Medientage der Fritzlarer Schulen

Experte rät Jugendlichen zu verantwortungsvollerem Umgang mit dem Internet

Fritzlar. Keine Generation hat je versucht, so viel Aufmerksamkeit zu erreichen wie die heutige. Das sagte Peter Holnick am Dienstag vor mehr als 400 Schülern in der Fritzlarer Stadthalle.

Anlässlich der Medientage der Fritzlarer Schulen zu dem Thema „Meine Welt in der Hosentasche“ hielt Holnick einen Vortrag über die digitale Welt, die neben vielen Vorzügen auch Schattenseiten habe.

Die Wahrnehmung der Menschen habe sich zunehmend verändert. „Heute nimmt ein Mensch an einem Tag so viel an Informationen auf wie ein Mensch aus dem 15. Jahrhundert in einem ganzen Leben“, erklärte der Experte, der für das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation in Dreieich tätig ist. Das spiegele sich auch im Verhalten der Jugend wider, die jederzeit erreichbar sein wolle, dabei aber nicht immer verantwortungsbewusst handele.

Als Beispiel führte Holnick die fehlende Privatsphäre an. „Zu viele Jugendliche präsentieren sich im Netz zu offen“, erklärte Holnick. Sie vergessen dabei, dass Bilder und Texte problemlos verbreitet werden können. Sei das geschehen, könne der Betroffene kaum noch Einfluss nehmen.

Information zu Sicherheit im Netz: www.klicksafe.de

Das sogenannte Sexting, das vergangenes Jahr an hessischen Schulen hohe Wellen schlug, gehöre dazu. Junge Mädchen hatten mit dem Handy Nacktbilder von sich gemacht, die sich in Windeseile im Netz verbreiteten. Holnicks Meinung zufolge liegt das an den Vorbildern, die Jugendliche heutzutage haben. „Schauspielerinnen und Sängerinnen ziehen sich für Titelseite und CD-Cover aus, um die Verkaufszahlen anzukurbeln. Jugendliche halten das für normal und eifern dem nach“, erklärte Holnick.

Die Mädchen, deren Nacktbilder sich im Internet verbreitet hatten, wurden gemobbt und mussten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Damit schlug Holnick eine Brücke zum Thema Cybermobbing, das kein Kavaliersdelikt sei. Die Polizei würde in solchen Fällen mittlerweile ermitteln. Anhand eines Videos zeigte der Referent den Schülern, welche Ausmaße Cyber-Mobbing annehmen kann und was es für den Jugendlichen bedeute, der auf allen Kanälen - Handy, E-Mail und Internetseiten - angegriffen und beleidigt werde. Den Ursprung solch eines Verhaltens sieht Holnick im Fernsehen. Manch Prominenter wie Stefan Raab oder Dieter Bohlen sei dadurch berühmt geworden, dass er andere Personen beleidigt habe.

Zum Schluss ermahnte er die Schüler, nicht alles zu glauben, was im Fernsehen gezeigt werde. Das Meiste sei inszeniert. Viel eher sollte sich die Jugend an den Satz halten: „Wenn die Kamera angeht, gibt es ein Drehbuch.“

Von Viktoria Fischer

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