Angeklagter vor Gericht

Bunker-Explosion bei Fritzlar: „Es war sehr dumm“

Explosion im ehemaligen Munitionsdepot: Die Feuerwehren waren 2018 im Großeinsatz. Archiv
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Explosion im ehemaligen Munitionsdepot: Die Feuerwehren waren 2018 im Großeinsatz. (Archivfoto)

Nachdem es Ende 2018 zu einer großen Explosion in einem Bunker bei Fritzlar gekommen war, hat das Amtsgericht nun ein Urteil gefällt. Der Angeklagte bereue seine Tat.

Fritzlar – Ein 29-Jähriger aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg ist vom Amtsgericht Fritzlar schuldig gesprochen worden. Er ist einer der Täter, der 2018 für eine Explosion in einem ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepot an der Kalbsburg verantwortlich gemacht worden ist. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre. Außerdem muss er 1800 Euro an die Jugendfeuerwehr Fritzlar zahlen.

Es war bereits der zweite Prozess nach der Explosion in Fritzlar, die am 20. November 2018 im wahrsten Sinne des Wortes mit einem gewaltigen Knall erschüttert hatte. Tote und Verletzte hätten die Folgen einer schweren Explosion mit Vollbrand in einem Bunker des ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepots an der Kalbsburg sein können.

Davon war auch bei der jüngsten Verhandlung mehrfach die Rede. Der 29-Jährige wurde deshalb wegen Einbruchdiebstahls in einem besonders schweren Fall, fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz sowie unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt.

Bunker-Explosion bei Fritzlar: Der Angeklagte bereue seine Tat

Nach einem Einbruch in den von einem Pyrotechniker als Lager genutzten Bunker waren über 100 Kilogramm Pyrotechnik explodiert. Die Beschuldigten hatten beim Einbruch eine Akku-Flex und einen Benzin-Trennschleifer eingesetzt. Drei Männer und drei Frauen waren angeklagt.

Das Verfahren gegen den 29-Jährigen war abgetrennt worden. Der wegen Diebstahls Vorbestrafte legte ein Geständnis ab und entschuldigte sich. „Wir hätten beide tot sein können“, sagte er. In seiner Wohnung hatte die Polizei 60 Kilogramm China-Böller, ein Springmesser, einen Elektroschocker, Wurfsterne und Schlagringe sichergestellt. Vor Gericht sprach er von Sammler-Leidenschaft, für Pyrotechnik interessiere er sich seit seiner Jugendzeit.

„Es war sehr dumm.“ Er bedauere, dass er sich von einem Bekannten habe mitreißen lassen. Der habe die Idee zum Einbruch gehabt. Dagegen hatte der im Vorjahr Verurteilte erklärt, er habe sich von dem 29-Jährigen „reinreißen lassen“.

Explosion bei Fritzlar: Angeklagte wollten Pyrotechnik verkaufen

Seine Eltern hätten ihm „den Kopf gewaschen“. Er habe einen festen Arbeitsplatz, lebe mit seiner Verlobten zusammen, die im fünften Monat schwanger sei und einen elfjährigen Sohn habe. „Ich will nichts mehr mit Feuerwerk zu tun haben“, betonte er. Mit dem Mann aus Schauenburg habe er nichts mehr zu tun. Der räumte im Zeugenstand ein, dass man die gestohlene Pyrotechnik verkaufen und für den Eigenbedarf nutzen wollte. Laut Staatsanwaltschaft hatten sich die Beschuldigten erhofft, durch den Verkauf der Pyrotechnik und der Abschussvorrichtungen 20.000 bis 30.000 Euro einnehmen zu können.

Der Angeklagte habe Reue gezeigt, sagte der Staatsanwalt. „Die Vorgehensweise war dilettantisch“, meinte er und beantragte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie eine Geldauflage von 2800 Euro. Der Verteidiger beantragte eine „angemessene Bewährungsstrafe“ sowie Schadensersatz bis zu 3000 Euro.(Manfred Schaake)

Bereits zwei Urteile rechtskräftig

Es gab 2020 bereits Urteile: Ein geständiger 28-Jähriger aus Schauenburg wurde unter anderem wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt, zur Bewährung auf drei Jahre. Ein 28-jähriger Rotenburger bekam eine Geldstrafe. Das Verfahren gegen drei Frauen zwischen 26 und 27 Jahren aus Kassel, Schauenburg und Bad Emstal wurde eingestellt. Auch sie hatten gestanden. Sie hatten Schmiere gestanden und zahlten dem Eigentümer der Pyrotechnik jeweils 1000 Euro. Er hatte den Schaden auf 20 000 Euro beziffert. 

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