Unbekannte verteilen Zettel in Züschen und Lohne

Flugblatt gegen Flüchtlinge soll Ängste schüren

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Er ist nicht auf die Lüge reingefallen: Rainer Wackerbarth aus Lohne hat dem Inhalt des Flugblattes nicht geglaubt. Das Schreiben soll für Unsicherheit sorgen.

Lohne/Züschen. Flugblätter, mit denen Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht werden soll, wurden in den Fritzlarer Stadtteilen Lohne und Züschen verteilt.

In den anonym verfassten Schreiben ist die Rede davon, dass Fritzlar in den nächsten zwei Tagen 600 Flüchtlinge aufnehmen müsste. 120 sollen angeblich in Züschen im Schloss Garvensburg und 80 in Lohne im Dorfgemeinschaftshaus untergebracht werden.

„Das sind alles nur Gerüchte, da ist kein Funken Wahrheit dran“, sagt Bürgermeister Hartmut Spogat. Auch gebe es den Unterzeichner Gregor Winter nicht, der sich als Sachbearbeiter mit Flüchtlingsfragen befasse. Und auch die genannte „Kommunalstelle für dezentrale Flüchtlingsunterbringung Hessen“ sei erfunden, betont Spogat.

„Da ist kein Funken Wahrheit dran.“ 

Perfide an den Schreiben ist auch, dass der Eindruck erweckt wird, dass die Flüchtlinge Krankheiten übertrügen und dass deshalb zu Impfungen geraten werde. „Das ist bewusste Panikmache und Verunsicherung“, so Spogat weiter. Er habe alle Ortsvorsteher informiert, dass es sich um eine Falschmeldung handele.

Ganz entspannt sieht das auch Rainer Wackerbarth aus Lohne, der ebenfalls eines der 600 im Ort verteilten Schreiben in seinem Briefkasten hatte. „Die müssen am späten Abend eingeworfen worden sein“, sagt Wackerbarth. Er habe dem Inhalt aber nicht geglaubt und auch gleich seine Nachbarin beruhigt, die verunsichert gewesen sei.

Für Wackerbarth war klar, dass die Sache geklärt werden muss und informierte unsere Zeitung. Das tat auch eine Leserin aus Züschen, die namentlich nicht genannt werden will und die das Schreiben ebenfalls gleich für einen üblen Scherz hielt. Allerdings habe die Meldung auch in Züschen die Runde gemacht und für Spekulationen gesorgt.

Im Schreiben ist auch die Rede von so genannten „Zwangszuweisungen“ von Asylbewerbern. Auch das sei komplett gelogen, sagt Bürgermeister Spogat. Die Stadt plane auch keine Unterbringung von Flüchtlingen in den DGHs.

Spogat hat bereits viele Immobilien in der Kernstadt besichtigt, um zu prüfen, wo eventuell Flüchtlinge einziehen könnten. „Wir sprechen von Notunterkünften“, erklärt Spogat. Denn es sei durchaus davon auszugehen, dass auch nach Fritzlar mehr Flüchtlinge kommen werden, sagt er. Die freien Immobilien habe er dem Landkreis gemeldet: Es gelte eine Lösung für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu finden und daran beteilige sich auch Fritzlar.

Eine Unterbringungsmöglichkeit für etwa 80 Menschen schaffe die DRK Landesverstärkung in Fritzlar. Im Gewerbegebiet Ost (Gewerbering) sei ein Gebäude in Holzmodulbauweise geplant, für die Nutzung in Katastrophenfällen. Frühestens im Sommer nächsten Jahres könnten dort dann Menschen einziehen.

Das sagt Landrat Becker

Das ist alles dummes Zeug und eine Unverschämtheit“, sagt Landrat Winfried Becker mit Blick auf die Flugblätter. Solch eine ähnliche Verteilaktion habe es vor ein paar Tagen auch in Waldeck-Frankenberg gegeben. Vor allem die Behauptung, dass die Flüchtlinge Krankheiten übertragen sei „unter aller Kanone“.

Die Garvensburg in Züschen werde gastronomisch genutzt und habe noch nie auf der Liste der möglichen Unterkünfte gestanden. Auch die Dorfgemeinschaftshäuser in Züschen und Lohne stünden derzeit nicht zur Diskussion. Aber das könnten sie eines Tages: „Es kann sein, dass uns nichts anderes übrig bleibt. Wir können die Menschen nicht auf der Straße sitzen lassen.“ Nach wie vor sei der Landkreis aber dabei, sich auf die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen vorzubereiten. Bis zu 1000 Menschen könnten kommen. Die Unterbringung zur Erstaufnahme sei im Chinapark in Ziegenhain sowie in den Schulsporthallen in Gudensberg, Guxhagen und Felsberg geplant. Becker fordert erneut eine bessere Informationspolitik, man sei auf kommunaler Ebene von Informationen aus Wiesbaden abgeschnitten.

Das sagt die Polizei

Angesichts der Fehlinformation, die in vielen Briefkästen landete, könnte die Polizei wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ ermitteln, sagt Polizeisprecher Volker Schulz. Das werde nun geprüft. Ein Straftatbestand sei aber auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Im Schwalm-Eder-Kreis seien das die ersten größeren Flugblatt-Aktionen gegen Flüchtlinge. Die Schreiben seien Falschmeldungen, die eindeutig in die fremdenfeindliche Richtung gingen. Schulz bittet die Finder solcher Nachrichten, diese bei der Polizei abzugeben.

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