Aussagen von Kollegen und Mitarbeiterin der Landesärztekammer

Falsche Ärztin Meike S.: „Bei Kritik ist sie einmal ausgetickt“

Hier soll sie fünf Menschen ermordet haben: Die mutmaßlich falsche Ärztin Meike W. war zwischen 2015 und 2018 am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist tätig.
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Hier soll sie fünf Menschen ermordet haben: Die mutmaßlich falsche Ärztin Meike W. war zwischen 2015 und 2018 am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist tätig.

Um die gefälschte Approbationsurkunde der falschen Ärztin Meike S. ging es am neunten Prozesstag vor dem Landgericht Kassel, der diesmal im Kulturbahnhof stattfand.

Fritzlar - Die 50-jährige Angeklagte, die sich seit Ende Januar und noch bis voraussichtlich Mitte April unter anderem wegen fünffachen Mordverdachts verantworten muss, war von 2015 bis 2018 im Fritzlarer Hospital beschäftigt und soll sich daher bei Aufnahme ihrer ärztlichen Tätigkeit bei der Landesärztekammer Hessen gemeldet haben.

Eine Mitarbeiterin der Landesärztekammer sagte am Dienstagvormittag als Zeugin aus. Wer seine ärztliche Tätigkeit aufnehme, werde Pflichtmitglied der Kammer. Meldebogen und Approbationsurkunde der Angeklagten seien damals bei der Bezirksärztekammer Marburg eingegangen. Aufgefallen sei dabei nur die lange Zeit, die seit Beendigung des vermeintlichen Studiums vergangen war. Meike S. habe dies seinerzeit auf einen Anruf der Kammer hin unter anderem mit ihrem Biologiestudium erklärt. „Das hat eine sehr erfahrene Kollegin bearbeitet“, so die Zeugin. Weiter sei der Sache dann nicht nachgegangen worden.

Zum ersten Mal sei das Thema dann wieder im Oktober 2018 auf den Tisch gekommen. Ein Kollege der Landesärztekammer Schleswig-Holstein habe sich gemeldet. An der Ostseeklinik Schönberg-Holm hatte die Angeklagte ihre Tätigkeit nach ihrem Weggang aus Fritzlar aufgenommen. „Ihm ist die Urkunde ungewöhnlich vorgekommen“, sagte die Zeugin, die sich die Urkunde daraufhin auch noch einmal angeschaut und ebenfalls kleine Fehler entdeckt habe. „Daraufhin haben sie Strafanzeige erstattet?“, fragte der Vorsitzende Richter Volker Mütze. Die Mitarbeiterin der Landesärztekammer nickte.

Neben ihr kamen am Dienstag wieder einige Ex-Kollegen der Angeklagten vor dem Landgericht zu Wort. Zwei Anästhesie-Krankenschwestern, die derzeit noch immer im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar arbeiten, berichteten von ihren damaligen Eindrücken von der heute 50-Jährigen. „Manche können es gleich, manche eben nicht“, sagte eine der Krankenschwestern mit dem Hinweis darauf, dass Meike S. häufig sehr unsicher bei Intubationen und Spinalanästhesien gewesen sei. „Wenn man sie beruhigt hat, hat es aber hinterher meistens doch geklappt.“

Nur einmal habe sie sich „tierisch aufgeregt und den OP-Saal verlassen.“ Bei der Behandlung einer Patientin habe sie Meike S. dringend empfohlen, zu intubieren. Diesem Rat sei sie aber nicht nachgekommen, habe stattdessen eine andere Methode gewählt und das Gespräch mit den Worten „Ich weiß, was ich mache“ beendet. Insgesamt sei Meike S. immer sehr freundlich gewesen, doch wenn man sie kritisiert habe, hätte sie sich oftmals angegriffen gefühlt, sagte die Zeugin und erinnerte sich an eine weitere Situation.

Einmal habe eine Patientin vor der Narkoseeinleitung durch die Angeklagte behauptet, diese sei doch gar keine Ärztin. Daraufhin sei Meike S. „ausgetickt“, habe die Behauptung als unerhört bewertet. „So kannte ich sie gar nicht“, sagte die Zeugin.

Insgesamt berichteten beide geladenen Krankenschwestern sowie später auch der ehemalige Chefarzt der Inneren Medizin – dies war die erste Abteilung der Angeklagten in Fritzlar – von erheblichem zwischenzeitlichem Personalmangel am Fritzlarer Hospital. Zahlreiche Honorarärzte seien zu dieser Zeit an der Klinik tätig gewesen.

Der Ex-Chefarzt der Inneren Medizin betonte außerdem, dass er seinerzeit mit der Angeklagten nicht warm geworden sei. In der Inneren Abteilung seien bei der Angeklagten öfter die Tränen geflossen. „In der Anästhesie schien sie dann ihre Erfüllung gefunden zu haben“, berichtete der der Zeuge. (Daria Neu)

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