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Ärger über Allee-Pläne in Fritzlar: Bürgerinnen sammeln Unterschriften gegen Radweg durch den Park

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Von: Daniel Seeger

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Sigrid Adam und Sandra Arend aus Fritzlar haben nach eigenen Angaben bereits über 1000 Unterschriften gegen den Bau eines Radweges durch den Alleepark gesammelt.
Sigrid Adam und Sandra Arend aus Fritzlar haben nach eigenen Angaben bereits über 1000 Unterschriften gegen den Bau eines Radweges durch den Alleepark gesammelt. © Daniel Seeger

Die Umgestaltung der Allee in Fritzlar ist ein großer Streitpunkt. Nun sammeln zwei Bürgerinnen Unterschriften gegen die Pläne.

Fritzlar – In Fritzlar gib es wohl derzeit kaum ein größeres Aufregerthema als die geplante Neugestaltung der Allee. Nun haben sich zwei Bürgerinnen zusammengetan, um Unterschriften gegen das Projekt zu sammeln. „Über 1000 haben wir schon gesammelt“, sagt Sandra Arend.

Zusammen mit Sigrid Adam, die ebenfalls aus Fritzlar kommt, hat sie die Aktion ins Leben gerufen. Die beiden wenden sich gegen den Bau eines Radweges, der nach der von den Stadtverordneten mehrheitlich beschlossenen Planung durch den Allee-Park führen wird. Dieser ist eine Voraussetzung dafür, dass die Stadt Fördergeld für die Umgestaltung erhält. Die beiden Fritzlarerinnen wollen erreichen, dass die Grünflächen im Park erhalten bleiben und keine Bäume gefällt werden. Außerdem bemängeln sie, dass die Bürger nicht in die Entscheidung einbezogen wurden.

Umbau der Allee in Fritzlar: Sanierung der Straße ist notwendig

Anlass für die Unterschriftensammlung sei eine Aktion der CDU gewesen. Die hatte kürzlich per Flatterband dargestellt, wie der Radweg verlaufen könnte. Die Christdemokraten stellen sich gegen die aktuelle Planung. Adam und Arend betonen, dass sie mit keiner Partei verbunden seien. Die SPD betont, dass sie hinter dem Bau des Radwegs steht und diesen als Teil eines großen Radwegenetzes sehe, das in Fritzlar entstehen soll. Dass die Allee saniert werden muss, stehe außer Frage, sagt Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) im HNA-Gespräch. Das liege daran, dass die Kanalisation erneuert werden müsse und auch die EWF und das Gruppenwasserwerk Arbeiten in diesem Bereich planen.

Umbau der Allee in Fritzlar: Details noch zu klären

„Der Plan ist die Vorlage dafür, wie der Ausbau realisiert werden kann“, so Spogat. Das bedeutet aber auch, dass Details wie ein exakter Verlauf des Radweges oder die genaue Zahl der Bäume, die gefällt oder neu gepflanzt werden noch offen sind. Das zeigt auch der mit den Stimmen der Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern verabschiedete Beschluss in der Stadtverordnetenversammlung, in dem es etwa auch heißt, dass geprüft werden soll, ob durch eine Umlegung von Verkehrswegen vorhandene Bäume erhalten bleiben können.

Viele Bürger, die von den beiden angesprochen werden, reagieren emotional auf das Thema. „So ein Quatsch“, sagt ein Mann über die Pläne zur Sanierung. „Ich verstehe nicht, was das mit dem Radweg soll“, meint eine Fritzlarerin sichtlich verärgert, als sie auf der Liste unterschreibt. Doch wie die Pläne zur Umgestaltung entstanden sind, darüber herrscht bei vielen Unklarheit.

Umbau der Allee in Fritzlar:

Der Plan

Im Zuge der Planung zur Sanierung der B450 habe, so Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU), Hessen Mobil angeregt, auch die Allee mitzubedenken, die saniert werden muss. Ein dazu von der Stadt beauftragtes Planungsbüro hatte die nun beschlossene Variante unter der Maßgabe erstellt, mögliche Förderungen in die Planung einzubeziehen. Der Entwurf wurde mehrfach im Magistrat diskutiert und mit Änderungswünschen an das Büro zurückgegeben. Nachdem das Gremium grünes Licht gab, wurde der Plan im zuständigen Ausschuss diskutiert, der einige Punkte ergänzte und bei fünf Ja-Stimmen und einer Enthaltung den Stadtverordneten empfahl, für diese Variante zu stimmen. Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Freien Wählern erhielt der Plan zur Umgestaltung dann die nötige Mehrheit.

Der Streit

Die Fronten in der Fritzlarer Lokalpolitik scheinen nun verhärtet – die teils ins Polemische abdriftende Kommunikation erfolgte öffentlich wahrnehmbar über Mitteilungen und das soziale Netzwerk Facebook.

Die Fritzlarer CDU fordert die Koalitionsfraktionen auf, die Planung des Allee-Umbaus zu stoppen, die Koalitionsfraktionen sind vom beschlossenen Entwurf überzeugt und werfen der CDU vor, falsche Informationen zu verbreiten. Ein wesentlicher Streitpunkt ist der zusätzliche Radweg, der durch den Allee-Park führen wird. Der ist eine Bedingung dafür, dass Fördergeld an die Stadt fließt – man rechnet mit 950 000 Euro.

Die Diskussion entzündet sich zum einen an der tatsächlichen Notwendigkeit eines solchen Weges. Die CDU hält diesen für „sinnfrei“ und spricht mit Blick auf die Gesamtkosten der Neugestaltung von rund 2,1 Millionen Euro von einer Verschwendung von Steuergeld. Aus der SPD heißt es dazu, dass man den Bau des Radwegs ausdrücklich unterstütze und als Teil eines großen Radwegenetzes sehe, dass im Zuge weiterer Straßensanierungen entstehen soll.

Die Bäume

Zum anderen geht es aber auch um das Fällen von Bäumen im Allee-Park wegen des Radwegebaus. Vertreter der Fritzlarer Grünen sprachen im HNA-Gespräch von fünf Bäumen, die im günstigsten Fall gefällt werden müssten. Gleichzeitig würden jedoch auch mindestens 20 neue großkronige Bäume gepflanzt. Die CDU betont in einer Pressemitteilung, dass für sie jeder Baum, der im Allee-Park gefällt werden müsse einer zu viel sei. Die Bäume hätten für die Fritzlarer Christdemokraten Bestandsschutz – sowohl gegenüber Autofahrern als auch Radfahrern. Allerdings: Auch bei einer alternativen Variante, die den Stadtverordneten vorgestellt wurde, die aber nicht zur Abstimmung stand, müssten gegebenenfalls Bäume gefällt werden.

Auch nach Auffassung der Koalition befinden sich im Allee-Park viele alte Bäume, die erhaltenswert sind. Daher habe man im Ausschuss dafür gesorgt, dass möglichst viele Bäume erhalten bleiben, so die SPD.

Die Parkplätze

Ein weiterer Streitpunkt sind die Parkplätze, die durch einen Umbau der Allee wegfallen werden. Mangelnder Parkraum ist in der Dom- und Kaiserstadt ohnehin ein sensibles Thema, denn freie Parkplätze sind bereits derzeit oftmals knapp. Nach aktuellem Stand wären das laut CDU 27 Parkplätze weniger als vor der Sanierung, was von den Christdemokraten scharf kritisiert wird. Sie befürchten unter anderem Folgen für den Einzelhandel.

Doch auch ohne den Bau des Radweges durch den Park – die Zahl der Parkplätze würde auch bei alternativen Planungen abnehmen – jedoch wohl nicht so stark. Die aktuelle Planung sieht Parkplätze vor, die eine Breite von 2,50 Metern haben. Die böten mehr Komfort und entsprächen wegen den heute breiten Autos aktuellen Standards, so Axel Jäger von den Grünen.

Die Perspektive

Bis tatsächlich gebaut wird, könnte noch eine Weile vergehen. Einen Zeitpunkt konnte der Bürgermeister noch nicht nennen. Fest steht: „Die Förderung ist beantragt“, so Spogat im HNA-Gespräch.

Für den Stopp der Planungen bedarf es laut Spogat eines erneuten Beschlusses der Fritzlarer Stadtverordneten – doch das scheint mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse in der Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung ein unrealistisches Szenario zu sein. (Daniel Seeger)

Was soll gemacht werden?

Die Straße soll unter anderem wieder einen echten Allee-Charakter bekommen, wozu neue Bäume gepflanzt werden sollen. An der Kreuzung Geismarstraße soll ein überfahrbarer Minikreisel den Verkehr lenken. Parkmöglichkeiten soll es direkt an der Straße geben, die bisherigen Parkplätze fallen dafür weg. Ein Radweg auf der Nordseite wird nur in Richtung Kreisel befahrbar sein, den neuen Radweg, der durch den Park führen soll, können Radfahrer in beide Richtungen nutzen.

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