Polizeimuseum in Cappel 

Früher hieß es Schutzmann: Klaus Werner eröffnet erstes Polizeimuseum in Nordhessen 

So könnte es in einer dörflichen Wache in den 1970er-Jahren ausgesehen haben.
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So könnte es in einer dörflichen Wache in den 1970er-Jahren ausgesehen haben.

Was vor zwei Jahren noch eine alte Scheune voller Gerümpel war, lässt Besucher nun in die Vergangenheit des Polizeiwesens eintauchen. Der ehemalige Beamte Klaus Werner hat in seinem Heimatort Cappel ein Museum eröffnet.

Es ist eines der wenigen Polizeimuseen in ganz Deutschland – und das einzige in Nordhessen.

Zwei Jahre Aufräumen und Renovieren sowie Jahrzehnte langes Sammeln liegen hinter dem 62-Jährigen, der seinen Beruf auch im Ruhestand nicht ganz an den Nagel hängen will. „Einmal Schutzmann, immer Schutzmann“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dies sei die frühere Bezeichnung für Polizisten gewesen. Ab Mitte Juni dürfen Interessierte vorbeikommen und sich von Werner anhand verschiedener Ausstellungsstücke erklären lassen, wie sich das Polizeiwesen im Laufe der Jahre verändert hat. Der Eintritt ist kostenlos, Werner hat alles privat in Zusammenarbeit mit Freunden auf die Beine gestellt.

Zu jedem Stück kennt Klaus Werner eine Geschichte dazu 

Alte Kopfbedeckungen, tausende Abzeichen aus vergangenen Tagen und detailgetreu nachgestellte Uniformen, alte Handschellen und Knebelketten sind nur ein Teil dessen, was der Cappeler zu bieten hat. Fest steht: Zu jedem Stück seiner Sammlung kennt er die passende Geschichte. Gleich im ersten Raum zeigt der 62-Jährige, wie eine dörfliche Wache in den 1970er-Jahren ausgesehen haben könnte. „Damals hatten Städte mit mehr als 7500 Einwohnern noch eine kommunale Polizei.“ Eine Schreibmaschine sowie alte Staatsanzeiger und Verordnungsblätter sollen die erste Station im Museum authentisch abrunden.

Der Polizeiberuf steckt voller Risiken 

„Mein Traum war immer, die ganze Geschichte der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt Werner. Und diese Geschichte sei auch von vielen tragischen Augenblicken geprägt. Denn der Polizeiberuf steckt voller Risiken. Zwischen 400 und 500 Polizeibeamte sind deutschlandweit von 1945 bis jetzt getötet worden. Ein Teil des Museums widmet er den Opfern.

Damals gab es vermehrt Razzien 

Einige von ihnen kannte Werner persönlich. Jedes Datum, das er aufgelistet hat, beschreibt ein Schicksal. „Der Polizeiberuf ist einer, bei dem man bei Dienstbeginn nicht weiß, wie der Tag endet.“ Das älteste Exponat, das Werner ausstellt, ist ein sogenannter Tschako, eine militärische Kopfbedeckung, aus dem Königreich Sachsen von 1830. Auf Zeitreise sollen die Besucher im Polizeimuseum also gehen. Denn der Beruf und mit ihm seine Aufgabenfelder haben sich maßgeblich verändert, sagt Werner. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Beamten vor allem mit den Hinterlassenschaften des Dritten Reichs zu tun gehabt. „Viele ehemalige Häftlinge beispielsweise waren auf dem Weg nach Hause, all das musste koordiniert werden“, erklärt Werner. 

Außerdem habe es damals vermehrt Razzien gegeben. Schließlich seien Schwarzmärkte in Zeiten der Lebensmittelknappheit keine Seltenheit gewesen. Heute sei die Polizeiwelt eine andere. Sorgen macht sich Werner unter anderem über die Tatsache, dass die Aggressivität gegenüber seinen Kollegen im Laufe der Zeit immer weiter gestiegen ist. Als positive Entwicklung empfindet er den wachsenden Anteil von Polizeibeamtinnen. Der Beruf sei eben im Wandel – und genau das zeigt sein Museum in Cappel.

Termine nach Vereinbarung 

Der Eintritt ins Polizeimuseum ist frei, es gibt keine festen Öffnungszeiten. Termine können mit Klaus Werner unter Tel. 015 77/32 64 374 und unter klaus.werner-fritzlar@t-online.de abgesprochen werden. Das Museum ist an der Vordergasse 6 in Cappel zu finden.

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