld habe das Telefon pausenlos geklingelt, berichten die Medizinischen Fachangestellten Ute Pfalzgraf, Kerstin Freund, Dajana Fischer-Diehl und Andrea Zeyer.

Oft wüssten Patienten nicht, dass auch beim Hausarzt die Priorisierung gelte. Deshalb ruft die Praxis die Patienten an, die für eine Impfung in Frage kommen, berichten die Fachangestellten. Selbst in der Praxis anzurufen sei daher nicht nötig.

Impfen beim Hausarzt: Patienten fühlen sich sicher

„Viele wollen beim Hausarzt geimpft werden“, sagt Plünnecke. „Es ist auch eine Vertrauensfrage.“ Patienten fühlten sich dort sicherer, weil der Hausarzt die Krankengeschichte kenne.

„Man muss viel aufklären“, berichtet Plünnecke – auch, was die Impfstoffe betrifft. Sie werde niemanden zu einem bestimmten überreden. „Als Hausärztin nehme ich Rücksicht auf die Wünsche des Patienten und kläre auf.“

Das weiß auch Patientin Doris Mentel zu schätzen. „Ich habe mir die Impfung schlimmer vorgestellt“, sagt sie, „aber es war gut, ich bin erleichtert.“ Das findet auch Christa Mombach: „Es war alles perfekt, das haben sie hier gut geregelt.“

Impfen beim Hausarzt: „Impfung ist ein wichtiger Weg“

Dr. Jochen Röthele impft in seiner Praxis in Fritzlar derzeit noch nicht. „In Fritzlar haben wir das Glück, ein gut funktionierendes Impfzentrum zu haben“, sagt er. Die Unmengen an nötiger Bürokratie, Organisation und Logistik zu bewältigen, sei in seiner Praxis derzeit parallel zum Standardbetrieb nicht leistbar.

Daher warte er, bis klare Regelungen herrschen und auch sicher sei, wann welcher Impfstoff in welcher Menge verfügbar sein wird, um eine Planung zu ermöglichen. Dann wolle Röthele aber einsteigen, denn er sagt: „Die Impfung ist ein wichtiger Weg, um die aktuelle Corona-Situation zu verbessern.“ (Sarah Schnieder und Daria Neu)

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