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Mord in fünf Fällen? Falsche Ärztin Meike S. bleibt in U-Haft

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Von: Maja Yüce

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Meike S. sitzt vor einem Baum.
Die falsche Ärztin Meike S. war jahrelang am Hospital in Fritzlar tätig. Sie ist wegen Mordes in fünf Fällen angeklagt (Archivbild). © Axel Welch

Die falsche Ärztin Meike S. muss im Gefängnis bleiben. Das Kasseler Landgericht lehnte einen Antrag auf Haftentlassung ab, heißt es auf HNA-Anfrage.

Fritzlar – Seit heute (27.01.2022) genau vor einem Jahr muss sich Meike S. vor Gericht verantworten, seit Oktober 2019 sitzt sie in Untersuchungshaft. Der 51-Jährigen werden fünffacher Mord und versuchter Mord in elf Fällen vorgeworfen. Meike S. hat am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar als Medizinerin gearbeitet, ohne jemals Medizin studiert zu haben.

In dem Krankenhaus war sie von 2015 bis 2018 beschäftigt, während ihrer Arbeit dort soll sie als Anästhesie-Assistenzärztin für den Tod von fünf Menschen verantwortlich gewesen sein. So weit die Anklage. Der Prozess läuft – ein abschließendes Urteil steht noch aus.

Falsche Ärztin bleibt in U-Haft: Gericht weist Antrag der Verteidung zurück

Es sei ein sehr umfangreicher Antrag der Verteidigung auf Haftentlassung gestellt worden, bestätigt Matthias Besson, Pressesprecher des Landgerichts. Die Kammer habe den Antrag zurückgewiesen. Die Verteidigung von Meike S. hatte ihren Antrag im Wesentlichen damit begründet, dass nicht von einem wenigstens bedingt vorsätzlichen Handeln der Angeklagten auszugehen sei. „Wir halten die Bewertung, unsere Mandantin habe mit Vorsatz Menschen getötet oder dies versucht, für juristisch grob fehlerbehaftet und haben dies mit den bisherigen Beweisergebnissen begründet“, erklärt Verteidiger Dr. Sven Schoeller.

Zudem sei aus Sicht der Verteidigung die Krankenhausdokumentation des Hospitals „ersichtlich inakkurat“. Auch anhand dieser Dokumentation wird im Prozess versucht nachzuvollziehen, in welchen Fällen Meike S. als Assistenzärztin der Anästhesie alleinverantwortlich tätig war. „Diese Beweisgrundlage halten wir für bedenklich fragil, um darauf schwerwiegende Rechtsfolgen für die Angeklagte zu begründen“, so Schoeller.

„Dringendem Tatverdacht“: Falscher Ärztin drohen zwischen fünf und 15 Jahre Haft

Das sieht die Staatsanwaltschaft anders: Nach dem bisherigen Stand der Beweisaufnahme sei der dringende Tatverdacht eines vorsätzlichen Tötungsdelikts begründet. Davon ausgehend drohe im Verurteilungsfall eine Freiheitsstrafe zwischen fünf und 15 Jahren für Totschlag und lebenslange Freiheitsstrafe bei Mord, so Oberstaatsanwalt Dr. Stephan Schwirzer. Es bestehe somit „eine dringende Wahrscheinlichkeit, dass die Angeklagte sich in Freiheit dem Strafverfahren nicht weiter stellen wird“ – Fluchtgefahr. Dem folgte das Gericht weitgehend. (Maja Yüce)

Liste der Anklagepunkte ist lang

Die Liste der Anklagepunkte im Fall der falschen Ärztin ist lang: Mord in fünf Fällen, versuchter Mord in elf Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung – in all diesen Fällen mit unerlaubter Ausübung der Heilkunde. Hinzu kommen: Urkundenfälschung, Missbrauch von Berufsbezeichnungen und Titeln sowie Betrug. Seit einem Jahr läuft bereits der Prozess gegen Meike S., die sich erstmals am 27. Januar 2021 vor dem Kasseler Landgericht verantworten musste. 

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