„Die Frau war total betrunken“

Nach Bergheimer Ziegenfest: Prozessauftakt wegen körperlicher Misshandlungen

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Gruselig sollte es auf dem Ziegenfest 2016 ausdrücklich zugehen – aber natürlich sollte es keine Verletzten geben: Jetzt steht allerdings ein 29-Jähriger vor Gericht.

Bergheim/Fritzlar. Für zwei junge Gäste endete der Besuch des Bergheimer Ziegenfestes 2016 im Krankenhaus. Der aus ihrer Sicht Schuldige muss sich als Angeklagter vor dem Amtsgericht Fritzlar verantworten.

Eine Frau aus Bad Wildungen stürzte vor der Festhalle mit dem Hinterkopf auf den Boden, erlitt eine Platzwunde am Kopf mit Schleudertrauma. Die zweite Betroffene bekam einen Bierbecher ins Gesicht. Ergebnis: eine Platzwunde an der Lippe.

Für die Staatsanwaltschaft ist in beiden Fällen ein 29-jähriger Wildunger der Übeltäter. Dieser beteuerte allerdings seine Unschuld und verwies auf unglückliche Umstände, während die beiden jungen Frauen bei ihren Aussagen blieben. Augenzeugen unterstützten ihre Positionen zwar, lieferten aber kein detailliertes Bild der Geschehnisse.

„Körperliche Misshandlung“ wirft die Staatsanwältin dem Angeklagten vor, der im ungünstigen Fall mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung zu rechnen hat. Das Urteil verkündet Amtsrichterin Corinna Eichler in einer zweiten Verhandlung Ende März.

Der Vorfall ereignete sich auf dem Außengelände der Bergheimer Festhalle an der Eder. Eine der Frauen berichtete, der ihr bekannte Mann habe sie plötzlich hochgehoben und dann hingeworfen: „Ich knallte mit dem Hinterkopf auf den Schotter, war total schockiert. Dann bin ich weinend zur nahen Bushaltestelle gegangen und nach Hause gefahren.“ Später ließ sie sich im Krankenhaus behandeln, war zwei Wochen krank geschrieben.

Dagegen sagte der Angeklagte: „Ich habe draußen sogar einen Streit geschlichtet. Die Frau war total betrunken und ist von allein umgefallen, ich habe ihr hoch geholfen.“ Ihn jedenfalls treffe keine Schuld: „Wenn ich Mist baue, stehe ich dafür ein.“

Fall Zwei ereignete sich kurze Zeit später in der Festhalle, wo der Angeklagte mit zwei Bierbechern in den Händen auf eine Zeugin der Ereignisse von draußen traf. „Sie hat mich angeschrien und mich aufgefordert, nach draußen zu gehen für eine Entschuldigung.“

Schließlich habe die Frau nach den Bierbechern gehauen, er habe automatisch gegengehalten. Dabei sei wohl ein Plastikbecher – sozusagen per Zufall – an ihre Lippe geraten.

Dies stimmt laut Staatsanwältin nicht mit den Tatsachen überein: „Er hat ihr einen Becher ins Gesicht geworfen.“ Und die Attacke vor der Halle sei grundlos erfolgt.

„Wie würden Sie Ihren damaligen Zustand alkoholmäßig auf einer Skala von 1 bis 10 einstufen?“ fragte die Richterin die Zeugin. „Höchstens bei 2,5.“ Sie habe nur einen Cocktail und einen Wodka mit Orangensaft getrunken. Sie sei vielleicht angeheitert gewesen, aber keineswegs volltrunken.

Die Zeugen widersprachen sich mitunter und erinnerten sich an unterschiedliche Details, stimmten jedoch eher den Schilderungen der geschädigten Frauen zu. „Wörter und Beleidigungen flogen hin und her, das ist etwas ausgeartet“, lautete eine Aussage.

Schließlich musste die Security des Edertaler Volksfestes noch Kritik einstecken. Sie habe nicht eingegriffen.

Von Jürgen Minke

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