Erinnerung an Soldaten

Fast 100 Jahre altes Ehrenbuch auf Dachboden in Fritzlar gefunden

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Das Ehrenbuch aus Werkel: Hobbyhistorikerin Anneliese Pachali hat sich das Fundstück angeschaut und kann viel dazu erzählen.

Vermutlich gibt es nicht mehr viele Bücher dieser Art, wie sie bei Werkeler Hobbyhistorikerin Anneliese Pachali auf dem Dachboden gefunden wurden. 

Das Ehrenbuch erinnert an die gefallenen und heimgekehrten Soldaten des Ersten Weltkriegs aus Werkel, dem heutigen Fritzlarer Stadtteil. 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges, der von 1914 bis 1918 dauerte und viele Millionen Opfer forderte, tauchte das 30 mal 60 Zentimeter große, aufwendig gestaltete und gebundene Buch wieder auf.

Harald Schaumlöffel hatte es auf dem Dachboden seines Hauses gefunden, als dort aufgeräumt wurde. Anneliese Pachali vermutet, dass das Ehrenbuch der evangelischen Kirchengemeinde auch deshalb so gut erhalten wurde und bis heute überlebt hat, weil Schaumlöffels Großvater von 1933 bis 1936 Bürgermeister in Werkel gewesen ist.

Das Buch gehört zu den wenigen Zeitdokumenten, die über Werkeler Geschichte berichten, denn vieles war bei der Bombardierung des Dorfes am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. Wie Anneliese Pachali recherchierte, gedachte die evangelische Kirche Werkel ihrer gefallenen und heimgekehrten Kriegsteilnehmer. Im Verlag der Anstalt Bethel wurde das Buch gedruckt und gebunden. Alle Angaben zu den einzelnen Personen – wann geboren, eingerückt, wo gekämpft, welche Verwundungen, Auszeichnungen, wo gefallen und vermisst – wurden gesammelt und nach Bethel geschickt.

Einer der Heimgekehrten des Ersten Weltkriegs: Konrad Lengemann, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde.

Einige Gefallene fehlen, da sie 1925, als das Buch entstand, noch als vermisst galten und die Angehörigen keine Angaben machen konnten. Es wurde wohl versäumt, das Buch später zu vervollständigen. Im Nachbarort Dorla gibt es ein vergleichbares, aber nicht so gut erhaltenes Ehrenbuch, das im Hause Discher gefunden wurde.

Dort gibt es auch eine Stiftungsurkunde der ev. Kirche Dorla. Ob die Bücher öffentlich ausgelegen haben, ist nicht bekannt.

Wie Pachali weiter herausfand, fanden am 15. und 24. Januar 1915 in der Werkeler Kirche Trauerfeiern für zwei schon im September 1914 gefallene junge Familienväter statt.

Um die Bevölkerung nicht zu demoralisieren, wurden später die Trauerfeiern in den Kirchen von der Obrigkeit untersagt. Wenn aber wieder einmal irgendwo auf den Schlachtfeldern ein Sieg errungen worden war, für den viele Soldaten starben, habe man abends überall im Land (auch im kleinsten Dorf) um 18 Uhr die Kirchenglocken geläutet, damit die Euphorie der Menschen anhielt und sie nicht kriegsmüde wurden, meint die Hobbyhistorikerin. Anneliese Pachali wird das Ehrenbuch dem Archiv der Stadt Fritzlar zur Aufbewahrung übergeben. 

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