Notunterkunft im alten Möbelhaus

Bis zu 500 Flüchtlinge kommen nach Fritzlar

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Die Vorbereitungen laufen: Das ehemalige Proviantamt in Fritzlar wird zur Notunterkunft für Flüchtlinge.

Fritzlar. Jetzt muss alles schnell und trotzdem gut geplant ablaufen: Schon am Freitag sollen die ersten Flüchtlinge im ehemaligen Proviantamt in Fritzlar untergebracht werden.

Für bis zu 500 Menschen soll in dem zuletzt als Möbelhaus genutzten und zum größten Teil leerstehenden Gebäude Platz geschaffen und eine Notunterkunft eingerichtet werden.

„Wir packen das“, sagt Stadtbrandinspektor Hartmut Hucke bei einem Gang durch das Gebäude. Auf jeder Etage befindet sich ein riesiger, weiß gestrichener Raum mit Betonboden, zahlreichen Stützpfeilern und Fenstern. An den Decken hängen Halogenlampen und die Heizungs-Kästen.

Im Schichtdienst werde die Feuerwehr in den nächsten Tagen arbeiten, erklärt Hucke. Mit je 50 Einsatzkräften aus allen Fritzlarer Wehren, bis 22 Uhr und bei Bedarf auch länger. „Es gibt bei uns ein großes Verständnis für die Menschen, die auf der Flucht sind“, sagt Hucke. Das sei ihm bei einer Sondersitzung am Montagabend deutlich geworden. „Ich habe alle informiert und um Unterstützung gebeten“, sagt Hucke. Die Bereitschaft zu helfen sei groß. Allerdings sei es trotzdem nicht einfach, den Einsatz zu koordinieren. Viele Feuerwehrleute seien berufstätig und könnten daher nicht zu jeder Tageszeit eingeplant werden.

Hucke hofft auf die Unterstützung der Arbeitgeber. Viel Zeit bleibt nicht, derzeit geht es darum, die Materialanlieferung zu koordinieren, Gespräche mit einem Team der Kreisverwaltung und Vertretern der Bundeswehr zu führen. Ab Mittwoch sollen dann die Stellwände aufgebaut werden. Und mit etwas Glück auch die ersten Betten, doch auch dabei gibt es Hürden zu bewältigen: „In vielen Unterkünften wurden Ikea-Betten aufgebaut, doch sind die ausverkauft und nicht mehr zu bekommen“, sagt Hucke. Jetzt hoffe man auf Feldbetten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

40 Soldaten helfen 

Mit 40 Soldaten wird die Bundeswehr beim Aufbau der Trennwände und der Betten helfen. Auch weitere Feuerwehren aus den Nachbarstädtenseien zur Hilfe bereit. „Es ist wirklich viel Arbeit, aber mir ist nicht bange“, sagt Hucke. Aber immerhin könne man in Fritzlar eine Unterkunft bieten, die beheizbar und zudem in einem guten Zustand sei. Die Heizungsanlage könne die Räume auf bis zu 20 Grad erwärmen. Er hoffe, dass das auch bei extremer Kälte funktioniere, die Fenster in dem Gebäude seien älter und alles andere als gut isoliert.

Container für Toiletten 

Im ersten und zweiten Stockwerk sollen Schlafräume entstehen, erklärt Hucke. Durch die großen Pfosten könne man gut für die Abtrennung sorgen. Im Erdgeschoss sei unter anderem ein Essens- und Aufenthaltsraum geplant. Die Versorgung mit Mahlzeiten werde von den Helfern der Malteser übernommen.

Sanitäre Anlagen gibt es in dem für die Flüchtlinge vorgesehenen Bereichen nicht. Deshalb werde man auf dem Gelände Container mit Duschen und Toiletten aufbauen.

Auch ein Rettungsweg müsse noch installiert werden, bislang gibt es keinen. Es gebe die Überlegung, eine Fluchttreppe an das Gebäude zu bauen. „Wir hoffen natürlich, dass diese nie benutzt werden muss“, sagt Hucke.

Das sagt Bürgermeister Spogat:

„Wir bieten beheizte, helle, freundliche Räume auf 2000 Quadratmetern und keine abgewohnte Lagerhalle“, sagt Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat und ist froh darüber, eine annehmbare Unterbringungsmöglichkeit für die Flüchtlinge gefunden zu haben. In den vergangenen Wochen habe er auch sehr intensiv nach möglichen Notunterkünften gesucht, sagt er im HNA-Gespräch.

„Wir wollen den Menschen helfen, die aus einer Not heraus zu uns kommen und dafür eine gefährliche Reise ins Ungewisse auf sich genommen haben. Man muss sich doch auch mal in die Lage der Menschen versetzen“, sagt Spogat. Zugleich sei ihm wichtig, dass zum Beispiel der Sport nicht leide und somit die Unterbringung in Mehrzweckhallen und Dorfgemeinschaftshäusern vermieden werden kann, betont Spogat. Das sei nun erstmal gelungen.

Jetzt gebe es aber noch viel zu tun, bis die ersten Flüchtlinge untergebracht werden könnten - nicht nur in dem Gebäude. Es müsse über Absperrungen nachgedacht werden und auch darüber, den Zaun in Richtung des Fuß- und Radweges zu öffnen.

In dem Gebäude bleiben werde übrigens das Geschäft Lemmi Kindermode.

• Eine Informationsveranstaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen ist in Fritzlar für Dienstag, 17. November, in der Stadthalle geplant.

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