Nach Durchsuchung in Klinik

Falsche Ärztin in Fritzlar: Polizei richtet Hinweistelefon ein

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Luftbild: Das Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar.

Im Fritzlarer Krankenhaus hat offenbar jahrelang eine Ärztin gearbeitet, die gar keine war. Laut einem Polizeisprecher wurden "massenhaft Akten" sichergestellt.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen im Fall der inzwischen verhafteten falschen Ärztin, die von 2015 bis 2018 am Fritzlarer Hospital (Foto) beschäftigt war, in die Offensive. Bei der Polizeidirektion Schwalm-Eder in Homberg wurde jetzt die Arbeitsgruppe „Medicus“ angesiedelt, die zusammen mit der Staatsanwaltschaft Kassel gegen die 48 Jahre alte Frau unter anderem wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt. 

Die Kriminalpolizei Homberg hat zur Aufnahme von Hinweisen und für Anfragen von Angehörigen oder Betroffenen ab sofort ein Hinweistelefon unter Tel. 05681 / 774180 eingerichtet, erreichbar täglich von 10 bis 18 Uhr. 

Bei der Durchsuchung des Fritzlarer Krankenhauses Hospital zum Heiligen Geist seien „massenhaft Akten“ sichergestellt worden, sagt Markus Brettschneider, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Man kann davon ausgehen, dass sich hinter jeder dieser Akten ein Fall und somit ein Mensch verbirgt. 

Unter anderem deshalb habe man die Arbeitsgruppe (AG) Medicus eingerichtet, die sich ausschließlich mit dem Fall der falschen Ärztin (48) befasse, die von 2015 bis 2018 als Assistenzärztin in der Klinik gearbeitet haben soll – ohne ärztliche Zulassung. 

Verdächtige sitzt in U-Haft

Die Verdächtige sitzt seit Dienstag in U-Haft. Fehlerhafte Narkose soll bei vier Patienten zum Tod geführt haben, acht weitere sollen Gesundheitsschäden erlitten haben, so die Ermittler (wir berichteten). Die AG Medicus, die in Homberg angesiedelt ist, werde je nach Bedarf mit Kollegen anderer Polizeistellen ausgestattet, erklärt Staatsanwalt Götz Wied. 

Bei der Durchsuchung der Klinik am Dienstag waren 52 Polizeibeamte im Einsatz. Diese hohe Anzahl an Mitarbeitern sei aber nicht die dauerhafte Besetzung der AG. 

Grundsätzlich würden solche Arbeitsgruppen bei umfänglicheren Ermittlungen eingesetzt. Im Fall des Fritzlarer Krankenhauses seien verschiedene Abteilungen der AG aktiv – etwa für: Durchsuchungen, Ermittlungen und das Hinweistelefon. „Es ist wichtig, besonders geschultes Personal dafür zu haben“, sagt Brettschneider. So hätten die Mitarbeiter, die die Anrufe entgegennehmen, eine spezielle Sachkenntnis. 

Brettschneider betont, dass sich nur Anrufer melden sollten, die Hinweise und Anfragen zum Zeitraum zwischen November 2015 bis August 2018 haben. Das erleichtere den Ermittlern die Arbeit.  

Update vom 07.11.2019: Der Fall der falschen Ärztin am Fritzlarer Hospital schlägt weiter hohe Wellen. Im Interview erklärt Christof Diefenbach, Leiter des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamtes im Gesundheitswesen, warum er die Vorfälle nur schwer nachvollziehen kann.

 

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