Experten aus Fritzlar restaurierten 82 Jahre alten Opel in 1000 Arbeitsstunden

Sie sind stolz auf das Ergebnis: (von links) Hermann Krane, Marcin Stepnicki und Reinhard Kremser. 1000 Arbeitsstunden sind in den Oldtimer geflossen. Fotos: Laumann/privat

Fritzlar. Sie machten aus einem einem verrosteten Opel P4 einen glänzenden Oldtimer: Autoexperten aus Fritzlar haben in 1000 Arbeitsstunden den Wagen restauriert und dabei so manche Überraschung erlebt.

Vorher und nachher: Der Opel P4 war eine Rostlaube, als er nach Fritzlar kam (Foto links). Reinhard Kremser und seine Kollegen haben den Wagen von Grund auf restauriert.

Reinhard Kremser hat den Opel verflucht. Immer und immer wieder. Besonders, wenn er abends, weit nach Feierabend, noch vor dem Computer saß. Stunde um Stunde hat er nach Ersatzteilen für den mit 23 Pferdestärken ausgestattenen Wagen gesucht. „Es hat mir einfach keine Ruhe gelassen“, sagt Kremser. Die Mühe hat sich gelohnt. „Es ist schön geworden“, sagt er nicht ohne Stolz. Aus dem völlig heruntergekommenen Opel P4, Baujahr 1934, ist bei der Firma Strahltechnik Fritzlar binnen zweieinhalb Jahren ein vorzeigbarer Oldtimer geworden. „Wir haben damals eine Rostlaube bekommen“, erinnert sich Kremser. Die Kundin hatte den Wagen in einer Hannoveraner Seitenstraße entdeckt - und sich spontan in den Oldtimer verliebt. 

Der Betrieb von Alexander Ecklmeier sollte das Auto eigentlich nur lackieren. Doch schnell war klar: Das reicht nicht. Aus einer Baustelle wurden mehrere. Viele Schäden zeigten sich erst, als der Opel in tausend Teile zerlegt wurde.

Mit sechs Bar

Da war zum Beispiel der Dachhimmel aus Eschenholz. Weil der Wagen jahrelang bei Wind und Wetter draußen stand, waren die Bleche durchgerostet und das Holz morsch. Nach dieser ersten Diagnose ging es in die Sandstrahlen-Kammer. Sandkörner, die mit bis zu sechs Bar durch eine Pistole geschossen wurden, sorgten dafür, dass der letzte Lack und der ganze Rost abkamen. Grundieren. zusammenschweißen, wieder grundieren: Allein 500 Stunden steckten der Karosserie- und Fahrzeugbauer Kremser und seine Kollegen in den Oldtimer.

Hinzu kamen noch mal 500 Stunden, die Polsterer, Schreiner und der Lackierer gebraucht haben. Das summiert sich und kostet. Insgesamt einen mittleren fünfstelligen Betrag.

Motor, Bremsen, Elektrik: Alles wurde überarbeitet. Und immer wieder gab es Rückschläge, erklärt Kremser und erzählt die Geschichte von den Fensterscheiben.

Vorher und nachher: Der Opel P4 war eine Rostlaube, als er nach Fritzlar kam (Foto links). Reinhard Kremser und seine Kollegen haben den Wagen von Grund auf restauriert.

„Früher wurde einfaches Fensterglas verbaut. Das wäre heutzutage viel zu gefährlich. Daher haben wir Sicherheitsglas genommen. Doch das passte nicht in die Fassung“, sagt der Karosserie- und Fahrzeugbauer. Also bedurfte es einmal mehr einer Sonderanfertigung. Überhaupt mussten viele Teile extra für den Oldtimer gebogen, geschliffen und eingebaut werden. Hilfe gab es von Typen-Referenten. Das sind Oldtimer-Freunde, die das Auto bis in den letzten Winkel kennen. Kremser schätzt, dass 60 Prozent des Opels original sind. Der Rest stammt aus einem anderen Modell, das die Firma ausgeschlachtet hat, und aus speziellen Anfertigungen. Letztere gab es auch für die Blinklichter.

„Die haben wir nachträglich eingebaut. Heute kann man schließlich nicht mehr mit einer Armbewegung zeigen, dass man abbiegen will“, sagt der 46-Jährige und lacht. Kremser und seine Kollegen versuchten stets, so nah am Original zu sein wie möglich. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: „Wir haben wieder ein Stück Geschichte bewahrt.“

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